Mit seinem lockeren Erzählstil wirkt wie ein guter Freund, der über sein Wochenenderlebnis plaudert. Doch der Ex-CIA-Agent schildert nicht, welchen Fisch er zuletzt gefangen hat, sondern welche al-Qaida-Terroristen ihm ins Netz gegangen sind und was er über den Irankrieg denkt. „In all meinen CIA-Jahren, egal wer Israel regierte, kamen sie zu uns und baten: ‘Helft uns, den Iran anzugreifen! Bitte!’ Jeder Präsident lehnte ab – bis zu diesem“, offenbart Kiriakou in einem Interview über Donald Trump.
Als scharfer Kritiker der US-Außenpolitik sieht der ehemalige Agent den aktuellen Konflikt als von Israel getrieben. Jetzt fürchtet er mangels Rückzugsstrategie eine ähnliche Katastrophe wie im Irak oder in Afghanistan – nur größer und teurer für die gesamte Welt. Interviewausschnitte des griechischstämmigen US-Amerikaners rasen auf Instagram in Endlosschleifen über die Bildschirme von Millionen Nutzern und machten Kiriakou „über Nacht“ berühmt, wie er selbst verblüfft feststellt.
Eigentlich fühlt sich der ehemalige Spion den USA treu verbunden. „Ich habe an das System geglaubt, heute tue ich das nicht mehr“, bedauert Kiriakou. Grund sind auch Repressionen, nachdem der Whistleblower 2007 als erster US-Beamter systematische Folter an Gefangenen öffentlich machte.
Kiriakou: „Ich habe an die USA geglaubt“
Einem größeren Publikum wurde Kiriakou im Oktober bekannt, als er beim reichweitenstärksten Podcaster der Welt, Joe Rogan, zu Gast war. Seither folgten zahlreiche Auftritte bei anderen Podcastern und Medien wie dem britischen Digitalverlag LADbible oder dem Business Insider mit jeweils Millionen Zuschauern. Im Plauderton erzählt der 61jährige thrillerreife Geschichten aus dem Nähkästchen der Geheimdienste.
Sein Werdegang im Auslandsnachrichtendienst begann 1990 an der George-Washington-Universität. Von seinem Professor rekrutiert, der selbst ein verdeckter CIA-Offizier war, stieg Kiriakou als Analyst für den Nahen Osten rasch auf. Er leitete nach den Anschlägen vom 11. September die Anti-Terror-Operationen in Pakistan und kommandierte mehrere Razzien gegen Al-Qaida-Unterschlupfe. Als die CIA anbot, ihn in „erweiterte Verhörmethoden“ einzuweisen, lehnte Kiriakou laut eigenen Angaben „aus moralischen Gründen“ ab. Stattdessen machte er Foltermethoden wie das Waterboarding, das Einsperren in Kältezellen und forcierten Schlafentzug durch Lärmterror publik. „Ich konnte nachts nicht schlafen, weil ich wusste, dass dies in unserem Namen geschah.“
Dafür verbrachte Kiriakou zweieinhalb Jahre im Gefängnis. Seine Pensionsansprüche wurden gestrichen, die Familie geriet in finanzielle Not, und seiner zweiten Frau, einer CIA-Analystin, wurde gekündigt. Auch seine erste Ehe hielt seiner Tätigkeit als Geheimdienstler nicht stand. „So geht es den meisten in der Branche“, meint der CIA-Dissident. Nach seiner Haftentlassung startete Kiriakou neu, schrieb mehrere Bücher und gründete den Podcast „Deep Focus with John Kiriakou“. Er kennt die Brandherde im Nahen Osten, hauste in ratten- und kakerlakenverseuchten Unterkünften „an den schlimmsten Orten der Welt“, wie er Länder wie den Jemen bezeichnet. Heute zählt „der widerwillige Spion“, wie Kiriakou sich nennt, zu den gefragtesten Kommentatoren rund um Geheimdienste und Geopolitik.







