Demonstration gegen Abtreibung
Demonstration gegen Stuttgarter Abtreibungsklinik Foto: picture alliance/dpa

Stuttgart
 

AfD und Christdemokraten demonstrieren gegen Abtreibungsklinik

Nur unter Polizeischutz konnte am Freitagabend eine vom „Pforzheimer Kreis“ in der AfD und von den „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) initiierte Protestkundgebung vor dem Stuttgarter Rathaus gegen den Weiterbetrieb der Klinik des Abtreibungsmediziners Friedrich Stapf in der baden-württembergischen Landeshauptstadt stattfinden. Rund hundert Lebensschützer demonstrieren auf dem Marktplatz gegen den Umzug der wohl größten Abtreibungseinrichtung des Bundeslandes in neue Räume.

Zeitweise bis zu zwei Dutzend meist linksextreme Gegendemonstranten, angeführt von einem „Antifaschistischen Aktionsbündnis“ und der Grünen Jugend, versuchten, die Redner mit Parolen, Pfiffen und Beleidigungen niederzubrüllen. Einsatzkräfte der Polizei mußten mehrmals eingreifen, um gewalttätige Übergriffe der linken Abtreibungsbefürworter zu verhindern. Die Einsatzleitung erlaubte den linken Demonstranten, bis auf wenige Meter an die Lautsprecheranlage heranzurücken und Redner und Kundgebungsteilnehmer mit „Halt die Fresse!“-Sprechchören zu attackieren.

Kritik an „pro familia“

Die Kundgebungsredner appellierten an Gemeinderat und Verwaltung der Stadt Stuttgart, Stapf die weitere Ausübung seines Handwerks nicht zu ermöglichen und der Nutzungsänderung der von ihm anvisierten Räumlichkeiten nicht zuzustimmen. AfD-Stadtrat Heinrich Fiechtner, Inhaber einer Onkologie-Praxis, kritisierte die bevorzugte Behandlung des Abtreibungsmediziners durch die Politik. Die Stadt habe „wichtigere Aufgaben, als beim Gewerbe der vorgeburtlichen Kindstötung helfend dem Tötenden unter die Arme zu greifen. Wo ist die Hilfe der Stadt, des Staates für das Leben?“

Die Buchautorin und südbadische AfD-Politikerin Martina Kempf verwies darauf, daß zwei Drittel der abtreibenden Frauen von ihrem Umfeld zu diesem Schritt genötigt würden und dafür mit schweren Traumata bezahlten. Der Stuttgarter AfD-Stadtrat Eberhard Brett wandte sich ebenfalls an die Kundgebungsteilnehmer. Kempf, Fiechtner und Brett gehören dem „Pforzheimer Kreis“ an, einer christlichen Plattform innerhalb der Alternative für Deutschland.

Der CDL-Landesvorsitzende Josef Dichgans betonte das Lebensrecht der in den Stapf-Kliniken abgetriebenen Kinder, das vom Gesetzgeber geschützt werden müsse. Weitere Redner waren unter anderem Pater Michael Ramm von der katholischen Petrus-Bruderschaft und ein Vertreter der Organisation „Kaleb“. Scharfe Kritik übten Sprecher und Demonstranten an der Organisation „pro familia“ und an der einseitigen Unterstützung der „Abtreibungsindustrie“ durch Politik und Medien, die den Protest der Abtreibungsgegner als „Haßkampagne“ diffamiert hätten.

Schätzungsweise 50.000 Abtreibungen seit Bestehen

Mehrere Redner warfen dem 68jährigen Klinikbetreiber Friedrich Stapf vor, in seinen beiden Einrichtungen in München und Stuttgart ungeborenes Leben in der Dimension einer Großstadt ausgelöscht zu haben. In seiner Klinik in der Stuttgarter Türlenstraße werden nach eigenen Angaben jährlich 2.200 vorgeburtliche Kindstötungen durchgeführt, rund ein Fünftel aller Abtreibungen in ganz Baden-Württemberg. In den rund zwanzig Jahren ihres Bestehens wird die Gesamtzahl der vorgenommenen Abtreibungen auf fast 50.000 geschätzt.

Stapf muß seine Praxisräume zum Jahresende verlassen, weil er eine Frist zur Verlängerung seines Mietvertrags versäumt hatte. Trotz Unterstützung von Stadt und Land war seine geheimgehaltene Suche nach neuen Räumen lange erfolglos geblieben, bis Stapf sich offenbar mit den Betreibern des „Maybach-Centers“ einigen konnte. In dem Gewerbebau im Norden der Stadt, in dessen Nachbarschaft sich die Versammlungshalle des evangelisch-freikirchlichen „Gospel-Forums“ und die Marienkirche der Pius-Bruderschaft befinden, ist auch ein Hotel untergebracht.

Durch Recherchen des Informationsdienstes „Privat-Depesche“ war der geplante neue Standort der Stapf-Einrichtung schon vor Vertragsunterzeichnung und Abschluß des behördlichen Genehmigungsverfahrens bekanntgeworden. Abtreibungsgegner hatten sich daraufhin zu einem Protestbündnis formiert, die Eigentümer und Politik mit unangenehmen Fragen konfrontierten. (JF)

Demonstration gegen Stuttgarter Abtreibungsklinik Foto: picture alliance/dpa
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