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Normannisches Mittelalter: Tankreds Erbregelung veränderte Europas Geschichte

Normannisches Mittelalter: Tankreds Erbregelung veränderte Europas Geschichte

Normannisches Mittelalter: Tankreds Erbregelung veränderte Europas Geschichte

Wandteppich, der den Auszug der Söhne Tankred von Hautevilles im Stil des Teppichs von Bayeux darstellt.
Wandteppich, der den Auszug der Söhne Tankred von Hautevilles im Stil des Teppichs von Bayeux darstellt.
Wandteppich, der den Auszug der Söhne Tankred von Hautevilles im Stil des Teppichs von Bayeux darstellt. Foto: Weißmann
Normannisches Mittelalter
 

Tankreds Erbregelung veränderte Europas Geschichte

Ehrgeiz und Rücksichtslosigkeit sollten den Söhnen Tankreds Erfolg und Ländereien einbringen. Die Normannen zogen im elften Jahrhundert nach Italien und weiter. Einer ihrer Anführer galt Zeitgenossen als „Schrecken der Welt“. Von Karlheinz Weißmann.
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Auch das Geschlecht der Hauteville hatte immer mit der Gefahr des sozialen Abstiegs zu kämpfen. Sein Stammsitz – wahrscheinlich der noch bestehende Ort Hauteville-la-Guichard – war ebenso unbedeutend wie der Besitz der Familie. Aber ausgerechnet hier wurden Männer geboren, die die Geschichte Europas verändern sollten. Auslöser des Prozesses war die Entscheidung Tankred von Hautevilles, seinen Besitz ausschließlich an seinen erstgeborenen Sohn zu vererben, während er alle anderen Nachkommen aufforderte, sich – wie ihre Vorfahren – mit Gewalt zu nehmen, was ihnen die Welt nicht freiwillig gab.

Mindestens acht der zwölf Söhne Tankreds zogen daraufhin nach Unteritalien: zuerst Wilhelm Eisenarm und Drogo, um 1045 noch Humfred und Gaufred, dann Robert Guiskard, Mauger, der andere Wilhelm und schließlich Roger, der jüngste Sprössling. Sie alle dienten zuerst als Soldkämpfer, dann als Führer eigener Kompanien, um sich zuletzt mit kleinen Grafschaften zu etablieren: Wilhelm, Drogo sowie Humfred stiegen nacheinander zu Herren von Apulien auf, während Gaufred und Mauger die Kapitanata und der jüngere Wilhelm Principato in Anspruch nahmen.

Robert Guiskard – der älteste Sohn Tankreds aus zweiter Ehe – beschloss relativ spät, über die Alpen zu ziehen. Wenn er sich trotzdem durchsetzte, dann weil Süditalien für die warlords der Zeit außerordentlich günstige Gelegenheiten bot, sollten sie die permanenten Konflikte um das Gebiet zwischen dem Papst, dem Kaiser, den Arabern und Byzanz zu nutzen wissen. Robert Guiskard kamen in dieser unübersichtlichen Lage vor allem seine Rücksichtslosigkeit und seine Schlauheit zugute. Eine Chronik nannte ihn „terror mundi“, also „Schrecken der Welt“, und der Beiname Guiskard wird als „der Verschlagene“ gedeutet; Machiavelli hat Robert Guiskard denn auch als Beispiel für die wichtigsten Eigenschaften des Politikers behandelt, der gewaltbereit wie ein Löwe und schlau wie ein Fuchs sein muss.

Tankreds Sohn Robert verbündete sich mit dem Papst

Normannische Krieger an einem Kapitell des Klosters von Monreale, zweite Hälfte 11. Jahrhundert.
Normannische Krieger an einem Kapitell des Klosters von Monreale, zweite Hälfte 11. Jahrhundert. Foto: Weißmann

Jedenfalls gelang es Robert, sich zuletzt gegen alle anderen normannischen Grafen durchzusetzen und zum Herzog von Kalabrien und Apulien aufzusteigen. Entscheidend war dabei der Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser, der den Papst zwang, sich ausgerechnet mit den bis dahin als „Heiden“ geltenden Normannen zu verbünden. Für die Waffenhilfe erhielt Robert die formelle Legitimation seiner Herrschaft über Süditalien, das er vom Papst zu Lehen nahm. Wodurch sein Ehrgeiz aber keineswegs befriedigt war. Viele Hinweise sprechen dafür, dass die Griechenlandfeldzüge, die er mit Billigung des Heiligen Stuhls unternahm, dem Ziel dienten, für sich selbst oder für einen seiner Söhne die oströmische Kaiserwürde zu erobern. Dazu ist es aber schon deshalb nicht gekommen, weil Robert die Operationen immer wieder abbrechen musste, um der permanenten Aufstandsbewegungen in Italien Herr zu werden.

Nach Roberts Tod im Jahr 1085 folgte ihm sein ältester Sohn Bohemund nur als Fürst von Tarent. Da er den Machtwillen seines Vaters geerbt hatte, genügte ihm das keineswegs. Eine günstige Gelegenheit bot der Erste Kreuzzug, dem er sich kaum aus frommem Enthusiasmus angeschlossen hat. Bezeichnend ist, dass Bohemund mit seinen Truppen das Hauptheer verließ und nicht bis nach Jerusalem zog – das Hauptziel des Kreuzzugs –, sondern die Stadt Antiochia nach der Eroberung besetzte und zum Mittelpunkt eines eigenen Fürstentums machte. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Bohemund damit auch die „Ostpolitik“ seines Vaters fortsetzen wollte; immerhin hatte er an dessen Griechenlandfeldzug teilgenommen.

Jedenfalls verweigerte er die – durch Eid zugesicherte – Rückgabe Antiochias an den byzantinischen Kaiser und suchte das Gebiet zu arrondieren, ohne dabei vor Bündnissen mit muslimischen Herrschern zurückzuscheuen. Allerdings erlitt er bei dem Versuch, gegen die Seldschuken als aufsteigende Macht der Region vorzugehen, 1104 eine entscheidende Niederlage. Bohemund kehrte nach Italien zurück, um Truppen zu sammeln, mit denen er einen direkten Angriff auf byzantinisches Gebiet unternahm. Der scheiterte allerdings schon im Ansatz. Bohemund musste sich unterwerfen und kehrte nie wieder nach Antiochia zurück.

Normannen sicherten sich Sizilien

Das von ihm geschaffene Fürstentum hielt sich zäher als die übrigen Kreuzfahrerstaaten, wurde aber von dauernden inneren Konflikten zerrissen und ging 1268 unter, als es nur noch ein Schatten seines früheren Selbst war. Wenn etwas von den Anstrengungen der Normannen längeren Bestand hatte, dann nicht in Outremer – dem „Übersee“ des Mittelalters –, sondern wieder in Italien. Oder: um genau zu sein: auf Sizilien. Denn Robert Guiskard hatte Roger, den jüngsten Sohn Tankreds, bei dem Bemühen unterstützt, die Insel von der arabischen Besetzung zu befreien und dort ein christliches Reich zu errichten. Im Mai 1061 griffen die Brüder von Reggio Calabria aus Messina an und eroberten die Stadt.

1072 fiel Palermo und Robert Guiskard erhob Roger zum Grafen von Sizilien, behielt aber die Kontrolle über Palermo, die Hälfte Messinas und den nordöstlichen Teil der Insel für sich. Nur nach und nach konnte Roger seine Position weiter stärken und die Rückeroberung der Insel gegen die muslimischen Herrscher vorantreiben. Erst nach dem Fall Notos 1091 war dieser Prozess abgeschlossen. Als Roger, „der große Graf von Sizilien“, zehn Jahre später starb, konnte er seinem Nachfolger ein gesichertes Staatswesen hinterlassen.

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Wo überlebte das kulturelle Erbe der Normannen?

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