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Offener Brief: Lieber Herr Böhmermann, bald schaut nicht einmal mehr die Antifa zu

Offener Brief: Lieber Herr Böhmermann, bald schaut nicht einmal mehr die Antifa zu

Offener Brief: Lieber Herr Böhmermann, bald schaut nicht einmal mehr die Antifa zu

Steht im offenen Brief von Martin Wagener scharf in der Kritik: Jan Böhmermann. Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Steht im offenen Brief von Martin Wagener scharf in der Kritik: Jan Böhmermann. Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Steht im offenen Brief von Martin Wagener scharf in der Kritik: Jan Böhmermann. Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Offener Brief
 

Lieber Herr Böhmermann, bald schaut nicht einmal mehr die Antifa zu

In einem offenen Brief für die JF nimmt Martin Wagener ZDF-Agitator Jan Böhmermann auseinander. Er werde genauso geliebt wie einst Karl-Eduard von Schnitzler. In der aktuellen Sendung gab es mal wieder eine Menschenjagd.
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Lieber Herr Böhmermann,

was war das denn für eine Sendung am 24. April 2026? Seit Jahren werden gegen meinen Kollegen Prof. Dr. Stephan Maninger Vorwürfe erhoben. Gutachter haben ihn entlastet, intern ist alles geklärt, und an der Bundespolizeiakademie in Lübeck ist er längst wieder in der Lehre tätig. Nun wärmen Sie die Geschichte wie in einem schlecht geführten Restaurant noch einmal auf. Wollen Sie „Bewusstsein“ dafür schaffen, dass da angeblich ein „Rechtsextremer“ in staatlichen Diensten steht? Das langweilt doch mittlerweile sogar seine Vorgesetzten.

Dabei haben Sie so gut begonnen. Ganz gezielt hat Ihre Redaktion die Hintergründe der Auseinandersetzung ausgeblendet. Es gibt nämlich in Kollegenkreisen Personen, die Maninger nicht wohlgesonnen sind und die alles tun, um die Entfristung seiner Professur zu verhindern. Sie und Ihre Mitarbeiter wollten den Genossen helfen – ist doch klar. Da haben entlastende Details in einem Beitrag nichts zu suchen. Ausgewogenheit untergräbt jede gute Story und verhindert Klicks. Wer im medialen Circus Maximus arbeitet, der weiß, was er zu tun hat.

Was mich allerdings wundert: Wenn ein Professor zum Gegenstand einer kompletten Sendung gemacht wird, dann muss die Redaktion doch irgendetwas Handfestes gefunden haben. So wirklich aus der Deckung haben Sie sich nicht getraut. Lag die Zurückhaltung an einem Schreiben des Rechtsanwalts Prof. Dr. Ralf Höcker? Er hat einen Ruf wie Donnerhall und ließ Ihnen ja vorab ein paar zärtlich anmutende Zeilen zukommen: „Ihr ZDF-Magazin Royale ist zu einer Resterampe widerlichster Hinrichtungsberichterstattung verkommen. Sie werden früher oder später darüber stürzen.“ Die Höcker-Truppe dürfte während der Ausstrahlung sehnsüchtig auf den einen Verstoß gewartet haben, um den Fleischwolf des Presserechts anzuwerfen.

Böhmermann und die journalistische Präzision

Das wussten Sie, weshalb sich Ihr Team hat einschüchtern lassen. In der ganzen Sendung ging es mit den Vorhaltungen Richtung Maninger hin und her, vor und zurück. Sie standen offensichtlich unter Druck, weil ein weiterer schwerwiegender Fehler vielleicht sogar zur Einstellung des Sendeformats geführt hätte. Schämen Sie sich nicht, da sind Sie in bester Gesellschaft. Viele Deutsche haben heute Angst, in der Öffentlichkeit die eigene Meinung auszusprechen.

Am Ende Ihrer Sendung erweisen Sie dann auch noch mir die Ehre. Zuviel der Güte, ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Es war ein Genuss, diesem perfekten Spiel mit den Assoziationen der Zuschauer beizuwohnen. Natürlich wollten Sie nicht über die laufende Verfassungsbeschwerde berichten. Auch jene Passagen zweier Gerichtsurteile, die meine Verfassungstreue bestätigt haben, hätten letztlich nur gestört. Das nehme ich Ihnen nicht übel. Journalistische Präzision würde alles kaputt machen. Ihre Stammkundschaft möchte amüsiert und im Narrativ bestätigt werden. Lassen Sie sich da nicht beirren.

Auch der Autor des Briefes an Böhmermann wurde in der Sendung erwähnt: Martin Wagener. Foto: privat / Archiv
Auch der Autor des Briefes an Böhmermann wurde in der Sendung erwähnt: Martin Wagener. Foto: privat

Letztlich frage ich mich aber schon: Was ist mit Ihnen los? Drückt die Seelenlast? Ist vielleicht Harald Schmidt für innere Narben verantwortlich? Mit ihm werden Sie ja immer wieder verglichen. Es war wirklich unmöglich, was er dereinst sagte: „Ich wusste, dass er es als Moderator nie schaffen wird. Aber [er wird es] als Krawallschachtel weit bringen.“ Klar, das schmerzt. Und dann immer diese Vorhaltungen: Schmidt sei Champions League, Böhmermann nur Kreisklasse. Die Deutschen verstehen einfach Ihren tiefsinnigen Humor nicht. Wie in der letzten Sendung: Da leiden die Menschen mit „Timmy“ an der Ostsee, und Sie zeigen die Sprengung eines Wals – Austritt der Eingeweide inklusive. Zum Totlachen! Das ist jeden Gebühreneuro wert.

Lieber Herr Böhmermann, Sie sind ein fester und wichtiger Bestandteil der deutschen Medienlandschaft. Kein linker Aktivist war bislang so erfolgreich wie Sie. Zudem weiß jeder in Ihrem Team: Eigentlich lieben sogar die rechten Hater das „ZDF Magazin Royale“. Es erinnert sie an die gute alte Zeit, als es noch die Sendung „Der schwarze Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitzler gab.

Ich möchte als Ihr Fan am Ende eine aufrichtige Bitte äußern: Zeigen Sie uns, dass Sie mehr als die läppische Maninger-Geschichte draufhaben. Sonst schaut bald nicht einmal mehr die Antifa zu.

Deutschland braucht Menschen wie Sie. Denn die gab es in bestimmten Positionen schon immer.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Martin Wagener

Steht im offenen Brief von Martin Wagener scharf in der Kritik: Jan Böhmermann. Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
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