BERLIN. Die Bundesregierung hat konkrete Pläne für eine staatliche Erdgasreserve entwickelt. Damit soll Deutschland künftig besser auf außergewöhnliche Krisen vorbereitet sein, etwa auf Sabotage an Infrastruktur oder eine globale Gasmangellage. Die Reserve soll ausdrücklich nicht die normale Winterversorgung sichern. Diese bleibe Aufgabe von Händlern, Lieferanten und Versorgern. Der Staat soll demnach nur für Extremfälle vorsorgen.
Das Konzept aus dem Bundeswirtschaftsministerium sieht eine Reserve von rund 24 Terawattstunden Gas vor. Das entspricht knapp zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität.
Die Kosten für Aufbau, Gaseinkauf und Einspeicherung werden auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Sie sollen sich auf die Jahre 2027 und 2028 verteilen. Hinzu kommen laufende Kosten von 150 bis 180 Millionen Euro im Jahr. Dazu zählen unter anderem Speicherplätze, Transport und Verwaltung. Bezahlen sollen die Reserve offenbar die Gasverbraucher. Geplant ist demnach eine Umlage. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte eine solche Reserve bereits zuvor als Notfallinstrument bezeichnet. Sie soll das Instrumentarium der Bundesnetzagentur erweitern. In einer Gasmangellage ist die Behörde für staatliche Eingriffe zuständig.
Gasreserve soll zehn Tage abdecken
Die Reserve soll helfen, Versorgungsengpässe zu vermeiden oder zumindest hinauszuzögern. Auch Abschaltungen einzelner Industriekunden sollen möglichst verhindert werden. Zugleich soll der Staat Zeit gewinnen, um Reparaturen an beschädigter Infrastruktur vorzunehmen oder alternative Importe zu organisieren. Abgesichert werden soll nach den internen Berechnungen unter anderem ein 30-tägiger Ausfall der größten Importinfrastruktur. Gemeint ist der Anlandepunkt Dornum in Niedersachsen, über den ein großer Teil der norwegischen Pipeline-Lieferungen nach Deutschland kommt.
Mit 24 Terawattstunden ließen sich demnach auch rund 40 Tage Ausfall von LNG-Importen oder zehn Tage Vollversorgung von Haushalten und Gewerbe in einem Extremwinter abdecken, falls sämtliche Pipeline- und LNG-Importe ausfallen. In einem Normalwinter wären es 18 Tage.
Die Grünen begrüßten den Vorstoß. Ihr energiepolitischer Sprecher Michael Kellner sagte, es sei richtig, eine Gasreserve einzuführen. Die geplante Befüllung im kommenden Jahr komme allerdings für diesen Winter zu spät. Hier drohe erneut eine „Zitterpartie“. (rr)







