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Geschichte der USA: Fanal des Widerstandes am Little Big Horn

Geschichte der USA: Fanal des Widerstandes am Little Big Horn

Geschichte der USA: Fanal des Widerstandes am Little Big Horn

General Custer fand mit seinen Männern am Little Big Horn den Tod durch die Hand der Indianer.
General Custer fand mit seinen Männern am Little Big Horn den Tod durch die Hand der Indianer.
General Custer fand mit seinen Männern am Little Big Horn den Tod durch die Hand der Indianer. Foto: picture alliance / Photo12/Ann Ronan Picture Librar | –
Geschichte der USA
 

Fanal des Widerstandes am Little Big Horn

Der Sieg am Little Big Horn 1876 war ein letzter Versuch der Indianer, sich gegen die Unterdrückung in den USA und ihre Zurückdrängung aus ihrer Heimat zu wehren. Auch heute hat dieses Ereignis noch große Bedeutung für deren Nachkommen.
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Die Vereinigten Staaten bereiteten sich voller Vorfreude auf den 100. Geburtstag ihrer Nation am 4. Juli 1876 vor. Die Wunden des Bürgerkriegs begannen zu verheilen. Die Transkontinentale Eisenbahn verband Ost- und Westküste. Die Erschließung des riesigen Landes stand vor ihrem Abschluss. Die US-Amerikaner sahen optimistisch einer vielversprechenden Zukunft entgegen. Kaum jemand verschwendete noch Gedanken an die Eingeborenen im Land. Das „Indianer-Problem“ galt als gelöst.

Um so größer war der Schock über ein Ereignis, von dem sie an diesem Tag erfuhren und das sie nicht für möglich gehalten hätten. Zehn Tage benötigte die Nachricht aus den Prärien an die Ostküste. Im Montana-Territorium am Little-Big-Horn-Fluss wurden fünf Kompanien der US-Kavallerie durch Sioux-, Cheyenne- und Arapaho-Krieger vernichtend geschlagen. 270 Soldaten fanden den Tod. Diese Schlacht war der dramatische Höhepunkt in der tragischen Geschichte der USA im Umgang mit den Ureinwohnern.

Das präkolumbianische Nordamerika wurde von einer Vielzahl von Völkern und Stämmen bewohnt. Sie sprachen Hunderte von eigenständigen Sprachen. Ihre ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume brachte eine Vielfalt von Kulturen hervor. Nomadisch lebende Jäger und Sammler waren ebenso anzutreffen wie sesshafte, Landwirtschaft betreibende Gemeinschaften. Die natürlichen Reichtümer des Kontinents wurden genutzt und versorgten eine Bevölkerung, deren Zahl schwer zu bestimmen ist. Neueste Forschungen gehen von 2,8 bis 5,7 Millionen Menschen in Nordamerika im Jahr 1500 aus.

Cherokee bemühten sich um Anpassung an Weiße

Die Ankunft der weißen Siedler veränderte die indianische Welt vollkommen. Anfängliche friedliche Begegnungen wandelten sich durch das Vordringen der Europäer in ständige Konflikte, die von beiden Seiten mit brutaler Härte geführt wurden. Die indigene Bevölkerung wurde dabei kontinuierlich zurückgedrängt und dezimiert. Die größten Menschenverluste forderten Epidemien vorher unbekannter Krankheiten unter den Indianern. Dokumentiert ist das Schicksal der Mandan, die 1837 von einer Pockenepidemie heimgesucht wurden. Von circa 4.000 Angehörigen dieses Volkes überlebten nur hundert Menschen.

Schlacht am Little Big Horn: Übersicht der großen Indianerstämme im 19. Jahrhundert in den USA.
Übersicht der großen Indianerstämme im 19. Jahrhundert in den USA. Foto: JF-Montage

Einige Stämme versuchten sich anzupassen. Die Cherokee übernahmen die politischen und wirtschaftlichen Strukturen der weißen Amerikaner und erfanden sogar ein eigenes Alphabet, um ihre Sprache schreiben zu können. 1830 unterzeichnete Präsident Andrew Jackson ein Gesetz, das die Umsiedlung aller Indianer nach Westen vorsah. Die Cherokee klagten gegen dieses Gesetz vor dem Obersten Gerichtshof der USA und bekamen recht. Der Präsident ignorierte das Urteil und ließ den Stamm nach Oklahoma deportieren. Dieser „Marsch der Tränen“ kostete 4.000 Cherokee das Leben.

Kriegerischer Widerstand einzelner Stämme wurde militärisch gebrochen. Dörfer wurden überfallen und niedergemacht. Selten wurde Rücksicht auf Frauen, Kinder und Alte genommen. Die Überlebenden wurden gezwungen, sich in Reservaten niederzulassen.

Stämme siegten am Little Big Horn

Nach dem Bürgerkrieg strebte die US-Regierung mit aller Kraft danach, die Erschließung des riesigen Landes zu vollenden. In den mittleren Prärien hatten sich büffeljagende Stämme ihre Unabhängigkeit bewahrt und waren bereit, sie gegen jeden zu verteidigen, der sie bedrohte. Als die Regierung 1866 den Vertrag mit den Lakota-Sioux brach und Forts in ihren Jagdgebieten baute, war das Maß voll. Unter Führung des Häuptlings Red Cloud begannen die Sioux und die mit ihnen verbündeten Cheyenne und Arapaho einen Guerilla-Krieg. Forts wurden belagert, Nachschubwege blockiert und Einheiten der US-Kavallerie überfallen. Schließlich gaben die USA nach und schlossen mit den Stämmen 1868 den Vertrag von Laramie, der ihnen die Unantastbarkeit ihrer Gebiete zusicherte und die große Sioux-Reservation mit Jagdgebieten und Versorgungsagenturen schuf.

Doch der Frieden hielt nur wenige Jahre. In den für die Sioux heiligen Bergen der Black Hills wurde bei einer von Oberstleutnant George Armstrong Custer geführten Expedition 1874 Gold gefunden. Dies löste einen Goldrausch aus. Zehntausende von Goldsuchern strömten in das Land der Sioux. Die US-Regierung bot an, die Black Hills den Indianern abzukaufen, was diese empört ablehnten. Daraufhin wurde den Sioux im Dezember 1875 ein Ultimatum gestellt, dass sich alle Indianer in den Agenturen einzufinden hätten. Im Winter war es für die Stämme unmöglich, dieser Forderung nachzukommen. Im Frühjahr setzte die US-Regierung Truppen in Marsch, um die Indianer zusammenzutreiben.

Unter Führung der Häuptlinge Sitting Bull und Crazy Horse versammelten sich alle Stämme der Lakota-Sioux sowie Cheyenne und Arapaho im Tal des Little Big Horn. Custer näherte sich mit der 7. Kavallerie und seine indianischen Scouts entdeckten das Lager. Custer unterschätzte die Größe des Lagers und griff sofort an. Als die Soldaten die große Übermacht der indianischen Krieger erkannten, war es zu spät. Zwei Kavallerie-Einheiten konnten unter Verlusten fliehen. Die Kompanien, die Custer anführte, wurden bis auf den letzten Mann niedergemacht. Der große Sieg war zugleich der Anfang vom Ende der Unabhängigkeit der Indianer. Die US-Armee jagte sie unerbittlich und trieb sie in die Agenturen. Sitting Bull floh nach Kanada. Crazy Horse ergab sich und wurde ein Jahr später ermordet.

Sitting Bull / Tatanka Iyotake, Häuptling der Hunkpapa-Sioux. Foto: picture alliance/United Archives | 91050/United_Archives/TopFoto
Sitting Bull / Tatanka Iyotake, Häuptling der Hunkpapa-Sioux. Foto: picture alliance/United Archives | 91050/United_Archives/TopFoto

Indianer schienen dem Aussterben geweiht

Alle Indianer der USA befanden sich 1890 in Reservaten, abhängig von Lebensmittellieferungen der Regierung. Die Büffel, die Lebensgrundlage der Prärie-Indianer, waren nahezu ausgerottet. Ein letztes Aufflackern des Widerstands in Form des Geistertanzes wurde im Massaker von Wounded Knee an Minneconjou-Sioux von der US-Armee niedergeschlagen. Vorausgegangen war die Ermordung Sitting Bulls. Bereits 1883 war den Indianern die Ausübung ihrer Religion verboten worden. 1887 wurde durch den General Allotment Act Indianern individuell Land zugewiesen, das übriggebliebene Land an Weiße verkauft. Auf diese Weise verloren die Stämme große Flächen ihrer Reservationen.

Zehntausende von Kindern wurden zur Umerziehung in Internatsschulen gesteckt, die weit entfernt von ihrer Heimat lagen. Sie durften weder ihre Sprache sprechen noch ihre Religion praktizieren und kamen entwurzelt zu ihren Familien zurück. Die Volkszählung im Jahre 1900 ergab eine indigene Bevölkerung von nur noch 237.000 Menschen. Der Tiefpunkt war erreicht. In den USA herrschte die Meinung vor, dass die Indianer von selbst aussterben oder in der Bevölkerung aufgehen würden.

Little Big Horn ist heute Symbol des Widerstandswillens

Der Umschwung setzte langsam ein. Die Geburtenraten der indigenen Bevölkerung stiegen. 1924 wurde allen Indianern das US-Bürgerrecht verliehen. Unter Präsident Franklin D. Roosevelt änderte sich die Politik der US-Regierung deutlich gegenüber den Indianern. 1934 wurde der Indian Reorganization Act erlassen, der die Stammesverwaltungen stärkte und die Ausübung der Religion wieder zuließ. Die Bürgerrechtsbewegung in den USA wirkte sich ebenfalls positiv auf die indigene Bevölkerung aus. Das American Indian Movement protestierte gegen die Missstände, unter denen Indianer in Reservaten und in der Gesellschaft zu leiden hatten.

Heute bietet die indigene Bevölkerung in den USA ein gemischtes Bild. In der Volkszählung von 2020 bezeichneten sich 3,7 Millionen Menschen ausschließlich als Indianer. Weitere 9,1 Millionen gaben an, indianische Vorfahren zu haben. Viele Stämme haben in ihren Reservaten Unternehmen aufgebaut, die wirtschaftlich erfolgreich sind. Einige Reservate wie die Pine-Ridge-Reservation der Oglala-Sioux zählen zu den ärmsten Landkreisen der USA. Arbeitslosigkeit, Drogen und Gesundheitsprobleme prägen das Leben vieler Familien. Zugleich gibt es eine Rückbesinnung auf eigene Sprache, Religion und Kultur.

Die Mehrheit der indigenen Bevölkerung sieht sich heute voller Stolz als Angehörige einer Vielzahl souveräner Nationen innerhalb der USA. Die Indianer blicken auf Jahrhunderte des Widerstands gegen Landnahme und Unterdrückung zurück. Sie haben diese Zeiten überstanden und sind bereit, Herausforderungen zu trotzen und mit Zuversicht an ihrer Zukunft zu bauen. Die Schlacht am Little Big Horn ist bis heute für Indianer ein Symbol, nicht aufzugeben.

Aus der JF-Ausgabe 27/26.

General Custer fand mit seinen Männern am Little Big Horn den Tod durch die Hand der Indianer. Foto: picture alliance / Photo12/Ann Ronan Picture Librar | –
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