MAINZ. Die ZDF-Geschäftsleitung hat kurz vor der Aufzeichnung der Satiresendung „Die Anstalt“ einen Auftritt des linksradikalen Sängers Danger Dan (bürgerlich: Daniel Pongratz) untersagt. Gemeinsam mit dem Starpianisten Igor Levit sollte er in der hundertsten Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Demokratie retten“ sein Lied „Keine Angst“ präsentieren.
In dem Text geht es darum, wie man sich gegen „Nazis“ und „Faschos“ wehren solle. Gemeint ist die AfD, denn gleich zu Beginn heißt es, dass sie in den „Parlamenten erstarken“. Der Song ist garniert mit „lieben Grüßen an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“. Das sind die Vornamen von Mitgliedern der Antifa-„Hammerbande“, die wegen schwerer Gewalttaten gegen Menschen derzeit in Gefängnissen sitzen.
Der Sender begründete seine Entscheidung damit, dass der Liedtext als Aufruf zur Gewalt verstanden werden könne. Doch ein solcher Aufruf stehe im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF. Dieser Widerspruch hätte sich nach dem fast siebeneinhalb Minuten langen Lied nicht mehr auflösen lassen können.
ZDF will das Lied jetzt „dokumentarisch“ aufarbeiten
Stattdessen entschied das ZDF, „sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten“.
Darüber ist nun die Empörung in den sozialen Netzwerken groß. Doch der Text (hier im Orignal lesen) ist nichts anderes als eine ausführliche durchgehende Handlungsanweisung für die Gründung von Antifagruppen – garniert mit Gewaltaufrufen. In der ersten Strophe heißt es, es gebe zwei Optionen, wie man mit dem Erstarken der Rechten umgehen könne. Zum einen: Abwarten und sie dann „bekämpfen“. Oder schon heute: „Stress mit der Polizei und den ganz besonders Deutschen“.
In den nächsten Strophen folgen konkrete Handlungsanleitungen, „eigene lokale Antifa-Strukturen aufzubauen“. Alles müsse im Verborgenen passieren: „Kein Gründungsdatum und auch kein Verein oder so’n Quatsch.“ Dann solle man loslegen, unter anderem mit Sprühdosen. Es folgt die Warnung: „Von Aktionen nur denen, die selbst dabei waren, erzählen. Es geht um linke Straßenpolitik und nicht um Fame.“
„Lasst euch nicht erwischen!“
Bei den Straftaten sollten die Täter aufpassen: „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras. Nie ohne Handschuh, nie ’nen Fingerabdruck hinterlassen. Und erst recht nie filmen und niemals ein Foto davon machen.“
Danger Dan wird in seinem Lied, das im ZDF gespielt werden sollte, dann noch konkreter: „Die Sicherheitsbehörden werden sich schnell interessieren. Ihr dürft von Anfang an alles nur geheim kommunizieren.“ Das bedeute: „Keine DMs, keine Messenger und Mails! Alles was verboten sein könnte, immer Face to Face! Lasst das Handy zuhaus wegen Bewegungsprofilen. Und wenn sie euch erwischen: Redet nicht mit ihnen!“
Das Lied ist voller solcher Passagen. In der dritten Strophe geht es dann darum, wie man konkret gegen diejenigen vorgeht, die man für „Nazis“ hält:
„Als nächstes müsst ihr die rechten Strukturen recherchier’n
Heimlich ihre Treffen und Demonstrationen fotografier’n
Findet raus, wer sie sind, was sie tun, wo sie leben, wo Sie arbeiten
Und findet raus mit wem Sie sich umgeben
Baut Fake-Accounts bei TikTok und bei Telegram
Dokumentiert alles was sie schreiben, alles was sie sagen
Holt den Papiermüll ab, lauft ihnen nach
Zu ihren Häusern, ihren Wohnungen, den Treffpunkten und Bars.“
„Es gibt so viele Faschos bei der Polizei.“
Die Zuschauer sollten das „gesamtes Umfeld“ der Rechte „kontaktieren“, Flyer, Plakate in deren Wohnvierteln aufhängen, „mit Fotos und Funktionen, mit Namen und Adressen“. Denn: „Niemand wird ein Nazischwein als seinen Nachbarn möchten.“

Die „Nazis“ sollten in den „Knast“: „Doch hier wärt blöd wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst. Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil: Es gibt so viele Faschos bei der Polizei.“
Die ZDF-Sendung „Die Anstalt“ wird am kommenden Dienstag ausgestrahlt. Die Aufzeichnungen dafür laufen jetzt. Danger Dan und Igor Levit wurden kurzfristig ausgeladen. (fh)





