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Panzerhaubitzen, Raketenwerfer und Ausrüstung: Welche Waffenlieferungen gingen bereits an die Ukraine?

Panzerhaubitzen, Raketenwerfer und Ausrüstung: Welche Waffenlieferungen gingen bereits an die Ukraine?

Panzerhaubitzen, Raketenwerfer und Ausrüstung: Welche Waffenlieferungen gingen bereits an die Ukraine?

Auch die Panzerhaubitze 2000 gehört zu den Waffenlieferungen an die Ukraine
Auch die Panzerhaubitze 2000 gehört zu den Waffenlieferungen an die Ukraine
Auch die Panzerhaubitze 2000 gehört zu den Waffenlieferungen an die Ukraine Foto: picture alliance/dpa | Daniel Löb
Panzerhaubitzen, Raketenwerfer und Ausrüstung
 

Welche Waffenlieferungen gingen bereits an die Ukraine?

Häufig wird in den Medien und auf diplomatischer Ebene der Vorwurf erhoben, Deutschland würde zu wenige Waffen an die Ukraine liefern, um die russische Invasion abzuwehren. Ein detaillierter Blick auf die bisher geleisteten militärischen Systeme und Güter zeigt jedoch, daß Deutschlands Hilfe in diesem Bereich bereits substanziell ist. Der Eindruck entsteht also höchstwahrscheinlich eher durch die zögerliche und unentschiedene Haltung der Bundesregierung, die wie immer im Fahrtwasser Washingtons fährt und keine „Alleingänge“ machen will.

Da neben einer russischen Teilmobilmachung nun von US-amerikanischer Seite auch moderne Kampfpanzer „auf dem Tisch“ liegen, lohnt sich ein genauer Blick in das Tableau der bisherigen Waffenlieferungen durch westliche und nicht-westliche Länder an die Ukraine. Dabei zeigt sich vor allem bei den USA, daß die Amerikaner bisher noch nicht ernsthaft damit begonnen haben, die Ukraine mit Waffen auszustatten, wie sie es theoretisch könnten. Es ist Washington, nicht Rußland, das mit angezogener Handbremse in diesem Krieg fährt.

Die öffentliche Auflistung der Bundesregierung der gelieferten militärischen Unterstützungsleistungen an die Ukraine ist bis auf als geheim eingestuften Güter wahrscheinlich vollständig. Was dort fast selbstverständlich fehlt, sind die Millionen Euro an Finanzhilfen und die anhaltende humanitäre Unterstützung, die für die zivile Logistik der Ukraine unerläßlich bleibt.

Die Liste der Waffenlieferungen ist lang

Ein nüchterner Blick auf die Waffenlieferungen zeigt jedoch, daß Deutschland durchaus beachtliches und vor allem viel modernes und gutes Material verschickt hat. Neben den bekannten und extrem leistungsfähigen Panzerhaubitzen 2000, von denen bald 14 in der Ukraine sein werden, lieferte Deutschland auch (Stand: 21. September 22) 30 Flakpanzer vom Typ „Gepard“ inklusive Munition. Der gilt unter Experten als starkes Waffensystem, das laut ukrainischen Meldungen den Einsatz der russischen Luftwaffe in der Ukraine erschwert. Auch weitere Mars II Raketenwerfer, die den US-amerikanischen Himars ähneln, sind bereits in der Ukraine und weitere Systeme sollen folgen. Hinzu kommen nun gepanzerte Radfahrzeuge vom Typ „Dingo“, die sowohl ballistischen Schutz als auch Minenschutz haben und sich in Einsätzen der Bundeswehr vielfach bewährt haben.

 Die Liste der Waffenhilfe an die Ukraine durch Deutschland endet damit jedoch nicht. Berlin lieferte Schlafsäcke, medizinische Kits, Schießbrillen, Fernsprechgeräte, Drohnenabwehrgeräte, Ferngläser, Kraftstoff, MiG-29 Ersatzteile, Hunderte Fahrzeuge (SUVS, Pick-Ups), Panzerfäuste, Bunkerfäuste, Bergepanzer, Minenräumgerät, Handwaffen sowie Millionen Schuß an Munition, Hunderttausende Handgranaten und vieles, vieles mehr.

Die deutsche Industrie hat bereits angeboten, alte „Leopard 1A5“ Panzer und „Marder“ Schützenpanzer zu liefern, die sich noch in Lagerbeständen befinden und wieder kampftauglich gemacht werden können. Daß die deutsche Bundesregierung und das Bundesministerium der Verteidigung hier blockierten, begründete man dort zunächst mit der langen Ausbildungszeit, ehe man sich darauf zurückzog, Washington müsse bei der Lieferung von Kampf- und Schützenpanzern den ersten Schritt gehen. Der Vorwurf, „Marder“ und „Leopard 1A5“ seien lediglich nutzloses Altmetall, das die Bundeswehr nicht mehr verwenden würde, stimmt freilich nicht. Beides sind erprobte Waffensysteme.

USA sind bei Waffenlieferungen bislang zurückhaltend

In den ersten Kriegsmonaten erwies sich als glücklicher Umstand für die Ukraine, daß Nachbarländer wie Polen, Litauen, Estland und viele der anderen ehemaligen Satellitenstaaten Moskaus noch erhebliche Materialreserven aus dem Kalten Krieg eingelagert hatten. Polen tat sich hier mit der Abgabe von T-72 Panzern und Unmengen weiterer Systeme besonders hervor. Aber selbst kleinere Länder wie Bulgarien, die fast gänzlich von russischem Gas abhängig sind, scheinen Wege gefunden zu haben, wie ehemaliges Kriegsmaterial des Warschauer Paktes über benachbarte Länder den Weg in die Ukraine findet. Die Tatsache, daß die Ukrainer mit dem alten Material vertraut sind, hilft bei der Übernahme und gibt ihnen auch Vorteile bei der Wartung und Instandsetzung.

Aber nicht nur die ehemaligen Staaten des Ostblocks liefern, was sie an Altbestand haben. Auch die USA haben anders als behauptet, ihre materiellen Reserven bezüglich alter, eingelagerter Waffensysteme, bisher kaum angerührt. Die Meldung, daß dem Westen „die Munition“ ausgehe, mag für Länder wie Belgien, Deutschland oder andere gelten, die in den vermeintlich friedlichen Jahren nach 1991 die Friedensdividende eingestrichen und das Militär systematisch abgebaut haben.

Die USA hingegen haben laut offiziell bekannten Zahlen noch nicht einmal wirklich damit angefangen, die Ukraine hochzurüsten, wie sie eigentlich könnten. So lagern nicht nur im Sierra Army Depot, sondern auch überall in den USA und Europa bis zu 3.000 Abrams-Kampfpanzer ein, die normalerweise für die Reserve, Nationalgarde und für den Fall eines großen Krieges bereitgehalten werden. Neben den bereits in der Ukraine eingesetzten M113-Transportfahrzeugen und den bekannten Humvees aus US-amerikanischer Produktion, stehen ausgemusterte, aber erprobte und einsatztaugliche M109 Panzerhaubitzen ebenfalls noch in den Depots des Pentagon. Es ist also noch genug Material für Waffenlieferungen vorhanden.

Russen plündern ihre alten Depots

Die Zahl der noch lieferbaren Systeme dürfte in den fünfstelligen Bereich gehen. Denn die Amerikaner würden nur eine niedrige zweistellige Prozentzahl ihrer Gesamtbestände an Militärfahrzeugen der Ukraine zur Verfügung stellen.

Der von der Welt im eigenen Videoformat als Militärexperte angepriesene Journalist Guido Schmidtke behauptete im April, die Russen führen „noch mit angezogener Handbremse“ in diesem Krieg. Diese Einschätzung mag stimmen oder nicht. Aber ziemlich sicher dürfte sein, daß die US-Amerikaner definitiv das Gaspedal noch nicht durchgetreten haben und längst nicht das geliefert haben, was sie relativ schmerzlos immer noch abgeben könnten.

Rußland, das nun zumindest offiziell in Teilen mobil macht, scheint enorme Anstrengungen zu unternehmen, um in der Ukraine zerstörte Ausrüstung durch Plündern der alten Depots und durch das Heranbringen teils 60 Jahre alter Panzer zu ersetzen. Wahrscheinlich ist, daß auch die Amerikaner hier einen langen Atem haben werden.

Auch die Panzerhaubitze 2000 gehört zu den Waffenlieferungen an die Ukraine Foto: picture alliance/dpa | Daniel Löb
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