BERCHTESGADEN. Der frühere Rennrodler und langjährige Trainer Georg Hackl hat Deutschland in ungewöhnlich scharfen Worten kritisiert. In einem Interview mit der Abendzeitung München sprach er von einer „Bananenrepublik“, die zentrale Infrastrukturprojekte nicht mehr zustande bringe.
Hackl verwies dabei auf die schnelle Fertigstellung einer neuen Rodelbahn für die Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo. Er lobte ausdrücklich das Vorgehen der italienischen Regierung. „Ich möchte in aller Form ein großes Kompliment an die italienische Regierung aussprechen“, sagte er. Selbst Vizepremier Matteo Salvini sei bei den Arbeiten vor Ort gewesen, sagte Hackl. „Ich hab’ sein Gesicht gleich erkannt, und er hat gesehen, dass ich ihn erkannt habe, und ich hab’ ihm ein Daumen-hoch gegeben.“
Hackl vermisst Führungsstärke in Deutschland
Die Entscheidung, innerhalb kurzer Zeit eine neue Bahn zu bauen, bezeichnete der frühere Olympiasieger als Beispiel für politische Führung. „Das ist Führungsstärke, die ich in Deutschland so sehr vermisse“, sagte Hackl. Jetzt unter Friedrich Merz sowie unter Olaf Scholz und auch Angela Merkel.
Als Beispiele nannte er mehrere Infrastrukturprojekte, die sich über Jahre verzögerten. Früher hätten Deutsche über Italien gelacht, heute sei Deutschland „die Bananenrepublik, die nichts mehr auf die Reihe kriegt“, sagte Hackl. Er verwies unter anderem auf den Bau des Stuttgarter Bahnhofs, den verspätet eröffneten Berliner Flughafen sowie auf die noch immer nicht reparierte Carolabrücke in Dresden.
Auch die beschädigte Rodelbahn bei ihm daheim am Königssee kritisierte Hackl. Nach einer Überschwemmung seien lediglich ein oder zwei Kurven beschädigt worden. Trotzdem könne dort seit Jahren kein Wettkampf stattfinden. „Nach fünf Jahren rodeln wir immer noch nicht“, sagte er.
„Die lachen uns mittlerweile aus“
Trainerkollegen aus dem Ausland reagierten mit Unverständnis auf die Situation. „Die lachen uns mittlerweile aus“, sagte er. Während etwa in Innsbruck nach Problemen schnell an einer Lösung gearbeitet werde, sei völlig unklar, wann am Königssee wieder gerodelt werden könne. „Weil Deutschland nichts mehr kann.“
Deutschland belegte bei den Olympischen Winterspielen im Medaillenspiegel den fünften Platz. Die deutsche Mannschaft gewann acht Gold-, zehn Silber- und acht Bronzemedaillen und kam damit insgesamt auf 26 Medaillen. (sv)





