BREMEN. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) möchte sich nicht zu einer linksextremen Aktion gegen eine ihrer Gemeinden äußern. „Der Kirchenausschuss kommentiert den Vorgang nicht“, teilte ein Sprecher auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT mit. Auch Entscheidungen „der unabhängigen staatlichen Justiz“ kommentiere man nicht.
In der vergangenen Woche hatte die JF berichtet, dass die Bremer Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere Linksextremisten ohne Anklage vorzeitig beendet hat. Diese hatten im September 2025 einen Bus der konservativen evangelischen St.-Martini-Gemeinde an der Abfahrt zum „Marsch für das Leben“ in Berlin gehindert. Dabei riefen sie christenfeindliche Parolen.
Die Staatsanwaltschaft stützte sich bei ihrer Entscheidung auf die „Geringfügigkeit“ des Vorgangs. Sie begründete die Einstellung des Verfahrens damit, dass die Schuld der Linksextremen im Zweifel „als gering anzusehen“ wäre und es zudem kein öffentliches Interesse gebe, das eine gerichtliche Klärung nötig machen würde.
Gemeinde kritisierte Staatsanwaltschaft scharf
Der Vorsitzende des Vorstandes der St.-Martini-Gemeinde, Jürgen Fischer, bezeichnete die Begründung gegenüber der JF als „völlig unverständlich, geradezu haarsträubend und einen Skandal“. Er hatte für die Gemeinde Anzeige gestellt, unter anderem wegen Nötigung, Beschimpfung von Bekenntnissen und der Störung der Religionsausübung.
Das Verhältnis zwischen der Bremer Landeskirche rund um Präsident Bernd Kuschnerus und der Martini-Gemeinde ist schwierig. Letztere ist zwar Mitglied der BEK, lässt seit November 2024 aber ihre Rechte und Pflichten in der Landeskirche ruhen. Die Martini-Gemeinde steht mit ihrem konservativ-protestantischen, an der Bibel und den traditionellen protestantischen Bekenntnissen orientierten Kurs quer zum Selbstverständnis der landeskirchlichen Führung.
Kirche distanzierte sich mehrfach von Gemeinde
Die BEK hat sich mehrfach von der Martini-Gemeinde distanziert. So beschloss der Kirchenausschuss im Mai, die Bezüge des Martini-Pastors Olaf Latzel für die Dauer von 48 Monaten um fünf Prozent zu kürzen und das Geld an „Anlaufstellen für queere Menschen“ zu überweisen (JF berichtete). Hintergrund sind kritische Äußerungen Latzels über Homosexualität.
Zuletzt distanzierte sich der Kirchenausschuss im April öffentlich von der Gemeinde, weil diese gemeinsam mit der Alliance Defending Freedom (ADF) eine Veranstaltung zu Christendiskriminierung in Deutschland veranstaltete. Der Kirchenausschuss sah darin den Versuch, „einen christlichen Nationalismus insbesondere gegen Frauen- und LGBTQ-Rechte aus den USA zu importieren“, und sprach von „Selbstviktimisierung“.
Im Falle anderer linksextremer Attacken auf die Martini-Gemeinde hatte sich die Landeskirche in der Vergangenheit geäußert. So teilte sie nach einem Farbanschlag im März 2021 mit, man lehne „diese Taten eindeutig ab“ und werbe für eine gewaltfreie Auseinandersetzung. „Keine Form der Gewalt, sei sie verbal oder eine Tätlichkeit, sei sie an Kirchen, Moscheen und Synagogen, trägt zum friedlichen Miteinander bei.“ (ser)






