Kinder in einer Kita in Schwerin Foto: picture alliance/ dpa-Zentralbild
Anti-Rechts-Broschüre

Sachsens Kultusminister kritisiert Amadeu-Antonio-Stiftung

BERLIN. Die Kritik an der Anti-Rechts-Broschüre der Amadeu-Antonio-Stitung reißt nicht ab. Nach der Unionsfraktion im Bundestag hat sich nun auch das sächsische Kultusministerium von der vom Bundesfamilienministerium geförderten Handreichung „Ene, mene, muh – und raus bist du!“ distanziert. „Ich warne vor einem Einsatz der Broschüre an unseren Kitas“, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) laut einem Bericht der Bild-Zeitung .

„Ebenso wenig wie wir politische Gesinnungsschnüffelei an Schulen dulden, dürfen wir das an Kitas zulassen.“ Es sei inakzeptabel vom Äußeren der Kinder auf die politische Einstellung der Eltern zu schließen. „Wir leben in einem freien Land. Da kann es nicht sein, daß Erzieherinnen die politische Gesinnung von Eltern überprüfen und korrigieren sollen.“

Problem: Kleider und Zöpfe

Am Freitag hatte der stellvertretende Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, Falko Liecke (CDU), allen Kitas in seinem Zuständigkeitsbereich empfohlen, die Broschüre nicht zu verwenden, weil sie Vorurteile fördere. Es sei nicht Aufgabe von Erziehern, die politische Gesinnung der Eltern zu überprüfen. Die Unionsfraktion im Bundestag hatte am Donnerstag gefordert, die Handreichung einzustampfen. Die Broschüre wolle Vorurteile bekämpfen, vermittele dabei aber selbst solche, kritisierte die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Nadine Schön.

Wie die JUNGE FREIHEIT berichtete, sollen mit Hilfe der Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung „rechtspopulistische“ Eltern von Kita-Kindern enttarnt und ihnen Einhalt geboten werden. Verdächtig ist beispielsweise, wer sich gegen „Gender-Quatsch“ und „Frühsexualisierung“ ausspreche. Auch wenn man als Mutter dagegen sei, daß sich der Sohn in der Kita die Fingernägel lackieren lassen. Ein weiteres Beispiel geht um „Kinder aus völkischen Elternhäusern“. Diese erkenne man unter anderem so: „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt.“

Die Stiftung hat die Vorwürfe unterdessen zurückgewiesen. „Durch gezielte Auslassungen, falsche Zitierungen und gewollte Mißinterpretationen haben rechtspopulistische Alternativmedien den Eindruck erweckt, eine Handreichung zum Umgang mit konkreten Fällen von Rassismus und Rechtsextremismus wolle dazu anregen, die politische Einstellung der Eltern zu erfassen und zu kontrollieren“, schrieb die Stiftung auf ihrer Internetseite. (tb)

Kinder in einer Kita in Schwerin Foto: picture alliance/ dpa-Zentralbild

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

aktuelles

All articles loaded
No more articles to load