BONN. Praktikum im afghanischen Generalkonsulat in Bonn: Das bieten die das Land am Hindukusch beherrschenden Taliban derzeit an. Über die Webseite ködert das Regime Interessenten damit, „praktische und berufliche Erfahrung in einer diplomatischen Vertretung zu sammeln“.
Anders als andere Länder, wie Österreich und die USA, stuft die Bundesregierung die Taliban nicht als Terrorgruppe ein. Die meisten Staaten weltweit ächten die radikalen Islamisten wegen ihrer Steinigungen, Hinrichtungen und Menschenrechtsverletzungen gegen Ungläubige und Frauen. Fast 20 Jahre lang, von Anfang 2002 bis zum 29. Juni 2021, kämpfte die Bundeswehr in Afghanistan gegen die Taliban.
Das Generalkonsulat sucht nun junge Menschen, die unbezahlt in der Pass-Stelle, der Öffentlichkeitsarbeit oder der Rechtsabteilung arbeiten. Genommen werden nur Praktikanten, „die in Deutschland rechtlich ein Praktikum absolvieren dürfen“.
Taliban werben mit „Vielfalt“
Dazu gehören laut der Stellenausschreibung „deutsche und EU-Staatsangehörige, internationale Studierende mit gültigem Aufenthaltstitel, der ein Praktikum erlaubt, sowie weitere Personen mit entsprechendem Aufenthaltsstatus“. Besonders willkommen seien junge Leute „mit guten Deutschkenntnissen sowie Kenntnissen in Dari, Paschtu oder Englisch“.

Afghanischer Generalkonsul in Deutschland ist der Taliban-Diplomat Said Mustafa Hashimi, der in den klassischen Gewändern der Islamisten inklusive Turban auftritt. Auf Anfrage der BZ antworte die diplomatische Vertretung nicht, ob auch Frauen, Juden und Christen einen Praktikumsplatz erhalten würden.
Allerdings ist in der Stellenausschreibung von „Bewerberinnen und Bewerbern“ die Rede. Auf einer anderen Unterseite der Webseite heißt es: „Das Generalkonsulat von Afghanistan ist ein Arbeitgeber der Chancengleichheit. Wir schätzen Vielfalt und setzen uns für ein inklusives Arbeitsumfeld für alle Mitarbeitenden ein.“ (fh)




