BERLIN. Das Jugendamt von Berlin-Neukölln hat offenbar versucht, mehrere schwere sexuelle Übergriffe von arabischstämmigen Jugendlichen in einem Jugendclub zu vertuschen. Im Januar hatten neun junge Araber eine türkisch-kurdische Jugendliche in einen Hinterraum des Jugendclubs getragen und auf die Couch geworfen. Anschließend hockten sie sich abwechselnd auf sie und fassten sie gegen ihren Willen an. Als eine Mitarbeiterin der Einrichtung hereinkam, hörten sie auf.
Drei Tage nach dem Übergriff erzählte das Opfer, es sei im November im Garten des Jugendzentrums vergewaltigt worden. Danach habe es über mehrere Stunden in einer Ecke gekauert. Weil das Zentrum bereits abgeschlossen war, kletterte es über den Zaun und brach sich das Sprunggelenk. Ein Jugendlicher mit dem Spitznamen Medi hat laut Bild-Zeitung ein Video von der Tat gedreht und dabei das Opfer mit den Worten „Ich will dich hier jeden Montag sehen, sonst schicke ich das deinen Eltern“ erpresst. Das Video hat sich nach Angaben der Boulevardzeitung bereits rumgesprochen, andere Jugendliche sollen das Opfer bereits verfolgt haben. Sie sollen ihm gesagt haben: „Du lässt dich doch ficken“. Außerdem verlangten sie, auch die 14jährige Schwester des Opfers zu treffen.
Die Betreuer des Jugendzentrums haben seitdem keine Anzeige bei der Polizei gestellt, auch das Jugendamt blieb untätig. Lediglich ein Safeword wurde den weiblichen Besuchern anvertraut, das sie laut aussprechen sollen, wenn sie sich bedroht fühlen. Zudem wurde die Tür zum hinteren Raum entfernt.
Neuköllns Bürgermeister nimmt Jugendstadträtin in Schutz
Berlins Jugend-Staatssekretär Falko Liecke (CDU) reagierte gegenüber der Bild-Zeitung empört auf die Vorfälle. Es sei „ein Unding, dass hier offensichtlich die muslimischen Täter geschützt werden, um sie nicht zu stigmatisieren, und das Opfer wird im Stich gelassen. Diese Haltung ist ein völliges No-go“. Er prüfe aktuell juristische Konsequenzen wegen Verstößen gegen den Kinderschutz. Er unterstellt dem Bezirksamt, die Sache unter den Teppich kehren zu wollen. Der Fall wurde „im Bezirksamt nicht auf die Tagesordnung gesetzt, obwohl dies hätte stattfinden müssen“, monierte Liecke und betonte: „Das ist ein Skandal und muss Konsequenzen haben.“
Die Neuköllner Verwaltung begründete die nicht erfolgten Anzeigen bei der Polizei gegenüber der Bild-Zeitung damit, dass dem Jugendamt „weder vom Opfer noch vom Täter die Namen bekannt sind“.
Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) wies die Vorwürfe zurück und nahm die zuständige Jugendstadträtin, Sarah Nagel (Linkspartei), in Schutz. Sie sei erst am 2. März vom Jugendamt über die Übergriffe informiert worden. Dennoch betonte Hikel, diese Vorfälle zeigten, „dass die Strukturen und Abläufe im Jugendamt einer selbstkritischen internen Überprüfung bedürfen“. Das Bezirksamt werde nun beraten, Erhebungen zu sexuellen Übergriffen in Jugendeinrichtungen durchzuführen. (st)





