Sicherheitskräfte nach den Anschlägen in Paris Foto: picture alliance/dpa
Frankreich

Über hundert Tote bei Anschlägen in Paris

PARIS. Bei mehreren Anschlägen sind in Paris am Freitag Abend mindestens 120 Menschen getötet worden. Es gab Schießereien und mehrere Explosionen, berichten verschiedene Nachrichtenagenturen. Die Zahl der Toten könnte sich noch erhöhen. Zahlreiche Opfer schweben in Lebensgefahr.

Vieles deutet derzeit auf einen islamistischen Terroranschlag hin. Es sollen Rufe wie Allahu Akbar und „das ist für Syrien“ ertönt sein. Auf islamistischen Internetseiten werden die Anschläge gefeiert. Es handelt sich offenbar um eine koordinierte Anschlagsserie. Die Attentate fanden zeitlich an mindestens sechs Orten in der französischen Hauptstadt statt. In den meisten Fällen handelte es sich um Selbstmordattentäter, die sich in die Luft sprengten.

Polizei stürmte Theater

Der schlimmste Anschlag ereignete sich im Bataclan-Theater. Hier stürmten mindestens vier Bewaffnete ein Konzert und eröffneten mit automatischen Waffen das Feuer auf die Besucher. Dabei riefen sie Allahu Akbar und daß Frankreichs eingreifen in den Syrien-Krieg der Grund für die Tat sei.

Eine Geislenahme in dem Theater wurde von der Polizei beendet. Sicherheitskräfte stürmten das Bataclan. Dabei soll es auch zu weiteren Explosionen gekommen sein. Zeitgleich ereigneten sich mehrere Anschläge an weiteren Orten in Paris, einige davon in der Nähe des Bataclan-Theaters. Bei den Attacken auf verschiedene Restaurants wurden ebenfalls dutzende Menschen getötet.

Laut Polizei starben auch mindestens acht Angreifer, der großteil von ihnen durch Selbstmordattentate. Derzeit prüfen die Sicherheitsbehörden, ob sich noch einige der Attentäter oder deren Komplizen auf freiem Fuß befinden.

Hollande verhängt Ausnahmezustand

Beim Länderspiel Frankreich-Deutschland schickte die Polizei die Zuschauer nach der Partie wieder ins Stadion, weil für deren Sicherheit nicht garantiert werden konnte. Offenbar gab es auch Explosionen in der Nähe des Stadions de France, in dem sich sowohl Frankreichs Präsident François Hollande und Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier aufhielten.

Hollande verhängte als Reaktion auf die Anschläge den Ausnahmezustand. Auch ließ er die Grenzen schließen und befahl den einsatz des Militärs zur Sicherung des Landes. Der französische Innlandsgeheimdienst gab bekannt, daß er bereits im August einen Anschlag auf ein Konzert vereitelt habe. Ein Verdächtiger, der sich zuvor in Syrien aufgehalten habe und dort für eine Attacke auf ein Konzert ausgebildet wurde, sei verhaftet worden.

„Es lebe die Republik, es lebe Frankreich“

Holland sprach von einer „furchtbaren Prüfung“, die sein Land erneut heimgesucht habe. „Wir wissen, von wo sie kommt – wer diese Verbrecher sind, wer diese Terroristen sind. Wir müssen auch in diesen so schwierigen Augenblicken Mitleid und Solidarität zeigen, und meine Gedanken sind bei den sehr zahlreichen Opfern, ihren Familien, bei den Verletzten.“ Frankreich müsse gegenüber dem Terror stark und groß sein.

„Wir müssen an die Verantwortlichkeit aller appellieren. Was die Terroristen wollen, ist uns Angst zu machen – dass uns das Entsetzen befällt. Man kann tatsächlich Angst haben, Entsetzen haben. Aber gegenüber dem Entsetzen gibt es eine Nation, die sich zu verteidigen weiß, die ihre Kräfte mobilisieren kann, und die einmal mehr die Terroristen besiegen wird.“ Hollande schloß seine Rede mit den Worten: „Es lebe die Republik, es lebe Frankreich.“ (krk)

Sicherheitskräfte nach den Anschlägen in Paris Foto: picture alliance/dpa

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