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Architektur: Bauakademie in Berlin: Kommt Schinkel endlich zurück?

Architektur: Bauakademie in Berlin: Kommt Schinkel endlich zurück?

Architektur: Bauakademie in Berlin: Kommt Schinkel endlich zurück?

Man sieht ein rotes Gebäude und davor Statuen: Es handelt sich um Karl Friedrich Schinkels Bauakademie in Berlin, davor ein Denkmal des Architekten.
Man sieht ein rotes Gebäude und davor Statuen: Es handelt sich um Karl Friedrich Schinkels Bauakademie in Berlin, davor ein Denkmal des Architekten.
Der aktuelle Zustand von Schinkels Bauakademie in Berlin, davor ein Denkmal des Architekten. Foto: IMAGO / Berlinfoto
Architektur
 

Bauakademie in Berlin: Kommt Schinkel endlich zurück?

Seit Jahrzehnten wird gestritten, geplant und verzögert – nun gibt es erstmals eine klare Richtung für die Berliner Bauakademie: Die Fassade soll sich am Original Schinkels orientieren. Ein Lichtblick?
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Wenn der jahrzehntelange Kampf um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ein Marathon-Lauf war (JF berichtete), was ist dann das Ringen um die Wiedererrichtung der benachbarten Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel? Während die ehemalige Hohenzollernresidenz seit ihrer Eröffnung als Humboldt-Forum im September 2022 bereits Millionen Besucher angezogen hat und längst wieder zum selbstverständlichen Teil des Berliner Stadtbildes gehört, ragt an der nordöstlichen Ecke des Grundstücks der Bauakademie seit 2021 lediglich eine rekonstruierte Musterfassade in den Berliner Himmel.

Dieses Fragment vermittelt zumindest einen Eindruck von der Qualität des mit Terrakottaelementen verzierten berühmten Backsteinbaus, der als frühes Beispiel der architektonischen Moderne und als Prototyp der typischen unverputzten preußischen Ziegelbauten gilt. Daneben gibt seit 2005 der etwas verloren wirkende Ziegelrohbau des sogenannten „Roten Saals“ der einstigen Bauakademie einen Eindruck vom Inneren des Bauwerks.

Ansonsten ist das rund 2.100 Quadratmeter große Grundstück weitgehend von Gestrüpp und märkischem Sand geprägt. Und das, obwohl der Haushaltsausschuss des Bundestages bereits 2016 für den Wiederaufbau 62 Millionen Euro bereitgestellt hatte.

Die Grün-Linke-Denkschule strebt den Neubau an

Die Diskussion über den Wiederaufbau des im Krieg ausgebrannten und dann vom SED-Regime abgerissenen Schinkel-Baus lässt sich wie beim Stadtschloss bis zum Anfang der neunziger Jahre zurückverfolgen. Spätestens seitdem mit dem Abriss des ehemaligen DDR-Außenministeriums, für den 1962 die bereits zum Wiederaufbau vorgesehene Ruine der Bauakademie weichen musste, das Baugrundstück wieder frei geworden ist, steht eine mögliche Rückkehr des Schinkel-Baus auf der Tagesordnung der Berliner Stadtplanung.

Doch wie bereits beim Stadtschloss regte sich schnell Widerstand gegen einen originalgetreuen Wiederaufbau. Dabei richtete sich der Unmut nicht grundsätzlich gegen die Idee, an alter Stelle wieder eine Bauakademie zu bauen, sondern speiste sich vielmehr aus der grundsätzlichen Abneigung, einmal zerstörte Gebäude in alter Form zu rekonstruieren. Diese Denkschule, die politisch vor allem bei den Grünen und der Linkspartei, aber auch Teilen der SPD verortet werden kann, strebt einen modernen Neubau an, der Schinkels Bau – lediglich als Inspiration für eine Bauakademie in einem modernen und natürlich „klimagerechten“ Gewandt nutzen soll.

In einem gemeinsamen Antrag von Grünen und Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus von 2023 wird dementsprechend gefordert: „Das neue Gebäude der Bauakademie soll selbst den zukunftsgerichteten Anspruch an das Bauen im Klimawandel erfüllen und ein herausragendes Beispiel für Kreislaufwirtschaft, Verwendung nachwachsender Baustoffe, geringen Energieverbrauch in Erstellung und Betrieb sowie Nutzung erneuerbarer Energie und Bauwerksbegrünung in einer ansprechenden Gebäudehülle werden.“ Das klingt nach der Ausschreibung für den Verwaltungssitz einer Kreissparkasse, nicht aber nach der Beschreibung eines Baus, der dem ikonischen Gebäude von Karl Friedrich Schinkel gerecht wird.

Nun hat es eine Richtungsentscheidung gegeben

Seit dem ersten Anstoß für den Wiederaufbau der Bauakademie hat sich eine kaum überschaubare Zahl von Artikeln, Podiumsdiskussionen und Wettbewerben mit der zentralen Frage nach der äußeren Gestalt des Baus auseinandergesetzt. Mit der 2019 erfolgten Gründung der Bundesstiftung Bauakademie, die das geplante Gebäude nach seiner Fertigstellung „bespielen“ und die laut Satzung „die gesellschaftliche, technische und kulturelle Innovationskraft des Bauens stärken soll“, war bei vielen die Hoffnung verbunden, dass Bewegung in die verfahrene Diskussion kommen würde, die immer wieder drohte, völlig zu versanden.

Doch zunächst einmal war die Stiftung mit internen Streitigkeiten rund um den zum Gründungsdirektor berufenen damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Florian Pronold beschäftigt. Pronold, der sein Amt schließlich nicht antrat, wurde von seinen Kritikern mangelnde Kompetenz vorgeworfen. Sein Nachfolger Guido Spars wollte dann den Neubau zu einem „Reallabor des zeitgenössischen Bauens“ machen und sagte, er könne sich weder eine vollständig originalgetreue Rekonstruktion noch einen kompletten Neubau vorstellen stattdessen plädierte er für einen „Hybrid“.

Doch nun hat es eine Richtungsentscheidung gegeben. Ende Januar beschloss der schwarz-rote Berliner Senat nach dem jahrelangen Streit Vorgaben für den Wiederaufbau der Bauakademie, mit denen eine originalgetreue Wiederherstellung der Fassaden erreicht werden soll. Zuvor hatte das Berliner Abgeordnetenhaus bereits im vergangenen Jahr einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Wie das Innere aussehen soll, ist offen

Demnach ist für die Gebäudehülle nun vorgesehen, dass sich diese am Original von Schinkel orientiert, spezifische baukünstlerische Gliederungselemente ebenso verwendet werden wie historische Ziegel, heißt es in dem gemeinsam mit der Bundesstiftung Bauakademie und Vertretern des Bundes erarbeiteten Auslobungstext des Realisierungswettbewerbs. „Durch diese Festlegungen wird sichergestellt, dass Anmutung, Materialität und Fernwirkung des ehemaligen Denkmals die Grundlage für die Realisierung bilden“, teilte der Senat dazu mit.

Dadurch werde die historische Fassadenrekonstruktion als maßgebliches Leitbild verankert. Auch wenn durch die äußere Hülle das historische Erscheinungsbild bewahrt werde, heißt es einschränkend, müssten dennoch „zeitgemäße Bedarfe wie ein barrierefreier Zugang integriert“ werden. Völlig offen ist derweil, wie das innere der neuen Bauakademie aussehen wird. Eine historische Rekonstruktion, für die der erwähnte „Rote Saal“ einen Anhaltspunkt geben könnte, steht derzeit offenbar nicht zur Diskussion.

Auch wenn die vom Berliner Senat beschlossenen Richtlinien für die Fassade der künftigen Bauakademie den Weg hin zu einer Rekonstruktion des Schinkelbaus zumindest in seinem äußeren Erscheinungsbild weisen, ist das letzte Wort in diesem Dauerstreit damit noch nicht gesprochen. Nach der derzeit sehr wahrscheinlichen Ablösung des schwarz-roten Senates nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September dieses Jahres durch eine Regierung aus Grünen, SPD und Linkspartei könnte die Richtungsentscheidung für einen historischen Wiederaufbau schnell wieder zur Disposition gestellt werden. Mindestens dürfte es durch den Wechsel in den Verantwortlichkeiten zu weiteren, jahrelangen Verzögerungen kommen und der Zieldurchlauf für die Berliner Bauakademie so erneut in weite Ferne rücken.

Aus der JF-Ausgabe 15/26

Der aktuelle Zustand von Schinkels Bauakademie in Berlin, davor ein Denkmal des Architekten. Foto: IMAGO / Berlinfoto
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