Publikation der Amadeu-Antonio-Stiftung

Union fordert Anti-Rechts-Broschüre einzustampfen

BERLIN. Die Union im Bundestag hat eine Anti-Rechts-Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung scharf kritisiert. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nadine Schön (CDU) forderte, die Handreichung „Ene, mene, muh – und raus bist du!“ sofort einzustampfen. „Die Broschüre enthält absurde Fallbeispiele und Vorschläge. So wird erklärt, woran ‘gefährdete’ Kinder aus ‘völkischen Familien’ erkannt werden können. Zum Beispiel daran, daß Mädchen Zöpfe und Kleider tragen und daheim zu Haus- und Handarbeiten angeleitet werden“, sagte die CDU-Abgeordnete.

„Eine Broschüre, die Vorurteile bekämpfen will, vermittelt selbst welche.“ Zudem fixiere sich die Handreichung einseitig nur auf rechtsextremistische oder rechtsradikale Elternhäuser. Daß auch von linksextremistischen Eltern Gefahren ausgehen könnten, komme den Verfassern hingegen nicht in den Sinn. Das Heft sei quasi eine staatliche Handlungsanweisung zur Elternspionage und passe nicht zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Schön forderte daher: „Bitte sofort einstampfen!“

Mädchen mit Zöpfen und Kleid verdächtig

Wie die JUNGE FREIHEIT berichtete, sollen mit Hilfe der Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung „rechtspopulistische“ Eltern von Kita-Kindern enttarnt und ihnen Einhalt geboten werden. Verdächtig ist beispielsweise, wer sich gegen „Gender-Quatsch“ und „Frühsexualisierung“ ausspreche. Auch wenn man als Mutter dagegen sei, daß sich der Sohn in der Kita die Fingernägel lackieren lasse. Ein weiteres Beispiel geht um „Kinder aus völkischen Elternhäusern“. Diese erkenne man unter anderem so: „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt.“

Scharfe Kritik an der Handreichung kam auch vom familienpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Markus Weinberg (CDU). „Die in dieser Broschüre empfohlenen Methoden wecken Erinnerungen an Zeiten in Deutschland, in denen nur eine einzige politische Einstellung opportun oder geduldet war und Kinder gegen ihre Eltern ausgespielt wurden“, sagte er dem Focus.

Gefördert wurde die Broschüre auch mit Geldern des Bundesfamilienministeriums. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) steuerte sogar ein Vorwort bei. Darin mahnt sie, wie wichtig es sei, „die frühkindliche Bildung demokratisch zu gestalten“. Auf welche Summe sich die staatliche Förderung der Broschüre belief, konnte ein Sprecher des Familienministeriums Anfang November auf Nachfrage der JF noch nicht sagen.

Staatliche Fördermillionen

Eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Stephan Brander ergab nun aber, daß für die Erstellung der Publikation 4.600 Euro veranschlagt wurden. Das ist jedoch nur ein Bruchteil der staatlichen Fördergelder, die die Amadeu-Antonio-Stiftung jedes Jahr erhält. Allein vom Bundesfamilienministerium bekam die Stiftung im vergangenen Jahr 967.000 Euro.

Weitere Geldgeber sind das Bundesinnenministerium sowie die Bundeszentrale für politische Bildung. Hinzu kommen Förderungen aus den Haushaltstöpfen der Länder und Kommunen. Allein für das Thema „Rechtsextremismus und Gender“ akquirierte die Stiftung 2017 Bundesmittel in Höhe von 300.000 Euro.

Es ist nicht das erste Mal, daß die Union sich an der Amadeu-Antonio-Stiftung stört. 2016 protestierte die Partei dagegen, daß sie in einem Projekt der Stiftung in eine Reihe mit „Neonazis und Rechtspopulisten“ gestellt wurde. (krk)

Unionsfraktions-Vize Nadine Schön (CDU) / kritisierte Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung Foto: picture alliance/Ralf Hirschberger/dpa / Broschüre/Amadeu-Antionio-Stiftung / JF-Montage

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