BERLIN. Ein vom Bundesinnenministerium geförderter Forschungsverbund hat erstmals umfassende Ergebnisse zu politisch motivierten Zwangsadoptionen in der SBZ und der DDR vorgelegt (die JF berichtete). Die dreijährige Studie kommt zu dem Befund, daß der SED-Staat zwischen 1945 und 1989 systematisch in Familien eingriff und Kinder ihren Eltern entzog.
Geleitet wurde das Forschungsprojekt vom Deutschen Institut für Heimerziehungsforschung. Beteiligt waren Wissenschaftler der Universitäten Düsseldorf, Mainz und Leipzig sowie der Medical School Berlin. Das Bundesinnenministerium stellte für das Vorhaben rund eine Million Euro zur Verfügung.
Untersucht wurden staatliche Eingriffe unter dem Vorwand angeblicher sozialer oder wirtschaftlicher „Missstände“. Eltern und Kinder wurden getrennt, Adoptionen gegen den Willen der Betroffenen durchgesetzt. Die Forscher ordnen diese Praxis eindeutig als Teil des Systemunrechts der SED-Diktatur ein. Die Folgen wirkten für viele Betroffene bis in die Gegenwart fort.
Politisch motivierte Adoptionen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte, Unrecht müsse klar erkannt und benannt werden. Auch Jahrzehnte nach dem Ende der DDR gebe es noch blinde Flecken in der Aufarbeitung. Die Untersuchung schließe eine zentrale Lücke bei der historischen Bewertung politisch motivierter Adoptionen.
Bereits seit den 1970er Jahren wird über Zwangsadoptionen in der DDR berichtet. Neue Aufmerksamkeit erhielt das Thema 2018 durch eine Petition von Betroffenen. Der Deutsche Bundestag beschloß daraufhin parteiübergreifend eine wissenschaftliche Aufarbeitung und beauftragte das Innenministerium mit der Durchführung des Projekts. (rr)






