Schon 40 Jahre. Unfassbar. Als Gründer der JUNGE FREIHEIT blicke ich verwundert auf diese Zahl. In diesen Tagen bin ich öfter gefragt worden, wie der Aufbau dieser Zeitung gelingen konnte. Für Jüngere war sie einfach immer schon da.
Es ist schwer nachzuvollziehen, welche Mühen und Rückschläge mit der Etablierung eines solchen Vorhabens verbunden sind. Die JF groß werden zu lassen, war ein andauernder, zäher Kampf darum, Spielräume für unabhängigen, selbst finanzierten konservativen Journalismus in Deutschland zu öffnen und zu sichern.
Was ist das Geheimnis des Erfolges der JF? Idealistische Mitstreiter zu gewinnen, die Feuer fingen und sich mit auf den Weg machten, das Unmögliche zu wagen. Das waren die Autoren, die Texte lieferten – ohne in den ersten Jahren Honorare zu erwarten. Das waren die ersten Redakteure, die sich ab 1994 mit niedrigsten Gehältern und Selbstausbeutung ins Projekt Wochenzeitung stürzten.

Es waren die Leser, aus deren Reihen rund 300 Gesellschafter der Kommanditgesellschaft des Verlages gewonnen wurden, um bis heute vier Millionen Euro Haftungskapital beizusteuern und nicht zuletzt über 5.000 Förderer, die den Ausbau der JF seit 1996 im Rahmen der „Freunde der JF“ mit über zwölf Millionen Euro unterstützten. Heute steht hinter der JF ein solider Verlag mit 60 Mitarbeitern. Wir steuern die JUNGE FREIHEIT durch die rasante Transformation von Print zu Online.
Etablierte Medien scheuen Kontroversen
Die JF bleibt das konservative publizistische Leuchtturmprojekt in Deutschland. Unsere Existenz ist kein Selbstzweck. Wir wollen einen Beitrag leisten zur geistigen und politischen Normalisierung unserer Nation. Offene Debatte, ein echtes Für und Wider zwischen Links und Rechts, intakte und gelebte Meinungs- und Pressefreiheit sind dafür eine elementare Voraussetzung.
Hinter der Klage über eine wachsende „Spaltung des Landes“ steht auch die anhaltende Weigerung etablierter Medien, sich Kontroversen zu stellen. Dabei sind sie das Salz in der Suppe der Demokratie. Wir werden dazu weiter einen Beitrag leisten. Die im Leitartikel unter der programmatischen Schlagzeile „Der Freiheit eine Gasse!“ für die erste Ausgabe der JF umrissenen Themen sind unverändert ebenso aktuell wie die Adressierung der dramatischen politischen Repräsentationslücke, die sich erst durch die jüngste Veränderung des Parteiensystems langsam zu schließen beginnt.

Nicht erst seit Angela Merkel, wie manche heute glauben, sondern schon unter Helmut Kohl war zu erkennen: Die CDU/CSU ist, wie ich damals schrieb, „nicht in der Lage und – was weit schwerwiegender ist – nicht willens, in auch nur einem Ressort oder Gebiet der politischen Konturenlosigkeit klare Alternativen entgegenzusetzen“. Daher gelte: „Die Konservativen beginnen langsam zu erkennen, dass sie eine Mehrheit nicht überzeugen, sondern ebenso wie die Liberalen ihre spezifischen Forderungen und Interessen nur über eine Partei außerhalb und gegen die Union durchsetzen können.“
Auftrag der JUNGEN FREIHEIT ist längst nicht erledigt
Gewachsen ist über die Jahre das Bewusstsein, dass es ohne Zugriff auf Medien, ohne eigene unabhängige Presse keinen politischen Einfluss gibt. Wenn die Gewichte medial einseitig verteilt sind, müssen wir alles daransetzen, diesen Zustand zu verändern. Die JUNGE FREIHEIT hat bewiesen, dass dies selbst aus bescheidensten Anfängen möglich ist.

Es ist erfreulich, dass sich das Feld neuer Medien in den letzten Jahren rasant verbreitert hat. Die Vielfalt und damit der Resonanzraum für kritische Gegenpositionen wächst dadurch weiter.
Wir danken unseren Lesern und Freunden für die Treue und langjährige Unterstützung. Der Auftrag ist noch nicht erledigt.






