SCHWERIN. Die Stadtvertreter von Schwerin haben sich dagegen ausgesprochen, eine Lenin-Statue im Stadtteil Neu Zippendorf unter Denkmalschutz zu stellen. Für viele sei sie ein Symbol der Unterdrückung, begründeten die Vertreter der mecklenburg-vorpommerschen Stadt die Entscheidung laut NDR. Aus diesen Erfahrungen erwachse eine besondere Sensibilität und historische Verantwortung.
„Die Stadtvertretung stellt klar, dass eine Unterschutzstellung in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation weder angemessen noch verantwortungsvoll ist und einer Aufarbeitung der historischen Belastungen zuwiderlaufen würde“, heißt es in dem Ablehnungsbeschluss laut Welt. Der Oberbürgermeister – der am 12. April neugewählt wird, weswegen der derzeitige Baudezernat Bernd Nottebaum (CDU) Verwaltungschef ist – wurde aufgefordert, sich bei der Denkmalschutzbehörde des Landes „entschieden“ gegen eine Eintragung der Statue in die Denkmalliste auszusprechen.
Für den Schutzstatus als Denkmal hatten die Schweriner Grünen plädiert und dazu einen entsprechenden Antrag eingebracht. Dieser wurde in zentralen Punkten mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.
Denkmalschutzbehörde kann sich über Schwerin hinwegsetzen
Endgültig über den Status der Lenin-Figur entscheidet allerdings die Denkmalschutzbehörde des Bundeslandes. Die hatte im vergangenen Jahr mit einem Verweis auf „hohen historischen Zeugniswert“ einen Denkmalwert zugeschrieben (JF berichtete) – und kann diese Entscheidung zunächst auch gegen den Willen der Stadtvertretung durchsetzen. Sollte die Entscheidung des Landes der Stadt missfallen, kann sie gerichtlich dagegen vorgehen.
Auch der zurückgetretene Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) hatte dafür plädiert, die Lenin-Figur unter Schutz zu stellen. „Infolge der Dezimierung politischer Kunst aus DDR-Zeiten im Schweriner Stadtraum stellt das Lenin-Standbild auch ein wichtiges kulturelles und politisches Zeugnis der jüngeren deutschen Vergangenheit dar“, sagte er. Nur wenn es erhalten bleibe, bestehe auch „weiterhin die Chance zur konstruktiven Auseinandersetzung mit unserer jüngeren Geschichte“.
Lenin-Figur mit Pflanzen überwuchern lassen?
Gegen diese Idee hatten sich hingegen die Schriftstellerin Grit Poppe und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk gestellt. Beide unterschrieben einen offenen Brief, in dem gefordert wurde, die Lenin-Statue „zu entfremden, mit Pflanzen überwuchern zu lassen oder mit entsprechenden Hinweistafeln im Innenhof des ehemaligen KGB-Gefängnisses am Demmlerplatz in Schwerin auszustellen“.
Die rund 3,20 Meter hohe Bronzestatue war 1985 in der DDR errichtet worden. Neben der Gedenkstätte für revolutionäre Matrosen in Rostock und einem Bildnis Ernst Thälmanns in Stralsund gehört sie zu den größten noch erhaltenen kommunistischen Monumenten im Norden der ehemaligen DDR. (lb)






