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„Längst geschliffen“: Ex-Verfassungsrichter Müller fordert Ende der Brandmauer-Diskussion

„Längst geschliffen“: Ex-Verfassungsrichter Müller fordert Ende der Brandmauer-Diskussion

„Längst geschliffen“: Ex-Verfassungsrichter Müller fordert Ende der Brandmauer-Diskussion

Peter Müller, hier 2016 als Verfassungsrichter, hält nichts von Debatten über eine Brandmauer zur AfD.
Peter Müller, hier 2016 als Verfassungsrichter, hält nichts von Debatten über eine Brandmauer zur AfD.
„Bedarf eines dringenden Strategiewechsels“: Peter Müller, hier 2016 als Verfassungsrichter. Foto: picture alliance / dpa | Marijan Murat
„Längst geschliffen“
 

Ex-Verfassungsrichter Müller fordert Ende der Brandmauer-Diskussion

Der frühere Verfassungsrichter Peter Müller fordert ein Umdenken im Umgang mit der AfD. Auch über ein Parteiverbot solle nicht mehr diskutiert werden. Welche Gründe führt er dafür an?
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BERLIN. Der frühere saarländische Ministerpräsident und Bundesverfassungsrichter Peter Müller hat sich für ein Ende der Brandmauer-Diskussion ausgesprochen. „Die ‘Brandmauer‘ ist in der parlamentarischen Wirklichkeit längst geschliffen“, schreibt der Christdemokrat in einer Kolumne für die Süddeutsche Zeitung und verweist auf verschiedene Fälle, in denen andere Parteien bereits gemeinsam mit der AfD abgestimmt haben.

„Zweifellos sind bewusste Kooperationen oder gar Koalitionen mit einer sich radikalisierenden AfD ausgeschlossen“, erläutert Müller. „Dies darf aber nicht dazu führen, dass Parteien Positionen, die sie für richtig halten, nur deshalb nicht vertreten, weil diese von der AfD geteilt werden. Das nutzt allein der AfD.“

„Eindruck des unfairen Umgangs“

Der 70jährige fordert die etablierten Parteien außerdem dazu auf, die AfD nicht mehr im Parlamentsbetrieb zu benachteiligen. Als Beispiel verweist er auf das Vorhaben von CDU und SPD in Rheinland-Pfalz, das Quorum für Untersuchungsausschüsse anzuheben, um der AfD die Möglichkeit zu entziehen, ein solches Gremium einzurichten. „Der dadurch begründete Eindruck des unfairen Umgangs mit frei gewählten Abgeordneten schadet regelmäßig mehr, als er nützt.“

Auch die Parteiverbotsdebatte müsse aufhören. „Verbotsverfahren sind langwierig und erlauben es der Partei, sich zum Märtyrer zu stilisieren. Bei der AfD ist zudem der Erfolg eines solchen Verfahrens nicht garantiert – wie die vorläufige Aufhebung ihrer bundesweiten Einstufung als ’gesichert rechtsextrem’ durch das Verwaltungsgericht Köln zeigt.“

Letztlich müssten die anderen Parteien gut regieren und Repräsentationslücken schließen. „Dies gilt vor allem für bestimmte migrations- und sicherheitspolitische Themen. Die Behauptung, wer diese anspreche, bediene rechtsextreme Narrative, ist ein Totschlagsargument, das der AfD die Meinungsführerschaft sichert bei Fragen, die viele Menschen umtreiben.“

Müller zeigt aufs Ausland

Müller verweist darauf, dass im europäischen Ausland zuletzt mehrere rechte Politiker Niederlagen eingefahren hätten, darunter Viktor Orbán in Ungarn und Geert Wilders in den Niederlanden. Die AfD hingegen befinde sich unverändert im Aufwind. „Daher bedarf es dringend eines Strategiewechsels. Dieser sollte an der Erkenntnis ansetzen, dass in den Niederlanden und in Ungarn Kandidaten erfolgreich waren, welche die konkreten Sorgen und Nöte der Menschen in den Mittelpunkt ihrer Kampagnen stellten.“

Peter Müller war von 1999 bis 2011 Ministerpräsident des Saarlandes. Von 2011 bis 2023 fungierte er als Richter am Bundesverfassungsgericht. (ser)

„Bedarf eines dringenden Strategiewechsels“: Peter Müller, hier 2016 als Verfassungsrichter. Foto: picture alliance / dpa | Marijan Murat
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