BERLIN. Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sechzehn Jahre lang Deutschland regiert und tiefe Spuren hinterlassen. Nun macht in der Union ein Gerücht die Runde, das alte Machtfragen neu entfacht und die Parteiführung in Unruhe versetzt. Nach Informationen aus Unionskreisen, über die Bild berichtet, wird hinter den Kulissen über eine mögliche Rückkehr der früheren Kanzlerin spekuliert – nicht an die Spitze der Regierung, sondern als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten.
Die Grünen könnten Merkel gezielt als Bewerberin für das höchste Staatsamt vorschlagen. Der Hintergrund: Merkel gilt bis heute als anschlußfähig für grüne und linksliberale Milieus.
In der Union wird befürchtet, daß ausgerechnet die Grünen – etwa über ihren baden-württembergischen Spitzenmann Cem Özdemir – einen entsprechenden Vorstoß wagen könnten. Für CDU-Chef Friedrich Merz wäre das politisch heikel. Zwischen Merz und Angela Merkel besteht seit Jahren ein gespanntes Verhältnis. Merkel hatte Merz 2002 parteiintern entmachtet und aus dem Fraktionsvorsitz gedrängt. Später profilierte er sich als einer ihrer schärfsten Kritiker. Gleichzeitig verbindet beide das CDU-Parteibuch – ein offener Bruch wäre kaum vermittelbar.
Gerücht um Merkel-Rückkehr versetzt CDU in Unruhe
Genau darin liegt das Dilemma: Würden die Grünen Merkel offiziell nominieren, stünde Merz unter Druck. Ein Nein zur Kandidatin aus den eigenen Reihen wäre politisch riskant, Zustimmung gegen den eigenen Willen ebenfalls. In der CDU-Spitze wird die Lage aufmerksam beobachtet. Nach internen Angaben denkt man bereits darüber nach, ungewöhnlich früh einen eigenen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl 2027 zu präsentieren. Damit will man einem möglichen Überraschungscoup zuvorkommen.
Als aussichtsreich gelten derzeit zwei Namen: Bundesbildungsministerin Karin Prien sowie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Beide gelten als profilierte Christdemokratinnen, doch insbesondere Klöckner stößt bei SPD und Grünen wegen ihrer Nähe zu Merz auf Vorbehalte. Merkel hingegen könnte fraktionsübergreifend Stimmen sammeln.
In der CDU wird zudem registriert, daß Merkel ihre öffentliche Präsenz zuletzt deutlich verstärkt hat. Auch ihre angekündigte Teilnahme am CDU-Bundesparteitag ab dem 20. Februar wird parteiintern als Signal gewertet.
Merkel selbst ließ eine Sprecherin ausrichten, Behauptungen, sie werde Bundespräsidentin, seien „abwegig“. (rr)






