Eines muss man der Linkspartei-Vorsitzenden Ines Schwerdtner lassen: Ehrlicher kündigt niemand an, was Berlin bevorsteht. Mit ihrer Partei in der Regierung werde vergesellschaftet, das sei „gar keine Frage“. Es spricht da jemand mit Sachkunde, keine Partei hat mehr Erfahrung mit staatlich gelenktem Wohnen. Die Linke ist rechtlich dieselbe juristische Person, die einst als SED firmierte.
Und die musste nicht mal enteignen. 1989 gehörten 41 Prozent aller DDR-Wohnungen Privaten; enteignet war „nur“ der Preis. Die Mieten blieben auf dem Stand von 1936 eingefroren, niemand hielt die Gebäude instand. Am Ende war eine halbe Million Wohnungen unbewohnbar.
Ruinen kennt Schwerdtner nur aus Erzählungen
Heute heißt der Hebel „Faire-Mieten-Modell“: 4,04 Euro je Quadratmeter, politisch gesetzt, die Entschädigung daraus rückgerechnet. Wie Berlin verwaltet, was es längst besitzt, habe ich als stellvertretender Vorsitzender des Beteiligungsausschusses im AGH jahrelang gesehen.
2024 versprachen die Landeseigenen 5.000 neue Wohnungen. Geliefert wurden 3.276. Man kann Frau Schwerdtner, Jahrgang 1989, anrechnen: Die Ruinen von damals kennt sie nur aus Erzählungen. Aber genau dafür gibt es Geschichte – man muss nicht dabei gewesen sein, um zu wissen, wie es endet. In Ruinen.
Marcel Luthe. Seit 2022 Vorsitzender der Good Governance Gewerkschaft.





