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Weimarer Republik: Der Flaggenstreit als Symbol der politischen Gegensätze

Weimarer Republik: Der Flaggenstreit als Symbol der politischen Gegensätze

Weimarer Republik: Der Flaggenstreit als Symbol der politischen Gegensätze

Die Deutsche Demokratische Partei setzte im Flaggenstreit auf Schwarz-Rot-Gold.
Die Deutsche Demokratische Partei setzte im Flaggenstreit auf Schwarz-Rot-Gold.
Die Deutsche Demokratische Partei setzte im Flaggenstreit auf Schwarz-Rot-Gold. Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
Weimarer Republik
 

Der Flaggenstreit als Symbol der politischen Gegensätze

Vor einhundert Jahren stürzte die Regierung unter Reichskanzler Hans Luther über den Flaggenstreit zwischen Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot. Doch nicht nur die Weimarer Republik rang um die politische Farbgebung.
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Mit Datum vom 5. Mai 1926 erließ Paul von Hindenburg als Reichspräsident die sogenannte Zweite Flaggenverordnung der Weimarer Republik. Die legte fest, dass die gesandtschaftlichen und konsularischen Behörden des Reiches im außereuropäischen Ausland neben den Reichsfarben – Schwarz-Rot-Gold – auch die Handelsflagge – Schwarz-Weiß-Rot mit den Reichsfarben im Obereck zum Fahnenmast – zu zeigen hatten. Hindenburg folgte damit dem Vorschlag des parteilosen Reichskanzlers Hans Luther, der seinerseits auf einen Antrag der Deutschen Volkspartei (DVP) vom 2. März des Jahres reagierte, der die Rückkehr zu den alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot gefordert hatte.

Flaggenstreit: Die Deutschnationale Volkspartei hielt an Schwarz-Weiß-Rot fest.
Die Deutschnationale Volkspartei hielt an Schwarz-Weiß-Rot fest. Foto: picture alliance / akg-images | akg-images

Der Vorstoß zielte darauf, den seit dem Sturz der Monarchie schwelenden „Flaggenstreit“ von rechts zu beenden, wohlwissend, dass so die politische Linke und der Rest der Mitte dazu provoziert wurden, ohne Wenn und Aber hinter Schwarz-Rot-Gold zu treten. Schon die Tatsache, dass sich dieser Fraktion auch die Kommunisten anschlossen, zeigte aber, dass die Eindeutigkeit des Frontverlaufs relativ neu war. Denn in der Phase des Umbruchs 1918/19 waren Spartakus und dann die KPD selbstverständlich für Rot als Nationalflagge eingetreten, während sich für Schwarz-Rot-Gold anfangs ein erheblicher Teil der Rechten aussprach – in Hoffnung auf die „Wiedervereinigung“ mit Österreich unter großdeutschen Farben –, und man in den Reihen der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) viele Anhänger von Schwarz-Weiß-Rot fand, nicht nur weil Deutschland unter diesem Symbol vier Jahre gefochten hatte, sondern auch weil man von einem Flaggenwechsel Nachteile für die Handelsschiffahrt fürchtete.

Erst nach dem von den Siegermächten ausgesprochenen „Anschlussverbot“ für Österreich gruppierten sich die Lager eindeutig. Die Rechte, vor allem DVP und Deutschnationale Volkspartei (DNVP) stellten sich hinter Schwarz-Weiß-Rot, die Parteien der „Weimarer Koalition“, SPD, DDP und das katholische Zentrum, hinter Schwarz-Rot-Gold. Den latenten Konflikt konnte auch der durch die Nationalversammlung beschlossene Kompromiss – Schwarz-Rot-Gold für die Reichsfarben, für die Handelsflagge die beschriebene Verknüpfung mit Schwarz-Weiß-Rot – keineswegs beenden. Was seinen Ausdruck in alltäglichen Reibereien fand, wenn Schüler mit dem Mützenband in den Farben des Bismarckreichs gegen die mit dem republikanischen Mützenband in die Keilerei gingen, der deutschnationale Pastor am Kirchturm Schwarz-Weiß-Rot aufzog, sich das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold durch die Verunglimpfung als „Schwarz-Rot-Mostrich“ oder „Schwarz-Rot-Sch …“ provoziert sah oder bei der Beflaggung von Sandburgen in der Sommerfrische die republiktreuen von den republikfeindlichen Arealen erkennbar getrennt wurden.

„Reichskunstwart“ sollte Flaggenstreit klären

Zuletzt traten sich bei der Reichspräsidentschaftswahl von 1925 ein „Volksblock Schwarz-Rot-Gold“ und ein „Reichsblock Schwarz-Weiß-Rot“ gegenüber. Der Reichsblock setzte seinen Kandidaten Hindenburg durch, was auf der politischen Rechten die Hoffnung weckte, man könnte in der Flaggenfrage jetzt den eigenen Standpunkt vollständig durchsetzen.

Mit der Zweiten Flaggenverordnung war sie deshalb keineswegs zufrieden, und Luther geriet in eine prekäre Situation, weil er von beiden Seiten angegriffen wurde. Von der einen, weil er „der Reaktion“ Vorschub leistete, von der anderen, weil von ihm nicht mehr als Halbheiten zu erwarten standen. Hindenburg suchte die Lage noch am 9. Mai durch einen offenen Brief zu entschärfen, in dem es hieß: „Leider hat sich aber aus den Erörterungen in der Presse und Öffentlichkeit erneut ergeben, wie verhängnisvoll und gefährlich für unser Volk der schwebende Streit um die Flagge ist. Hier in absehbarer Zeit auf verfassungsmäßigem Wege einen versöhnenden Ausgleich zu schaffen, der dem gegenwärtigen Deutschland und seinen Zielen entspricht, und zugleich dem Werdegang und der Geschichte des Reiches gerecht wird, ist mein innigster Wunsch“.

Den zu erfüllen, musste die Aufgabe des „Reichskunstwarts“ sein, der nach der Revolution eingesetzt worden war, um Probleme der „künstlerischen Formgebung des Reiches“ zu klären. Der Inhaber des Amtes Edwin Redslob war allerdings außerstande, eine „Reichseinheitsflagge“ zu schaffen, obwohl sich aus dem Bestand seiner Behörde zahlreiche Entwürfe erhalten haben, die zum Teil von außen eingereicht wurden – und im allgemeinen wegen ihres Dilettantismus unbrauchbar waren – und zum Teil von Redslob selbst stammten. Er selbst favorisierte ein von Rot und Gelb geviertes Feld, auf das ein sogenanntes Balkenkreuz in schwarzer Farbe gelegt werden sollte.

Trikolore oder Eisernes Kreuz?

Die Grundidee, von der Trikolore ganz abzugehen, aber trotzdem an den Farben der Republik festzuhalten, allerdings in Kombination mit einem so traditionsreichen Symbol wie dem Deutschordens- beziehungsweise dem Eisernen Kreuz, hatte auf den ersten Blick etwas Bestechendes. Allerdings wirkte Redslobs Fahnenbild seltsam konstruiert und konnte das auch bei Schwarz-Rot-Gold problematische Aufeinanderstoßen der relativ dunklen Farben Schwarz und Rot nicht vermeiden. Obwohl Redslob seine Vorstellungen bis Ende des Jahres 1926 immer wieder vortrug, fand er bei den Regierungsstellen kein Gehör. Die hatten sich, nachdem Luther am 17. Mai durch ein Misstrauensvotum des Reichstags gestürzt worden war, wieder anderen Fragen zugewandt.

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Was keineswegs hieß, dass der Flaggenstreit beendet war. Treffend bemerkte August Winnig 1928 in seinem Buch „Das Reich als Republik“: „Der durch keine Kunst zu schlichtende Flaggenstreit ist das Symbol für unseren inneren Streit.“ Dass noch zehn Jahre nach dem Sturz der Monarchie, und unverändert fortdauernd bis 1933, alles Bemühen um einen Konsens im Hinblick auf die nationalen Hoheitszeichen scheiterte, hatte die Nationalversammlung mit ihren Beschlüssen verhindern wollen. Aber so wenig die „ausgesprochene Kompromissverfassung“ (Hans Boldt) im allgemeinen dazu angetan war, das liberale System zu stabilisieren, so wenig war der im Artikel 3 der Weimarer Reichsverfassung formulierte „Flaggenkompromiss“ geeignet, Fragen der Staatsrepräsentation in einer Weise zu klären, die eine Mehrheit überzeugt hätte.

Auch andere Länder ringen um ihre Flaggen

Es ist allerdings zu betonen, dass der Flaggenstreit der Weimarer Republik weder der erste noch der letzte Symbolkampf dieser Art war. Frankreich hat sich erst achtzig Jahre nach der Französischen Revolution endgültig zur Trikolore bekannt, und jetzt gibt es neue Empörung, wenn Bürgermeister des Rassemblement National die europäischen Farben von den Rathäusern entfernen.

In Kanada gab es massive Proteste gegen die Flagge mit dem roten Ahorn bei dessen Einführung in den 1960er Jahren. Im Vereinigten Königreich schwelt ein Konflikt um das Zeigen des Georgskreuzes, das als Ausdruck eines besonderen englischen und weißen Nationalismus gilt, der den Union Jack als Zeichen „britischer“ Unterdrückung ansieht. Und in Deutschland stehen die Patrioten, die die Bundesfarben an jedem öffentlichen Gebäude täglich gehisst sehen wollen, den Antipatrioten gegenüber, die Schwarz-Rot-Gold im Grunde am liebsten durch den Regenbogen ersetzen würden.

Aus der JF-Ausgabe 20/26.

Die Deutsche Demokratische Partei setzte im Flaggenstreit auf Schwarz-Rot-Gold. Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
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