MÜNCHEN. Bundesaußenminister Johann Wadephul hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz neue Erkenntnisse im Fall des verstorbenen russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny bekannt gegeben. „Seine sterblichen Reste enthielten ein besonders starkes Nervengift, Epibatidin, dessen Wirkung 200mal so stark ist wie Morphium“, sagte der CDU-Politiker. Zuerst hatte der Spiegel darüber berichtet.
Wadephul und seine Amtskollegen aus Großbritannien, Schweden, Frankreich und den Niederlanden beschuldigen den russischen Staat um Machthaber Wladimir Putin, den Kremlkritiker umgebracht zu haben. Einzig die russischen Behörden hätten die Möglichkeiten, die Mittel und das Motiv gehabt, die Vergiftung durchzuführen, unterstrich der deutsche Außenminister.
Europäer wollen Kreml zur Rechenschaft ziehen
Seine britische Amtskollegin Yvette Cooper machte deutlich: „Wir zeigen unsere Entschlossenheit, den Kreml und die russische Regierung zur Rechenschaft zu ziehen.“ In Anlehnung an einen Leitspruch Nawalnys forderte sie: „Wir müssen das tun, was sie fürchten: die Wahrheit zu berichten und zu verbreiten.“
Die Bundesregierung, Schweden, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien wollen die neuen Erkenntnisse nun an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) weiterleiten. Diese werde dann weitere Schritte unternehmen, kündigte der niederländische Außenminister David van Weel an. Wie die neuen Erkenntnisse genau ermittelt wurden, machten Wadephul und seine Kollegen bislang nicht publik.
Witwe: „Putin hat meinen Mann getötet“
Die Witwe des Kremlkritikers, Julia Nawalnaja, sagte in München: „Wladimir Putin hat meinen Mann getötet mit Hilfe einer chemischen Waffe.“ Daß der russische Präsident dazu in der Lage sei, wußte man zwar schon zuvor. Doch nun gebe es „wissenschaftliche Beweise“.
Alexej Nawalny war vor zwei Jahren, am 16. Februar 2024, in einem russischen Strafgefangenenlager unter ungeklärten Umständen gestorben (JF berichtete). Die russischen Behörden gaben eine natürliche Todesursache an. Inhaftiert worden war er offiziell wegen der Gründung und Finanzierung einer extremistischen Organisation und wegen Wiederbelebung von „Nazi-Ideologie“. (dh)






