Österreich

Streit um Ho-Chi-Minh-Statue in Wien

WIEN. Die Stadt Wien hat die geplante Aufstellung einer Ho-Chi-Minh-Statue im Wiener Donaupark vorläufig gestoppt. Die Entscheidungsgrundlagen würden einer Prüfung unterzogen, sagte eine Sprecherin nach einem Bericht der Kronen-Zeitung. Für die Zukunft sollen Richtlinien ausgearbeitet werden, um zu verhindern, daß künftig Denkmäler „unabhängig von ihrem ästhetischen oder kulturhistorischen Wert und Wienbezug“ errichtet werden können.

Zuvor hatten FPÖ und ÖVP die Pläne kritisiert. „Eigentlich müßte sich nun Kulturminister Drozda lautstark zu Wort melden und gegen die Aufstellung einer Statue zu Ehren des kommunistischen Massenmörders Ho Chi Minh im Wiener Donaupark auftreten“, sagte der 3. Nationalratspräsident und ehemalige Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer. ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter sprach von einem „schlechten Faschingsscherz“.

Rachefeldzug von Exilvietnamesen?

Die Initiative geht zurück auf die „Gesellschaft Österreich-Vietnam“. Ihr Präsident, der frühere Außenminister Peter Jankowitsch (SPÖ), rechtfertigt das Vorhaben mit dem 45. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem kommunistischen Land. „Darum plant die vietnamesische Regierung verschiedene Dinge. Eine Idee war, daß sie Wien eine Büste schenkt“, sagte Jankowitsch der Zeitung Die Presse.

Den Vorwurf, Ho Chi Minh sei ein Massenmörder gewesen, ließ Jankowitsch nicht gelten. „Da könnte man auch sagen, US-Präsident Lyndon B. Johnson war ein Massenmörder, weil er den Vietnamkrieg geführt hat.“ Die Vorwürfe seien Teil eines Rachefeldzugs von Exilvietnamesen.

Für das Vorhaben gibt es offenbar bereits eine Genehmigung des Stadtgartenamts. Die Kosten trägt die vietnamesische Regierung. Nach Fertigstellung soll das Bauwerk in das Eigentum der Stadt Wien übergehen, die dann für Pflege und Unterhalt aufkommen soll.

Zehntausende Oppositionelle ermordet

Hofer sieht die Person Ho Chi Minh hingegen „geschichtlich belastet“ und wundert sich, warum der sozialdemokratische Kulturminister zwar Anstrengungen unternehme, den Heldenplatz wegen dessen angeblicher historischer Vorbelastung umzubenennen, er aber keine Einwände gegen die Ho-Chi-Minh-Büste habe. Im Donaupark steht bereits eine Statue des kubanischen Kommunistenrevolutionärs Che Guevara.

Dem früheren vietnamesischen Präsidenten wird die Tötung von Zehntausenden vietnamesischen Oppositionellen – darunter viele Landbesitzer und Christen – vorgeworfen. Manche Schätzungen gehen gar von mehreren hunderttausend Opfern aus. Allein vor dem amerikanischen Einmarsch in Südvietnam 1965 gehen nach Meinung von Historikern mindestens 10.000 willkürliche Exekutionen auf sein Konto. (tb)

Ho-Chi-Minh-Büste in Hanoi: Freiheitskämpfer für die einen, Massenmörder für die anderen Foto: picture alliance / AP Images

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