Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Die englische Krankheit: Schweigen über die Ethnien

Die Details des Polizeieinsatzes, bei dem ein Londoner Krimineller erschossen wurde, sind bislang nur Spekulation. Sein Tod war wohl der Auslöser einer mittlerweile vier Tage andauernden Randale in einigen Stadtteilen Londons. Genau wie der Erschossene scheinen die meisten Randalierer schwarz zu sein. Dafür sprechen nicht nur die Aussagen eines Sprechers der British National Party, Simon Darby: „95 Prozent der Randalierer und Plünderer sind Schwarze. Unsere Hauptstadt entwickelt sich gerade zu einem ethnischen Schlachtfeld. Das mag sich übertrieben anhören, aber es ist die Wahrheit.“

Die Ethnie war bei den Krawallen relevant

Ein ähnlicher Eindruck ergibt sich auch beim Betrachten von stellt im Blog des konservativen Daily Telegraph fest, daß es bei den Krawallen um ethnische Fragen ging.

Sie kritisiert, daß die Hautfarbe eines Großteils der Randalierer in den englischen Medien verschwiegen wurde. Natürlich gilt das auch für die deutschen Medien. Die „Tagesschau“ spricht immerhin an, daß sich „junge Leute aller Hautfarben und sozialer Herkunft“ beteiligt hätten. Das ist zwar nicht so richtig gelogen, aber doch sehr irreführend. Denn weiße Kinder wohlhabender Eltern sind wohl die abenteuerlustige Ausnahme unter den Randalierern. Die Agenturen und großen Zeitungen schreiben meist von „gewaltbereiten Jugendlichen“. Aber „gewaltbereit“ und „jugendlich“ sind eben nicht ihre einzigen Attribute.

Begründeter Sachbezug

„Warum reitest Du denn so sehr darauf rum, daß die meisten Randalierer schwarz sind?“, könnte ein Diskussionspartner mich nun fragen. „Weil es so ist“, würde ich ihm antworten. Erstmal nicht mehr und nicht weniger. In den Richtlinien zu Ziffer 12 des Pressekodex steht: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.“ Wenn eine „black community“ sich – aus welchen Gründen auch immer – diskriminiert fühlt und nach dem Tod eines Schwarzen viele Mitglieder dieser „community“ zu randalieren beginnen, dann besteht dieser Zusammenhang nun mal. Das ist völlig unrassistisch.

Allerdings darf das Denken nicht bei dieser Feststellung aufhören. Wenn der Sprecher der British National Party von „Rassenunruhen“ spricht, dann stellt auch er die Situation verkürzt dar. Die Randalierer haben nämlich – so wie es scheint – nicht nur das Attribut „schwarz“ gemeinsam, sondern eben auch die Eigenschaften „jugendlich“, „arbeitslos“ und „perspektivlos“. Vermutlich sind wenig schwarze Studenten unter den Randalierern.

Ursachen passen nicht in Schubladen

Und auch an diesem Punkt sollte das Denken nicht aufhören. Denn „jugendlich“, „arbeitslos“ und „perspektivlos“ dürften in direkter Wechselwirkung mit dem Merkmal „Angehöriger einer Parallelgesellschaft“ stehen – womit wir wieder bei der Hautfarbe wären, denn Zusammenhalt definiert sich auch über die Kategorie „Ethnie“. In einigen Internet-Nachrichten ist die Aussage zu finden, daß die Londoner „black community“ es frustrierend fände, wenn regelmäßig Schwarze von der Polizei kontrolliert würden. Diese Frustration ist absolut und ohne Zweifel nachvollziehbar. Jeder andere wäre auch genervt und fühlte sich mitunter erniedrigt. Fragte man allerdings einen britischen Polizisten nach dem Grund der Kontrolle eines schwarzen Jugendlichen, dann würde er wohl sagen, daß die meisten Tatverdächtigen nun mal schwarze Jugendliche seien. Wir drehen uns im Kreis, weil wir mit der Aussage des Polizisten wieder bei „jugendlich“, „arbeitslos“ und „perspektivlos“ ankommen. Jedenfalls ist das Ergründen der Ursachen nicht einfach und kann in einem Blog nicht geleistet werden.

Die Ereignisse in der britischen Hauptstadt sind auch für Deutschland relevant. Warum sollten Krawalle wie in London oder in Paris vor einigen Jahren nicht auch in deutschen Großstädten denkbar sein? Daß der Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) dies bestreitet, ist wohl selbstverständlich und liegt in der Natur der Politik.

Frustrierte ethnische Minderheiten gibt es auch hierzulande

Doch auch in Deutschland gibt es frustrierte „communities“, die ihren Zusammenhalt nicht nur über „jugendlich“, „arbeitslos“ und „perspektivlos“ definieren, sondern auch über ihre Ethnie. Auch in Deutschland sind, wie in England und Frankreich, drei Dinge unwahrscheinlich: die baldige Assimilation eines Großteils aller Zuwanderer in die deutsche Aufnahmegesellschaft, das Schrumpfen der Zuwanderergesellschaften, die Abwanderung dieser Gesellschaften.

So ist es und so wird’s wohl bleiben. Damit muß umgegangen werden. Nicht nur von Freunden der multikulturellen Gesellschaft, sondern auch von allen anderen. Eigenschaften wie Alter, Sozialstatus, Schulbildung, Einkommen und so weiter spielen eine ebensolche Rolle wie die Herkunft und Ethnie. Und damit sei nicht gesagt, daß eine bestimmte Ethnie gewalttätiger sei als eine andere. Damit sei gesagt, daß die Herkunft einen relevanten Faktor für Zusammenhalt, Ab- und Ausgrenzung darstellt. Wie wir am Beispiel London ja sehen.

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