STOCKHOLM. Die Mordrate in Schweden ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Wert seit 2012 gesunken. Insgesamt 84 Mordtaten seien von der schwedischen Polizei verzeichnet worden, ein deutlicher Rückgang gegenüber den 92 Morden im Jahr 2024 und zum bisherigen Höchststand von 2020, als 124 Menschen ermordet worden waren, wie Reuters berichtet.
Drei Jahre nachdem die liberalkonservative Moderaterna-Partei gemeinsam mit Christdemokraten und Liberalen eine von den rechten Schwedendemokraten unterstützte Koalition geformt hatte (JF berichtete), kann die Regierung damit einen handfesten Erfolg verbuchen. Alle vier Parteien hatten im Vorfeld angekündigt, Kriminalität und Bandengewalt bekämpfen zu wollen.
Der Vorsitzende der Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson, hatte der damaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson vorgeworfen, nicht „jeden Stein umzudrehen“, um Bandenkriminalität zu bekämpfen. Seine Partei wolle das tun.
Polizei hat neue Befugnisse
Die schwedische Polizei gab an, der Rückgang der Morde sei vor allem auf neue Methoden und Befugnisse zurückzuführen, die die Behörde erlangt habe. Dazu zählen neue Abhörgesetze, erweiterte Anonymität für Zeugen vor Gericht, härtere Strafen und die Einführung von Sicherheitszonen, in denen Polizisten Personen auch ohne Verdachtsmoment untersuchen dürfen.
Der Schwedische Nationalrat für Kriminalprävention betonte, dass der Rückgang der Bandengewalt sogar noch deutlich stärker sei, als es auf den ersten Blick aussehe. Beinahe ein Viertel der Morde durch Schusswaffen sei 2025 nicht im Zusammenhang mit Gangkriminalität erfolgt, sondern die Folge eines Schulamoklaufs, der sich im Februar 2025 in der Stadt Örebro ereignete. Ein 35jähriger ehemaliger Schüler einer Berufsschule hatte damals zehn Menschen und sich selbst erschossen.
Regierung kündigt weitere Maßnahmen an
Im März 2026 gaben schwedische Wähler in einer Umfrage des Meinungsinstituts „Indikator Opinion“ an, dass „Recht und Ordnung“ für sie das wichtigste Thema der kommenden Wahl im September 2026 sei. Justizminister Gunnar Strömmer (Moderaterna-Partei) hatte im Dezember angekündigt, noch mehr gegen Bandengewalt unternehmen zu wollen: „Ich habe klargemacht, dass der Zug nicht auf dem Bahnhof stehen bleiben wird. Es ist nicht der Moment, das Tempo zu drosseln.“
Schweden hat seit den 2000er Jahren einen deutlichen Anstieg bei Morden und organisierter Kriminalität erlebt. Die Zahl der Morde durch Schusswaffen verdreifachte sich in den Jahren 2012 bis 2020. In den Jahren 2018 bis 2023 hatte das Land die höchste Rate an Toten durch Schusswaffen in Europa. Laut einem Bericht aus dem vergangenen Jahr hatten Opfer und Täter dabei doppelt so häufig einen Migrationshintergrund, als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. (lb)






