OTTAWA. Der kanadische öffentlich-rechtliche Sender Canadian Broadcasting Corporation (CBC) hat seinen Mitarbeitern in einem internen Vermerk untersagt, die Anschläge vom 11. September 2001 als Terrorangriffe zu bezeichnen. „Bezeichnen Sie die Anschläge vom 11. September nicht als terroristische Anschläge“, soll es in der internen Anweisung heißen, über die mehrere US-Medien am Freitag berichteten.
Stattdessen sollen die Ereignisse lediglich als „Flugzeugentführungen“ beschrieben werden, die zu „Abstürzen von Passagierflugzeugen in Washington D. C., Pennsylvania und Manhattan“ führten. „Das World Trade Center wurde zerstört“, lautet demnach die schlichte Weisung des leitenden Direktors für journalistische Standards und öffentliches Vertrauen bei CBC News, Basem Boshra.
Boshra wurde in den 1970er Jahren in Ägypten geboren und machte später in Kanada Karriere. Konservative US-Medien bezeichnen ihn als muslimischen Einwanderer. Zuvor war er unter anderem bei der Montreal Gazette und als Programmchef von CBC Quebec tätig.
Scharfe Kritik an CBC aus Kanada und den USA
Die konservative kanadische Abgeordnete Rachael Thomas warf dem Sender vor, die Geschichte des Nachbarlandes umzuschreiben. „Wer sich weigert, dies als Terrorakt zu bezeichnen, entehrt die Opfer, ihre Familien, die Überlebenden und die Ersthelfer, die die Schrecken jenes Tages miterlebt haben“, schrieb sie auf X. „Der Versuch, diese Geschichte zu säubern oder umzuschreiben, ist zutiefst beleidigend und wird all denen nicht gerecht, die von den Anschlägen betroffen waren.“
Besonders vor dem Hintergrund, dass die Vereinigten Staaten dieses Jahr zum 25. Mal der Terroranschläge gedenken, sorgt die Weisung auch dort für Empörung. „Vielleicht sollten wir Kanada nicht länger ein ‘befreundetes Land‘ nennen“, kommentierte der republikanische US-Senator Mike Lee für den Bundesstaat Utah auf X.
Maybe we shouldn’t call Canada a “friendly country” https://t.co/swhW0gaZ79
— Mike Lee (@BasedMikeLee) August 27, 2026
Die republikanische Kongressabgeordnete Lisa McClain für den Bundesstaat Michigan gab der linksliberalen Regierung Kanadas eine Mitschuld auf der Plattform: „Kanada (die radikale Linke) verweigert, es beim Namen zu nennen, was es war, das ist verrückt. Entschuldigt euch bei Amerika. Entschuldigt euch bei den Opfern und ihren Familien.“
CBC beruft sich auf vermeintliche Neutralität
Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei CBC, Kerry Kelly, verwies zur Verteidigung auf einen Blogeintrag des Chefredakteurs Brodie Fenlon aus dem Jahr 2023. Darin argumentiert Fenlon, Begriffe wie „terroristische Anschläge“ minderten den Anschein der Unparteilichkeit. „Unser Schwerpunkt liegt darin, die Fakten solcher Gräueltaten genau, klar und detailliert zu berichten“, schrieb der CBC-Chefredakteur. Der Sender selbst bezeichne weder Gruppen als Terroristen noch Taten als Terrorismus, „weil diese Wörter so sehr mit Bedeutung, Politik und Emotion aufgeladen sind, dass sie unserem Journalismus im Weg stehen können“.
Am Donnerstag veröffentlichte CBC einen Beitrag über Chalid Scheich Mohammed, den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, dessen Militärgerichtsverfahren für 2028 angesetzt ist. Das Wort „Terrorist“ tauchte dort nur einmal auf – und zwar in dem Hinweis, dass die USA Al-Qaida 1999 als Terrororganisation eingestuft hatten.
Der 11. September gilt als einer der dunkelsten Tage der US-Geschichte. Fast 3.000 Amerikaner verloren durch die Terroranschläge ihr Leben. (rsz)






