BERLIN. Ermittlungsbehörden haben in Berlin mehrere Wohn- und Geschäftsräume im Umfeld des Zentrums für Politische Schönheit durchsucht. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, übler Nachrede und Beleidigung.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es um ein Plakat, das ein Beschuldigter im Oktober vergangenen Jahres mit zwei weiteren Personen vor der Polizeidirektion Chemnitz enthüllt haben soll.
Darauf sollen ein Polizeibeamter und der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla karikaturhaft auf einem Motorrad dargestellt worden sein. Am Heck des Motorrads sei eine Reichskriegsflagge angebracht gewesen. Die dargestellte Chrupalla-Figur soll zudem den linken Arm zum Hitlergruß ausgestreckt haben. Außerdem sei sinngemäß behauptet worden, der Polizist gewähre „allen Nazis“ uneingeschränkt Akteneinsicht, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
BREAKING: Hausdurchsuchungen bei uns heute in Berlin! Auf Betreiben der Staatsanwaltschaft Sachsen wurde heute 6 Uhr morgens Kunst kriminalisiert: Familien & Kinder aus dem Schlaf gerissen, Teammitglieder schikaniert, Geräte beschlagnahmt und zur DNA-Abgabe gezwungen.
— Zentrum für Politische Schönheit (@politicalbeauty) June 25, 2026
Zentrum für Politische Schönheit wittert Schikane
Die Durchsuchungsbeschlüsse wurden den Angaben zufolge vom Amtsgericht Chemnitz für fünf Objekte in Berlin erlassen. Durchsucht wurden mehrere Wohn- und Geschäftsräume, darunter auch Räume beim Zentrum für Politische Schönheit. Ob der Beschuldigte selbst zu der linksradikalen Künstlergruppe gehört, könne derzeit nicht gesagt werden.
Das Zentrum für Politische Schönheit sprach auf X von Schikane. Es seien „Familien & Kinder aus dem Schlaf gerissen“ und Teammitglieder schikaniert worden. Das Plakat habe thematisiert, wie interne Polizeidaten aus Sachsen bei Rechtsextremen gelandet seien. „Wer Kunst kriminalisiert, die das Staatsversagen in Sachsen sichtbar macht, hat ein Demokratieproblem“, schrieb die Gruppe.

Das Zentrum für Politische Schönheit fällt seit Jahren mit umstrittenen Aktionen auf. Im vergangenen Sommer störten Aktivisten ein ARD-Interview mit AfD-Chefin Alice Weidel im Berliner Regierungsviertel (die JF berichtete). Im Dezember stellte die Gruppe zudem eine lebensgroße Statue des 2019 ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke vor die CDU-Zentrale in Berlin. Die Aktion erfolgte ohne Einverständnis der Familie Lübckes, die das Vorgehen später kritisierte. (rr)






