Die mächtigsten Männer des Silicon Valley gelten als Globalisten. Sie sprechen von offenen Grenzen, digitalen Netzen und einer Zukunft, in der Technologie wichtiger ist als Nationen und Staaten. Alexander C. Karp gehört zu den wenigen Ausnahmen. Der Mitgründer und Vorstandschef des US-Softwareunternehmens Palantir ist überzeugt, dass Freiheit ohne staatliches Handeln nicht zu bewahren ist. Während andere Technologiekonzerne Distanz zum Militär suchen, arbeitet er eng mit Geheimdiensten, Streitkräften und Sicherheitsbehörden zusammen. Kaum ein Unternehmer verkörpert deutlicher die Rückkehr der Machtpolitik ins digitale Zeitalter.
Geboren 1967 in New York als Sohn eines jüdischen Vaters und einer afroamerikanischen Mutter, schien Karps Weg zunächst nicht in die Hochtechnologie zu führen. Nach dem Studium in Stanford ging er nach Deutschland und promovierte in Frankfurt am Main, wo er sich intensiv mit der Kritischen Theorie beschäftigte und mit Habermas in Berührung kam, dessen Denken ihn prägte. Dass ausgerechnet ein von der Frankfurter Schule beeinflusster Akademiker einen Konzern aufgebaut hat, dessen Software Militärs und Nachrichtendienste nutzen, gehört zu den bemerkenswerten Ironien der Zeitgeschichte.
Karp: Deutschland ist im Niedergang
Deutschland hat Karp dennoch nie losgelassen. So attestiert er der Bundesrepublik, sie befinde sich im Niedergang, technologisch wie politisch. Die Migrationspolitik sei ein Desaster. Zugleich warnt Karp vor einer Welt ohne ein starkes Deutschland. Kein Wunder, denn Karp spricht fließend Deutsch, verfolgt die politischen Debatten aufmerksam und äußert sich regelmäßig zu den Entwicklungen in Europa.

Mit dem ihm eigenen Humor bemerkte er einmal: „Wären wir, Peter Thiel und ich, Franzosen, hätten diese uns gezwungen, französische Pässe zu haben, nur Französisch zu sprechen und unseren Namen in ‘Falantir’ zu ändern.“ Hinter der Bemerkung steckt mehr als eine Pointe. Karp schätzt Länder, die ihre Interessen selbstbewusst vertreten und von ihren Eliten Loyalität gegenüber dem eigenen Gemeinwesen erwarten.
Mit dem deutschstämmigen US-Investor Peter Thiel gründete er 2003 Palantir. Der Name stammt aus den Romanen J. R. R. Tolkiens („Der Herr der Ringe“) und meint „sehende Steine“, mit denen sich entfernte Ereignisse beobachten lassen. Ähnlich funktioniert die Software der Firma: Sie verknüpft gewaltige Datenmengen und macht Zusammenhänge sichtbar, die Menschen allein kaum erkennen könnten. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 fand sie bei US-Sicherheitsbehörden Anklang. Heute gehören Streitkräfte, Geheimdienste, Polizeien und Großunternehmen zu den Kunden.
Technologie, so Karp, muss dem Erhalt des Eigenen dienen
Berühmt wurde Karp jedoch nicht nur als Unternehmer, sondern auch als streitbarer Intellektueller. Anders als viele Vertreter der Technologiebranche hält er wenig von dem Gedanken, Unternehmen könnten politisch neutral sein. Für ihn befinden sich die westlichen Staaten in einem technologischen und geopolitischen Wettbewerb, der über ihre Zukunft entscheidet. Daher kritisiert er eine Haltung, die wirtschaftlichen Erfolg von politischer Verantwortung trennt. Technologie, so seine Überzeugung, müsse dem Erhalt der eigenen politischen Ordnung dienen.

Diese Gedanken hat Karp 2025 im Buch „The Technological Republic. Die Macht des Silicon Valley und die Zukunft des Westens“ formuliert. Dort fordert er eine neue Zusammenarbeit von Staat, Wissenschaft und Tech-Firmen, da auch im KI-Zeitalter politische Macht, nationale Interessen und die Notwendigkeit zur Selbstbehauptung nicht verschwinden. Sie verändern nur ihre Gestalt. Karp hat das früher als andere erkannt.






