SYLT. Die Gemeinde Sylt hat gemeinsam mit dem Organisationsteam für das Jubiläumsjahr 2027 die Umbenennung des Hindenburgdamms beschlossen. In Zukunft soll die Strecke in der offiziellen Kommunikation und auf Veranstaltungen „Syltdamm“ genannt werden, gaben die Entscheider auf einer Auftaktveranstaltung am Montag bekannt, berichtete die Schleswig-Holsteinische Zeitung.
Hintergrund ist der bevorstehende 100. Jahrestag der Strecke im kommenden Jahr. Dabei trägt der Damm bei der Deutschen Bahn offiziell keinen Personennamen. Das Unternehmen führe die Strecke lediglich unter „Nummer 2010“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn der Presseagentur dpa. „Die einzigen Eisenbahnbauwerke, die offiziell getauft werden, sind Tunnel.“
Allerdings wird die Strecke im Volksmund „Hindenburgdamm“ genannt, nachdem der frühere Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Julius Dorpmüller, sie so nach der Eröffnung 1927 genannt haben soll. Hindenburg war bei der Einweihung auch vor Ort.
Grüne setzen sich für Umbenennung ein
Unter anderem forderte ein Regionalpolitiker der Grünen einen anderen Namen für die Strecke. „Wir möchten eine Sensibilisierung der öffentlichen Ämter, Behörden und Institutionen erreichen, dass der Name ‚Hindenburg‘ aufgrund seiner geschichtlichen Umstrittenheit nicht mehr benutzt wird“, sagte Stephan Wiese vom Grünen-Ortsverband Südtondern.
Für die Zukunft sei geplant, eine Resolution in den Kreistag Nordfriesland einzubringen. „Sinn dieser Resolution kann nur sein, dass vonseiten der öffentlichen Träger der Begriff ‚Hindenburgdamm‘ nicht mehr benutzt wird – in der Hoffnung, dass sich das auch auf den ‚Volksmund‘ übertragen wird.“
Bereits seit Jahren Diskussion um Namen
Schon 2019 sprachen sich die Grünen und die SPD in Schleswig-Holstein für die Umbenennung des Damms aus (JF berichtete). Hindenburg sei eine „unrühmliche Person“ gewesen, begründete der frühere Verkehrspolitiker der Grünen und Landtagsabgeordnete Andreas Tietze die Forderung nach einer Umbenennung gegenüber der Welt. Vor dem Hintergrund des wachsenden Rechtsradikalismus könne eine Namensänderung des vielgenutzten Hindenburgdamms das Geschichtsbewusstsein der Menschen stärken, hoffte Tietze.

Unterstützung erhielt er dabei von der SPD. Deren damaliger stellvertretender Fraktionschef im Landtag, Martin Habersaat, hatte gesagt, seine Partei sei dafür, Hindenburg nicht länger „mit Namensgebungen und Ehrenbürgerschaften zu ehren“. Die SPD kündigte an, eine mögliche Umbenennung des Hindenburgdammes zu unterstützen.
Ehepaar verklagte Sylt wegen Hindenburgdamm
2023 verlangte das Ehepaar Joachim und Bernadette Gottschalk aus Laatzen von der Gemeinde Sylt, den Namen Hindenburgdamm nicht mehr zu verwenden (JF berichtete). Sie hätten Verwandte im NS-Völkermord verloren, sagten sie zur Begründung gegenüber der Schleswig-Holsteinischen Zeitung. Hindenburg sei „Mitgarant für die Herrschaft der Nationalsozialisten unter Führung von Adolf Hitler“ gewesen, behaupteten sie weiter.
Die Gemeinde reagierte nicht auf die Beschwerde, weswegen das Paar eine Anzeige wegen „Volksverhetzung“ stellte. In dem Schreiben an die Flensburger Staatsanwaltschaft hieß es: „Wir erheben Strafantrag und Strafanzeige gegen die Gemeinde Sylt, weil sie wider besseres Wissen auf ihrer Internetseite unter anderem den Damm zwischen dem Festland und der Insel Sylt öffentlich im Internet als Hindenburgdamm bezeichnet.“ (mas)






