DÜSSELDORF. Die Gewaltbereitschaft im Linksextremismus hat in Nordrhein-Westfalen deutlich zugenommen. Zwischen 2024 und 2025 verdoppelte sich die Zahl linksextremistischer Straftaten auf über 2.400 Fälle, wie aus dem neuen Lagebild des Verfassungsschutzes hervorgeht, das Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch gemeinsam mit Verfassungsschutzpräsident Jürgen Kayser vorstellte.
2024 waren noch 1.187 entsprechende Taten registriert worden. Auch die Gewaltdelikte nahmen deutlich zu. Ihre Zahl stieg von 86 im Jahr 2024 auf 153 im Jahr 2025. Dabei handele es sich vor allem um Körperverletzungsdelikte sowie Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte.
Verdopplung bei den Sachbeschädigungen
Besonders stark fiel der Anstieg bei den Sachbeschädigungen aus. Hier wurden 2024 noch 488 Fälle erfaßt, ein Jahr später bereits 1.190. Damit hat sich dieser Deliktbereich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Zugenommen haben zudem Angriffe auf die Kritische Infrastruktur. 2024 wurden zwei Sabotageakte auf Einrichtungen der Bahn registriert, 2025 waren es sechs. Dazu zählten unter anderem ein Brandanschlag auf die Bahnstrecke Duisburg–Düsseldorf Ende Juli 2025 (JF berichtete) sowie eine Serie von Brandanschlägen auf drei Funkmasten in Langenfeld, Erkrath und Hilden im Mai 2025.
Reul sagte, die Taten würden brutaler, professioneller und persönlicher. „Kollateralschäden werden im Namen eines vermeintlich höheren Ziels in Kauf genommen“, betonte der Innenminister. Der Linksextremismus trete, wie jede Form des Extremismus, „unsere Art zu leben mit Füßen“. Wer die freiheitliche Gesellschaftsordnung ablehne und aktiv gegen sie kämpfe, stelle eine Gefahr dar.
Linksextreme setzen auf „Lifestyle“-Image
Die Mitteilung hebt zudem hervor, daß die Szene verstärkt auf soziale Medien, gemeinsame Aktionen und ein „Lifestyle“-Image setzt, um insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen. Klassische kommunistische Symbolik werde mit moderner Jugendkultur verbunden. Inhaltlich weite die Szene ihr Themenspektrum aus, neben Klimaschutz stünden inzwischen mehrere Krisenfelder gleichzeitig im Fokus.
Das rund 100 Seiten starke Lagebild beschreibt darüber hinaus eine strukturelle Ausdifferenzierung des Spektrums. Im Vergleich zu anderen Bundesländern seien die Strukturen in Nordrhein-Westfalen zwar noch nicht so ausgeprägt, sie würden jedoch vielfältiger. Das Spektrum reiche von linksextremistischen Strukturen in Parteien und deren Umfeld über kommunistische Kleingruppen bis hin zu autonomen Zusammenschlüssen, die teils auch Kampfsport als „Selbstschutz“ nutzten.
Kommunistische Jugend- und Kaderorganisationen verfügten demnach in Nordrhein-Westfalen über rund 300 Personen und befänden sich im Aufwind. Auch im parteinahen Umfeld zeigt sich eine deutliche Dynamik. Bundesweit stieg die Zahl der passiven Mitglieder der Linksjugend von 16.400 auf 61.200, die der aktiven Mitglieder von 7.500 auf 13.000.
Postautonomer Linksextremismus in der Krise
Zugleich beschreibt der Bericht Rückgänge innerhalb des Spektrums. „Die Postautonomen befinden sich heute in einer Krise.“ Wegen Konflikten über sexuelle Übergriffe hätten sich lokale Gruppen aufgelöst oder Bündnisse verlassen. Eine Abkehr vom Extremismus bedeute das jedoch nicht. Vielmehr „scheinen die vermeintlich klaren Erklärungsmuster und Strategien des dogmatischen Linksextremismus wieder an Attraktivität zu gewinnen“, heißt es in dem Lagebild.
Auch das Aussteigerprogramm „Left“ wird angeführt. Seit seinem Bestehen arbeitete es mit rund 78 Personen aus dem linksextremistischen Spektrum, 15 von ihnen stiegen nach Angaben des Ministeriums erfolgreich aus. (sv)







