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Interview
 

„Die Ereignisse in England sind ein Menetekel“

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Brennender Transporter in Nottingham
Weissmann
Karlheinz Weißmann: „Vorboten der ‘kommenden Anarchie’“ Fotos: Flickr/Nottinghack; JF

Herr Dr. Weißmann, haben wir es in England mit Rassenunruhen zu tun?

Weißmann: Wir haben es auch mit Rassenunruhen zu tun. Daß diese „riots“ in Tottenham begannen und sofort auf Birmingham und Nottingham übersprangen, folgt ja einer Logik, die man aus der Vergangenheit kennt, als es noch keine politisch-korrekten Tabus gab, die es verboten, von Rassen und dann eben auch von Rassenunruhen zu sprechen.

Unter den Plünderern und Randalierern sind aber doch auch Weiße?

Weißmann: Deshalb sagte ich, es sind auch Rassenunruhen. Selbstverständlich gibt es in der britischen Klassengesellschaft nicht nur eine schwarze, arabische oder asiatische Unterschicht, sondern auch eine weiße, vor allem aber jenen „white trash“, der jederzeit bereit ist, sich am Krawall zu beteiligen und Beute zu machen.

„Das sind die Vorboten der ‘kommenden Anarchie’“

Was sind die Ursachen für die Ausschreitungen?

Weißmann: Man versucht es jetzt ja gerne mit „sozialen Unruhen“ oder „Jugendunruhen“, sogar damit, eine Verknüpfung zu den Auseinandersetzungen in Spanien oder Griechenland herzustellen. Aber letztere haben tatsächlich ziemlich konkrete, und das heißt vor allem wirtschaftliche, Ursachen. Das ist hier nicht der Fall. Meiner Meinung nach sind das die Vorboten der „kommenden Anarchie“, vor der Analytiker wie Robert Kaplan oder Martin van Creveld und selbstverständlich jeder Konservative seit langem gewarnt hatten.

Es gibt wenig, was so bezeichnend ist, wie die Hilflosigkeit der Bürger in den „guten“ Vierteln von London, die sich von der Polizei alleingelassen und dem Mob hilflos ausgeliefert sehen, der marodierend durch die Straßen zieht und in ihre Häuser eindringt.

Sehen Sie Parallelen zu den Unruhen in den französischen Banlieues von 2005?

Weißmann: Was den Zusammenhang von Auslöser und Erstreaktion angeht, ohne Zweifel, auch, was den fehlenden Respekt der jungen Farbigen gegenüber dem Staat, konkret: der Polizei, und der Eigentumsordnung betrifft, und die technisch gestützte Ausbreitung des Flächenbrands.

Müssen wir uns in Deutschland langfristig auch auf solche Auseinandersetzungen einstellen?

Weißmann: Selbstverständlich.

„Das 20. Jahrhundert endet erst jetzt“ 

Sind die Unruhen von England die Vorboten gravierender gesellschaftlicher Umbrüche in Europa?

Weißmann: Ja. Meiner Meinung nach endet erst jetzt – im Zeichen der großen welt- und weltwirtschaftspolitischen Veränderungen, des Umschlags der ethnischen Kräfteverhältnisse in Nordamerika und Europa, angesichts des vollendeten Liberalismus – das 20. Jahrhundert. Es war eine optische Täuschung, anzunehmen, daß es mit dem Untergang des Kommunismus vorbei war.

Der überlebende Westen hatte ja keinen Sieg aus eigener Kraft errungen. Was nach 1989 kam, war doch nichts Neues, sondern altes Denken. Dessen Voraussetzungen werden jetzt Stück für Stück erledigt. Und die Ereignisse in England sind ein Menetekel. 

Nach den Unruhen in Frankreich warnte das Institut für Staatspolitik (IfS) in der Studie davor, daß sich die durch Massenzuwanderung entstandenen ethnischen Konflikte in Europa verschärfen werden. Sehen Sie sich durch die Ereignisse bestätigt?

Weißmann: Ganz ohne Zweifel. Es gehört zu den wichtigen Aufgaben des IfS, sich mit den gesellschaftlichen Vorgängen aus konservativer Perspektive zu beschäftigen. Und da lagen wir gerade an diesem Punkt mit Analyse wie Prognose richtig. (krk)

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Dr. Karlheinz Weißmann (52), ist Historiker und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik. 

> Die IfS-Studie „Das hier ist Krieg“ als PDF-Download. 

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