BERLIN. Die CDU-Fraktion in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung hat einen Dringlichkeitsantrag auf Abwahl der Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linkspartei) gestellt. Anlass dafür sind neue Erkenntnisse zu den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen durch Migranten im Jugendzentrum an der Wutzkyallee (JF berichtete). Bei der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses sowie einer Akteneinsicht durch CDU-Bezirksverordnete seien „gravierende Versäumnisse“ der Politikerin ans Licht gekommen, sagte Fraktionschef Markus Oegel dem Focus am Dienstag.
Demnach wolle Nagel „offenbar nur mit einer internen Kommission für Aufklärung der Vorkommnisse“ sorgen. Um den Aufklärungsdruck zu erhöhen, müsse die Bezirksverordnetenversammlung jetzt Konsequenzen fordern. Laut Oegel wolle die CDU alles daransetzen, der „unsäglichen Kultur des Vertuschens und Aussitzens ein Ende zu bereiten“.
Die Abstimmung soll am Mittwoch stattfinden, für die Aufnahme des Antrags auf die Tagesordnung ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Die CDU selbst stellt lediglich 17 der 55 Bezirksverordneten. Damit bedarf der Antrag der Zustimmung anderer Parteien, etwa der SPD und der Grünen. Letztere kündigten bereits an, mit „Nein“ zu stimmen. „Offensichtlich geht es der CDU-Fraktion mehr um eine parteipolitische Inszenierung als um den Schutz der Neuköllner Kinder und Jugendlichen“, kritisierten deren Bezirksverordnete Beate Bruker und Tjado Stemmermann gegenüber dem Tagesspiegel. Stattdessen wolle die Partei eine weitere Sitzung des Jugendhilfeausschusses abwarten.
Jugendklub an der Wutzkyallee ist vorübergehend geschlossen
Erst vergangene Woche hatte die Linkspartei-Stadträtin eingeräumt, dass sexuelle Übergriffe im Jugendzentrum an der Wutzkyallee bereits seit Februar vergangenen Jahres bekannt gewesen seien. Zudem seien mehrere Protokollvorschriften vom Jugendamt nicht eingehalten worden. Zugleich wies Nagel die Vorwürfe bewusster Vertuschung durch Jugendamt-Mitarbeiter zurück.
Die Vorfälle kamen erst Mitte März an die Öffentlichkeit. Der Bild-Zeitung zufolge sollen neun junge Araber im Januar eine 16jährige Kurdin sexuell bedrängt haben. Die Polizei wurde allerdings erst Wochen nach dem Vorfall informiert. Weder die Betreuer des Jugendzentrums noch das Jugendamt stellten zunächst Anzeige, lediglich ein Signalwort wurde den weiblichen Besuchern anvertraut.

Später gab die Geschädigte an, im November zuvor vergewaltigt und erpresst worden zu sein. Ein 17jähriger soll die Tat gefilmt und sie anschließend mit dem Video unter Druck gesetzt haben. Inzwischen erhielt er Hausverbot, der Jugendklub selbst ist vorübergehend geschlossen. (kuk)





