MÜNCHEN. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Stichwahl und das Amt sensationell deutlich verloren. Sein Nachfolger wird der Grünen-Kandidat Dominik Krause. Auf Reiter entfielen 43,6 Prozent der Stimmen, Krause erhielt 56,4 Prozent.
Die Beteiligung unter den 1,1 Millionen Wahlberechtigen lag bei diesem rot-grünen Stechen nach offiziellen Angaben lediglich bei 44,5 Prozent. Krause erhielt demnach 25,0 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten. Mit 61,1 Prozent stimmten die meisten Münchner Wähler per Brief ab.
Bei der ersten Abstimmung vor zwei Wochen hatte Reiter mit 35,6 Prozent noch vor Krause gelegen, der 29,5 Prozent erhielt (die JF berichtete). Der SPD-Politiker war kurz vor der Wahl in die Kritik geraten. Zum einen musste er nicht vom Stadtrat genehmigte Zahlungen im Zusammenhang mit einem Ehrenamt beim FC Bayern einräumen. Zum anderen hatte er in der letzten Stadtratssitzung vor der Wahl das Wort „Neger“ benutzt (die JF berichtete).
Münchens OB Reiter tritt aus der Politik ab
Der 67jährige Amtsinhaber räumte bereits nach Auszählung von zwei Dritteln der Stimmen seine Niederlage ein: „Ich habe es verbockt“, sagte er. Reiter gratulierte Krause zum Sieg und erklärte seine politische Laufbahn für beendet. Münchner Oberbürgermeister werden immer für sechs Jahre gewählt.
Damit endet eine Ära. Reiter war seit 2014 im Amt und hatte sich um eine dritte Amtszeit beworben. Insgesamt saßen Sozialdemokraten seit 42 Jahren ununterbrochen auf dem Oberbürgermeistersessel in München.
Seit 1948 konnte nur einmal ein anderer Politiker die SPD-Dominanz in der bayerischen Landeshauptstadt durchbrechen. Von 1978 bis 1984 regierte der CSU-Politiker Erich Kiesl am Marienplatz.

Wahlgewinner Krause sprach von einer Sensation, einem historischen Ergebnis und einem Aufbruch: „Es ist der Wahnsinn!“, jubelte er auf der Wahlparty der Grünen. Der schwule Politiker küsste seinen Verlobten und richtete ein Dankeschön an Sebastian Müller, „die Liebe meines Lebens, ohne die all das nicht möglich war“. (fh)





