Beji Caid Essebsi
Der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi besucht Opfer des Anschlags im Krankenhaus Foto: picture alliance / dpa

19 Tote
 

Nach Terroranschlag: Tunesien kündigt Vergeltung an

TUNIS. Der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi hat nach einem mutmaßlich radikalislamischen Anschlag einen „gnadenlosen“ Kampf gegen die Täter angekündigt. Tunesien werde „bis zum letzten Atemzug“ gegen seine Feinde vorgehen, sagte der Staatschef in einer Fernsehansprache am Mittwoch. „Diese barbarische Minderheitengruppe wird uns nicht ängstigen, und der Kampf gegen sie wird andauern, bis sie vernichtet ist“, zitiert die Welt aus der Rede.

Der gestrige Anschlag auf das Nationalmuseum von Bardo in Tunis hat mindestens 19 Opfer gefordert. Die meisten davon waren ausländische Touristen. Erste Meldungen, nach denen sich neben mehreren Japanern, Italienern, Spaniern, Franzosen und Polen auch ein Deutscher unter den Toten befinden soll, wurden mittlerweile dementiert. Mehr als vierzig weitere Personen wurden verletzt. Nach offiziellen Angaben eröffneten um die Mittagszeit mehrere mit Sturmgewehren bewaffnete Attentäter auf dem Vorplatz des Museums wahllos das Feuer auf die Besucher.

Erinnerungen an Djerba werden wach

Eine anschließende Geiselnahme im Museum wurde von tunesischen Sicherheitskräften beendet. Dabei starben zwei Attentäter und ein Polizist. Nach weiteren zwei bis drei Terroristen wird derzeit gesucht. Das in unmittelbarer Nähe gelegene tunesische Parlament wurde evakuiert. Zum Zeitpunkt des Anschlags hielten sich rund hundert Besucher im Museum auf. Viele Touristen kamen von dem Kreuzfahrtschiff „Costa Fascinosa“. Die Reederei Costa Crociere gab an, noch ein Dutzend Passagiere zu vermissen.

Derzeit ist unklar, wer für das Attentat verantwortlich ist. Bei einem Brandanschlag auf Djerba im April 2002 kamen 19 Touristen ums Leben, darunter vierzehn Deutsche. Damals bekannte sich Al-Kaida zu der Tat, die teilweise von Deutschland aus geplant worden sein soll. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Tunesien. Durch die verhältnismäßig stabilen Verhältnisse wurde es in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Reiseländer Nordafrikas. (FA)

Der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi besucht Opfer des Anschlags im Krankenhaus Foto: picture alliance / dpa
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