Reisch
Claus-Peter Reisch, der „Lifeline“-Kapitän, nach seiner Ankunft in München Foto: picture alliance/Matthias Balk/dpa
Flüchtlingshelfer und Asyldebatte

„Lifeline“-Kapitän: Seehofer ist ein Täter und gehört vor Gericht

MÜNCHEN Der Kapitän des Flüchtlingsschiffs „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, hat schwere Vorwürfe gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und die EU erhoben. Reisch traf am Montag vormittag in München ein, bestätigte ein „Lifeline“-Sprecher dem Evangelischen Pressedienst.

„Es ist beschämend, daß die EU mehr dafür tut, Seenotrettung zu verhindern, als gegen das Sterben im Mittelmeer“, teilte Reisch in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Weiter heißt es in dem Schreiben, daß Seehofer Menschen ertrinken lassen wolle, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. „Er ist ein Täter, er gehört vor Gericht, er muß zurücktreten“, empörte sich der Kapitän, der sich Ende des Monats wieder in Malta vor Gericht verantworten muß. Ihm wird vorgeworfen, ohne ordnungsgemäße Registrierung in maltesische Gewässer gefahren zu sein.

Aus Deutschland erhalten der Kapitän und seine Mannschaft unterdessen prominente Fürsprecher. So veröffentlichte die Musikgruppe „Die Ärzte“ eine Videobotschaft und sagte ihre Unterstützung zu. „Flüchtlingshelfer sind keine Schlepper“, betonten die Künstler.

 

Winkler: Flüchtlingshelfer sollen keine falschen Anreize schaffen

In der Debatte um die Grenz- und Asylpolitik mahnte der Historiker Heinrich August Winkler zu Vernunft und Differenzierung. Die EU müsse zwischen Migration und Asylanspruch unterscheiden. Keine Gesellschaft könne auf Dauer eine ungebremste Einwanderung aushalten.

„Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als gebe es ein allgemeines Menschenrecht, das da lautet: Wir wandern jetzt in einen Staat unserer Wahl ein“, sagte der 79 Jahre alte Historiker dem Deutschlandfunk. Zudem verpflichte die Rettung von Menschenleben nicht dazu, diese Personen auch nach Europa einwandern zu lassen.

An die Adresse der Flüchtlingshelfer sagte Winkler, es sei verantwortungslos, diesen Eindruck bei den Afrikanern zu erwecken. Zumal es nicht möglich wäre, daß in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien „die Menschenrechte für alle Welt“ verwirklicht würden. (ag)

Claus-Peter Reisch, der „Lifeline“-Kapitän, nach seiner Ankunft in München Foto: picture alliance/Matthias Balk/dpa

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