LEIPZIG. Die konservative Freikirche Zeal Church in Leipzig hat mitgeteilt, dass ein von ihr geführtes Café nach 26 linksextremen Anschlägen dauerhaft den Betrieb einstellt. Es sei eine „schwierige Entscheidung“ gewesen, die aus finanziellen Gründen erfolge, führte Pastor René Wagner am Sonntag im Gottesdienst der Gemeinde aus. Er betonte, dass hinter dem Café Arbeitsplätze, Träume, investierte Zeit, Gebete und Geld stünden.
Zugleich unterstrich Wagner zweimal: „Die Linksextremen in Leipzig haben nicht gewonnen.“ Über Jahrzehnte habe „kein Mensch“ über konservative Christen in Deutschland geredet. Jetzt gebe es zahlreiche Dokumentationen im Fernsehen über konservative Christen. Damit nahm Wagner auf mehrere Doku-Filme Bezug, die zuletzt bei ARD und ZDF kritisch über engagierte Christen berichtet hatten. „Und ich könnte mich da drüber zu Tode aufregen, dass so etwas auch noch mit meinen GEZ-Gebühren finanziert wird. Aber soll ich euch was sagen? Wir sind wieder in der Öffentlichkeit!“
Wagner kündigte an, weiter zu beten, zu predigen und zu taufen. „Unser Auftrag war nie, Kaffee zu verkaufen oder Zimtschnecken zu verkaufen. Unser Auftrag steht für immer, und das ist, Gottes eifernde Liebe in diese Region zu bringen.“ Nach Angaben des Pastors will die Gemeinde die Fläche des bisherigen Cafés künftig weiter nutzen. Genaueres konnte er aber noch nicht sagen.
„Queerfeindlichkeit und Misogynie“
Das Stay-Café war im September 2023 von der Gemeinde eröffnet worden. Sofort folgten erste Angriffe. Den bislang größten Schaden richtete ein Buttersäure-Anschlag in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtstag an. Damals entstand nach Angaben der Gemeinde ein Schaden von rund 20.000 Euro. Hinzu kamen Einnahmeausfälle wegen wiederholter Schließungen sowie eingeworfene Scheiben und Graffiti an der Fassade.
Im Szeneportal Indymedia rechtfertigen Linksextremisten ihre Taten 2023 damit, dass das Café von „fundamentalistischen“ und „erzkonservativen“ Christen betrieben werde und für „Queerfeindlichkeit und Misogynie“ stehe. Daher müsse es „in den Ruin“ getrieben werden.
Die „Zeal Church“ ist eine im Auftreten und der Liturgie moderne Freikirche, die allerdings teils konservative Ansichten vertritt. So hat sie zwar Frauen als Pastorinnen, traut aber keine homosexuellen Paare und setzt sich für das Lebensrecht Ungeborener ein. Sie ist Teil des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden.
Stadt relativierte Angriffe
Gegenüber der Nachrichtenagentur Idea übte Pastor Wagner auch Kritik an der Stadt. Es sei „sehr schmerzhaft“, dass die Stadt bis heute nicht politisch anerkenne, dass es bei den Angriffen um die Religionsfreiheit gehe. Tatsächlich hatte das Ordnungsdezernat in der Vergangenheit in einer Antwort gegenüber dem BSW betont, dass sich eine damals erfolgte Attacke „nicht unmittelbar gegen die Religionsausübung“ richte (JF berichtete).
Das sorgte schon seinerzeit für Kritik. Die Freikirche verwies in einer vierseitigen Stellungnahme darauf, dass es sich um anti-christliche Hassverbrechen handle. Zwar könnten etwa Gottesdienste weiter stattfinden. Durch die Angriffe werde aber „unsere christliche Theologie, unser konservatives Werteverständnis sowie unser Verständnis von Ehe und Familie“ angegriffen und delegitimiert.
Die Stadt nahm diese Kritik der Gemeinde wiederum lediglich „zur Kenntnis“, wie ein Sprecher damals gegenüber der JUNGEN FREIHEIT ausführte. Die Angriffe richteten sich „gänzlich gegen das kommerzielle Café, nicht gegen die Gebetsräume oder sonstige Einrichtungen“ der Gemeinde, sagte er. „Eine Beschränkung der freien Religionsausübung durch diesen Angriff erschließt sich daher nicht.“
Alle sprechen mit dem Pastor – bis auf eine Partei
Gegenüber Idea erzählte Pastor Wagner jetzt, er habe mit dem Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gesprochen. Dieser habe der Gemeinde auch beigepflichtet. „Aber die Stadt hat da bisher keinen Finger bewegt.“ Eine öffentliche, klare Stellungnahme sei ausgeblieben. Mit Vertretern von CDU, SPD, den Grünen, dem BSW und der AfD habe man Gespräche geführt. „Die Einzigen, wo wir keinen Kontakt reinkriegen, sind die Linken.“ Das ist deswegen brisant, weil der zuständige Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal Mitglied der Linken ist.
Wagner zeigte sich überzeugt, dass Angriffe auf christliche Einrichtungen künftig zunehmen könnten: „Der Christenhass in Europa steigt. Es werden immer mehr Kirchen angegriffen.“ Umso wichtiger sei es, dass Christen ihre Stimme erheben. Zugleich dürfe die Gemeinde nicht mit Hass oder Bitterkeit reagieren: „Wir schlagen nicht zurück.“
Es gehe darum, auf die eigenen Rechte zu pochen, Täter zur Rechenschaft zu ziehen und deutlich zu machen, dass solche Angriffe das gesellschaftliche Zusammenleben gefährden. Er wünsche sich, „dass das Thema weiterhin gehört“ und die Brisanz der Entwicklung in Deutschland erkannt werde. (ser mit idea)








