MAGDEBURG. Mit einer spektakulären Aktion mischt sich der öffentlich-rechtliche MDR in den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ein. Für mehrere Sekunden stellt die ARD-Anstalt im Radio den Ton ab und im Fernsehen fängt das Bild zunächst an zu flackern, wird schwarz-weiß und dann ganz schwarz.
Dass es sich um eine absichtliche Bildstörung bei der Sendung „Sachsen-Anhalt heute“ handelt, wird kurz darauf klar. Eine dramatisch klingende Stimme aus dem Off sagt: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Kein MDR mehr in Sachsen-Anhalt?“ Das könnte passieren, heißt es weiter. Insgesamt dauert die Unterbrechung 26 Sekunden.
Dann erscheint wieder der Moderator und führt ein Interview mit seinem Intendanten Ralf Ludwig. Der erklärt dann, dass die in Sachsen-Anhalt in den Umfragen weit vorn liegende AfD (JF berichtete) die Rundfunkstaatsverträge kündigen wolle. So steht es im 100-Tage-Sofortprogramm der Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund.
Panik beim ersten deutschen Staatsfernsehen! Das waren heute die Nachrichten des #MDR in Sachsen-Anhalt. Genau so gesendet! Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland macht der öffentlich-rechtliche Rundfunk offen Wahlkampf gegen eine Partei. Ein Tabubruch! #AfD pic.twitter.com/nnH61vqR1s
— storymakers (@mz_storymakers) August 24, 2026
MDR-Intendant: Kündigung ist juristisch möglich
„Viele Menschen wissen das nicht, denen sind die Auswirkungen einer solchen Kündigung nicht bewusst“, sagte Ludwig mit Grabesmiene. Daher wolle man darauf aufmerksam machen, was in dem Bundesland alles fehlen würde, wenn die AfD regiert. Auch im Internet und über Social Media könnte der MDR Sachsen-Anhalt dann keine „Angebote“ mehr verbreiten.

Richtig ist allerdings, dass der MDR in Sachsen-Anhalt weiterhin empfangbar wäre. Denn er ist eine Drei-Länder-Anstalt mit Sachsen und Thüringen. Nur das Regionalprogramm für Sachsen-Anhalt würde wegfallen.
Ludwig erklärte auch, dass eine Kündigung juristisch möglich sei. Dafür gebe es eine zweijährige Kündigungsfrist. Ab 2029 habe man dann „keinen Auftrag mehr“. Bis Ende 2028 müssten die Sachsen-Anhalter noch den Rundfunkbeitrag von aktuell 18,36 Euro im Monat entrichten.
Auf der Kampagnenseite des MDR wird allerdings behauptet, dass die Sachsen-Anhalter auch darüber hinaus Rundfunkbeitrag entrichten müssten: „Dieser Beitrag, wie er jetzt ist, ist nicht kündbar, weil er nicht auf einem Vertrag, der kündbar ist, beruht, sondern allein auf der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.“
Auch CDU und BSW richten sich gegen MDR
Was der MDR allerdings verschweigt, ist dass auch die CDU und das BSW den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Wahlkampfthema gemacht haben. Die Sendepausen-Aktion ist, so berichtet die Mitteldeutsche Zeitung, auch eine Reaktion auf deren Pläne. Das Blatt berichtet von einer internen Mail an die MDR-Mitarbeiter, in der auch auf die anderen beiden Parteien verwiesen werde. Der Intendant und die Kampagnenseite allerdings nennen nur die AfD.
Daher, so steht es in der Mail, sei es auch das Recht des MDR, mit Funkstille und Schwarzbild auf die Folgen dieser politischen Forderungen aufmerksam zu machen. Es gehe dabei auch um den Stolz auf die eigene Arbeit in den letzten drei Jahrzehnten. Die Aktion sei Ausdruck des eigenen Selbstbewusstseins.
Anstelle des MDR will die AfD in Sachsen-Anhalt einen „Grundfunk“ schaffen, denn ein öffentlich-rechtlicher Sender ist laut Verfassung vorgeschrieben, auch wenn die mögliche neue Regierung die Rundfunkstaatsverträge kündigt. Eine Doppelbelastung und damit eine weitere Bezahlung des Rundfunkbeitrages schloss Spitzenkandidat Ulrich Siegmund für die Sachsen-Anhalter aus. (fh)