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Alternative zu Elon Musks Plattform?: Ein W für ein X vormachen

Alternative zu Elon Musks Plattform?: Ein W für ein X vormachen

Alternative zu Elon Musks Plattform?: Ein W für ein X vormachen

Das Bild zeigt das Logo von „W Social“ auf einem Bildschirm.
Das Bild zeigt das Logo von „W Social“ auf einem Bildschirm.
Das Logo von „W Social“ auf einem Bildschirm: Neues Soziales Netzwerk will X Konkurrenz machen. Foto: picture alliance / Sipa USA | SOPA Images
Alternative zu Elon Musks Plattform?
 

Ein W für ein X vormachen

Die neue Social-Media-Plattform W will Europa digital unabhängig machen und eine Konkurrenz zu Elon Musks X etablieren. Dabei wirkt das Ganze wie ein weiterer linker Safe Space ohne relevante Reichweite.
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Am 4. Mai kündigte die Gründerin Anna Zeiter feierlich an, dass das neue Netzwerk W am 9. Mai, dem Europatag, starten würde. Von DLF bis zu den Tagesthemen berichtete der ÖRR begeistert über das Vorhaben. W solle die europäische Antwort auf X sein. Ein neues digitales Zeitalter ohne Tech-Milliardäre und chinesische Datenkraken stünde bevor. Zudem setze W auf eine Anmeldung mit Pass samt Gesichtsabgleich, damit sich keine Bots auf der Plattform breitmachten, erklärt Zeiter. Parallel tönt die vereinte Front aus Die Linke, SPD und den Grünen: „Wir verlassen X.“

Was das genau heißen soll, ist nebulös, da diese X-Accounts weder gelöscht noch auf „Privat“ gestellt wurden. Und statt eines fulminanten Auftakts, verweist ein Countdown auf der W-Social-Seite auf den 17. Juni als Startdatum. Die aktuelle Version sei eine Beta-Version. Interessierte können sich auf eine Warteliste setzen lassen. Damit die enttäuschten Nutzer bei Laune gehalten werden, frohlockt ein Sammelsurium von Posts ausgewählter Politiker aus dem linken Lager, wahlweise geht es ums Klima.

Der CEO des insolventen Northvolt signiert seine Biographie. Ein anderer Gründer von W bewirbt Beiträge seiner Klima-NGO „We Don’t Have Time“. Eine Volt-Politikerin zeigt ein Herz in die Kamera, weil sie gegen Grenzkontrollen im Schengenraum ist. In der Vergangenheit waren es vornehmlich Linke, die sich lautstark über den digitalen Diskurs beklagten. Alles sei voller „Hass & Hetze“, was der Demokratie schade, jammerten sie.

Politiker sind schlechte Verlierer

In weiten Teilen des Netzes bewiesen Politiker allerdings regelmäßig, dass sie schlichtweg kein Talent für digitale Kommunikation haben. So gab es tanzende oder rappende Politiker auf Tiktok sowie eine SPD-Bauministerin, Verena Hubertz, die sich auf Instagram selbst beklatschte. Das kam eher mäßig an. Als Reaktion sind linke Politiker nun beleidigt und ziehen sich von Netzwerken wie X zurück. Doch mit ihrem Abgang in die biometrisch kontrollierte W-Schutzzone bestrafen sie nicht etwa den Internet-Pöbel. Sie geben unfreiwillig zu, dass sie ausgesprochen schlechte Verlierer digitaler Debatten sind.

W ist nicht der einzige Anbieter, der gestartet ist, um eine Konkurrenz zu den Anbietern aus den USA oder China zu sein. Auch Wedium aus Berlin wirbt damit, mittels ID-Identifizierung schädliche Bots fernzuhalten und die DSGVO umzusetzen. Eine werbefreie Version von Wedium soll den Nutzer neun Euro pro Monat kosten. Auch hier können sich Interessierte auf eine Warteliste setzen lassen. Im Gegensatz zu W ist Wedium ein geschlossenes System.

Was an W innovativ sein soll, ist unklar

W baut auf dem AT-Protokoll auf, welches auf einer dezentralen Architektur basiert. Nutzer können so mittels einer Internetidentität in mehreren Diensten aktiv sein. Auch Bluesky und das niederländische Eurosky arbeiten nach diesem Prinzip. Während Bluesky ein Kurznachrichtendienst ist, der X ähnelt, können Eurosky-Nutzer nach der Anmeldung auf verschiedene Apps zugreifen. Der Dienst „Flashes“ soll ein Instagram-Klon sein, bei dem vor allem visuelle Inhalte, wie Fotos und Videos geteilt werden. Auch Mastodon ist ein dezentraler Anbieter für Microblogging mit Sitz in Berlin. Grundsätzlich gibt es durchaus eine passable Auswahl anderer Plattformen, die neben BigTech koexistieren. Was an W jetzt wirklich innovativ sein soll, ist unklar.

Trotz der Alternativen zu BigTech konnte keine dieser Plattformen bisher eine echte Breitenwirkung entwickeln. Mastodon startete bereits 2016. Zwei Jahre später flutete Tiktok den deutschen Markt und konnte ein wachsendes Publikum für Kurzvideos und Streams generieren. Meta und Google mit Youtube zogen mit ähnlichen Angeboten nach, um Nutzer zu halten. Die mangelnde Nachfrage an alternativen Plattformen der letzten Jahre zeigt, dass diese Angebote schlichtweg uninteressant sind, solange die Anzahl der Nutzer gering bleibt.

Die Nutzerzahlen sind schwach

Im Gespräch mit NTV erklärte die W-Gründerin Zeiter, dass das bei ihrer Plattform anders sei, da sie auf dem AT-Protokoll aufbaue. Dort gebe es derzeit etwa 40 Millionen Konten, von denen sie zehn Millionen in Europa verorte. Auch das ist vergleichsweise wenig. Meta gibt an, weltweit seien über drei Milliarden täglich aktive Nutzer registriert, 450 Millionen davon seien monatliche Nutzer in Europa.

Das Ziel von W sei es, bis Ende des Jahres 100.000 registrierte Teilnehmer zu verzeichnen und im kommenden Jahr die Marke von einer Million zu erreichen, so Anna Zeiter. Auch diese Zahlen sind äußerst dünn und können nicht ansatzweise mit den amerikanischen Plattformen mithalten. X beziffert seine angemeldeten monatlichen Nutzer aus der EU mit rund 60 Millionen Konten, davon sind knapp 15 Millionen aus Deutschland.

Ein weiteres Problem der alternativen Plattformen ist, dass die Nutzerschaft darauf setzt, unter sich bleiben zu wollen. Auf Bluesky kursieren umfangreiche Blocklisten, um diejenigen automatisiert ausschalten zu können, die dem anderen politischen Lager zugerechnet werden. Auch die Startseite von W präsentiert ein homogenes Meinungsbild aus dem linken Bereich. Der Anspruch, in einem hermetisch abgeriegelten Raum ausschließlich mit verifizierten Gleichgesinnten kommunizieren zu wollen, verträgt sich nicht damit, dass die Plattformen eine kritische Masse von registrierten Konten erreichen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass diejenigen, die regelmäßig mit lautem Getöse die großen Plattformen verlassen, früher oder später zu diesen zurückkehren, weil ihre Beiträge dort auf ein breites Publikum treffen.

Aus der JF-Ausgabe 23/26.

Das Logo von „W Social“ auf einem Bildschirm: Neues Soziales Netzwerk will X Konkurrenz machen. Foto: picture alliance / Sipa USA | SOPA Images
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