WALSRODE. Mit deutlichen Worten haben konservative Christen des deutschen Protestantismus den „Kampf gegen rechts“ innerhalb der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) kritisiert. „Wir fordern dazu auf, mit dem Framing ‘rechts‘ gegenüber denen aufzuhören, die einen kulturellen Niedergang wahrnehmen“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Broschüre, die von verschiedenen konservativ-protestantischen Vereinigungen mitgetragen wird.
„Es muss Schluss damit sein, bibeltreue Positionen in eine rechte Ecke zu schieben, wo diese doch am weitesten von totalitären Ideologien entfernt sind!“ Die Unterzeichner beziehen sich unter anderem darauf, dass in den vergangenen zehn Jahren „eine kaum überblickbare Menge“ an Veröffentlichungen erschienen und Planstellen eingerichtet worden seien, die sich mit „rechten“ Christen befassen.
Kirche versteht sich als Förderer „unserer Demokratie“
Vor diesem Hintergrund werfen die konservativen Protestanten den Landeskirchen vor, im „Kampf gegen rechts“ ein Dach gefunden zu haben, „unter dem man sich öffentlichkeits- und werbewirksam zusammentun kann, nachdem die verbindende Kraft der eigenen Bekenntnisse geschwunden war“. Dabei versuchten sich die Landeskirchen als staatstragend auszuweisen, das heißt „als Förderer ‘unserer Demokratie‘“. Protagonisten dieses Kurses seien oft solche Kirchenleute, „die nicht durch biblisch-theologische Studien hervorgetreten sind und deren Gedankenwelt Schnittmengen vornehmlich mit Parteiprogrammen aus dem linken Spektrum aufweist“.
In Abgrenzung dazu bekennen sich die Unterzeichner zu einem parteipolitisch neutralen Kurs, der „aber klar und wahr“ sein müsse mit deutlicher Kritik an bestimmten politischen Entscheidungen. „Die kirchliche Kernaufgabe besteht nicht darin, für Pluralismusverträglichkeit und Zusammenhalt in der säkularen Gesellschaft zu sorgen (das wäre Zivilreligion), obwohl christlich motivierter Zusammenhalt eine natürliche Folge des Liebesgebotes ist.“
Im Gespräch mit Kirchenvertretern müsse man darauf beharren, dass die Kirche einen „geistlichen Charakter“ habe und keine NGO sei. Die Kirchenführer werden in dem Dokument „zu Buße und Umkehr“ aufgerufen. Die konservativen Protestanten bestehen zudem darauf, dass man den Begriff Demokratie „nicht in die Richtung des DDR-Sprachgebrauchs“ verschieben dürfe, „wo er mit Sozialismus identifiziert wurde“. Ausdrücklich halten sie fest, dass „das derzeit wuchernde System der staatlich finanzierten ’N’Gos“ entschiedenen Widerspruch seitens der Kirche erfahren müsse.
„Die Spielräume werden enger“
Sich selbst unterstellen die Unterzeichner dem „souveränen Gott“. Diese Ausrichtung allein gebe ihnen „die innere Freiheit im Gegenüber zu den Kräften, die heute juristisch, finanziell und digital über weitgespannte (Fang)Netze verfügen“ und dabei „immer weniger Hemmungen“ hätten, auch Grundrechte auszuhebeln, halten sie fest. „Der eine allmächtige und dreieinige Gott ist unsere Zuflucht. Darum bleiben wir zuversichtlich, auch wenn die bürgerlichen Spielräume enger werden.“
Die Erklärung wurde unter dem Titel „‘Rechte ChristInnen‘ oder (r)echter Glaube?“ vom Gemeindehilfsbund (Stefan Felber) veröffentlicht. Der Gemeindehilfsbund wurde 1992 in Protest gegen die voranschreitende Liberalisierung der Landeskirchen gegründet. Mitgetragen wird die Erklärung von mehreren konservativ-protestantischen Vereinigungen, darunter das Netzwerk Bibel und Bekenntnis (Ulrich Parzany), der Verein Christen stehen auf (Hartmut Steeb) und die Bekennende Evangelische Gemeinde Hannover (Wolfgang Nestvogel). (ser)







