BERLIN. Der ehemalige Cheftrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Jürgen Klinsmann, hat von der Nationalmannschaft gefordert, bei der am Donnerstag startenden Weltmeisterschaft (WM) auf politische Botschaften zu verzichten. „Du gehst nicht als Team in ein Land, um politische Botschaften zu überbringen. Das gehört sich nicht. Wenn ich das aus der Ferne mache – egal, ob Katar oder Russland, dann kreiere ich schlechtes Karma“, sagte Klinsmann in der ARD-Sendung „Maischberger“.

Hintergrund seiner Kritik ist das Verhalten der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar. Das islamische Gastgeberland stellt homosexuelle Handlungen unter Strafe, die deutsche Mannschaft wollte deshalb eine Kapitänsbinde tragen, die an die Regenbogenfahne der LGBTQ-Gemeinschaft erinnert. Der Fußballweltverband Fifa verbot das. Daraufhin posierte die deutsche Auswahl vor ihrem ersten Gruppenspiel gegen Japan mit den Händen vor den Mündern – um vermeintliche Zensur anzuprangern. Deutschland verlor das Spiel und schied bereits in der Gruppenphase aus dem Turnier aus.
Verbandschef ist auf Klinsmanns Seite
Die Fußballspieler bei einer WM haben laut Klinsmann nur eine Aufgabe: „erfolgreich Fußball zu spielen und nichts anderes“. Das gelte unabhängig davon, wo das Turnier stattfindet und welches politische System vor Ort herrscht, betonte der ehemalige Weltklasse-Fußballer.
Erst einen Tag zuvor hatte sich der Präsident des Deutschen Fußballbundes, Bernd Neuendorf, ebenfalls so geäußert. „Wir tun als Fußballverband gut daran, in dieser hektischen Zeit nicht jedes tagespolitische Ereignis und jede Aussage reflexhaft zu kommentieren“, schrieb er in einem Gastbeitrag für das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Für die deutsche Auswahl wird es am Sonntag ernst: da startet die Nationalmannschaft um 19 Uhr gegen Curaçao ins größte Sportereignis der Welt, das erstmalig in drei verschiedenen Ländern stattfindet: den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada. (st)






