Die linke Kulturszene hat offenbar ihren nächsten Fall von Cancel Culture. Wie die Schauspielerin Sarah Maria Sander mitteilte, wurde sie von ihrer Produktionsfirma aus einer Hauptrolle gedrängt. Und das in einem Kinofilm, den sie selbst mitgeschrieben hat: „Die Todessehnsucht der Maria Ohm“. Für Sander ist klar, der Hintergrund ist politisch.
Tatsächlich kommt der Eklat nicht aus heiterem Himmel. Denn die 30jährige hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur zu einer der interessantesten Kritikerinnen des linken Antisemitismus entwickelt, sondern sich damit auch immer weiter von ihrem eigenen Milieu entfremdet. Es ist ein Milieu, in dem die Liberale eigentlich tief verwurzelt ist. 1995 in Hof in Bayern geboren, ging sie bereits als Kind häufig ins Kino und Theater, lernte Klavier, sang im Kindertheater. Sie besuchte die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, wurde 2019 Mitglied der linken Volksbühne.
Sander: „Jede Abweichung wird diffamiert“
Dann kam der Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Sander stammt aus einer jüdischen Familie mit russisch-ukrainisch-aserbaidschanischen Wurzeln. Sie ertrug nicht, dass sich auch in Deutschland Moslems und Linke auf die Seite der Palästinenser schlugen. Sie versuchte, dem etwas entgegenzusetzen, reiste nach Israel, um aus dem raketengeplagten Norden des Landes zu berichten.
Die eigene Szene interessierte das nicht nur nicht, sie stellten sich auf die andere Seite. Als im Sommer über 400 Künstler einen offenen Brief für ein Waffenembargo gegen Israel unterzeichneten, sah Sander darin eine Bankrotterklärung: „Was ihr hier als Gewissensentscheidung verkauft, ist nichts als Selbstvergewisserung. Es ist Gratismut.“
Nicht minder abgestoßen war sie, als sich im Oktober linke Stimmen über die „Stadtbild“-Äußerung des Kanzlers echauffierten. Sander griff die „weißen jungen Frauen“ an, „die nie die Konsequenz von importiertem Frauenhass, muslimischem Antisemitismus und Gewalt im Kontext islamistischer Radikalisierung spüren, aber meinen, Deutschland vor rechten Kräften retten zu müssen“. Zuvor hatte sie bereits gewarnt, das Wort „rechtsextrem“ werde inflationär benutzt, „um jede Abweichung zu diffamieren, während die woken Meinungseliten selbst radikale Intoleranz praktizieren“.
„Man redet viel von Diversität, Moral und Menschlichkeit, doch wirft dann alles über Bord“
Dass das in der Kulturszene nicht gut ankommt, liegt auf der Hand. Laut Sander hat ihr Co-Autor für den Film, der Schauspieler Rainer Begoihn, die Befürchtung geäußert, die Produktion werde wegen ihr „ein wirtschaftlicher Totalschaden“. Die Produzentin könne kein Ensemble zusammenstellen. Und so besetzte man Sanders Hauptrolle kurzerhand neu. Weil Sander sich diese vertraglich hatte zusichern lassen, zog sie vor Gericht. Ihrem Antrag, die Dreharbeiten mit Blick auf ihre Rolle zu stoppen, gab das Gericht jedoch im Eilverfahren nicht statt. Zugleich wies es in einem weiteren Verfahren den Versuch der Produktionsfirma zurück, Sander zu verbieten, über ihre Cancelung zu sprechen.

Aus Sarah Maria Sanders Sicht verweist ihr Fall auf ein grundsätzliches Problem: „Nach außen redet man viel von Diversität, Moral, Menschlichkeit. Aber sobald es um das eigene System geht, wirft man alles über Bord: Fairness, Verbindlichkeit, Anstand, Menschlichkeit.“ Dann werde „Moral zur Kulisse und Macht zur Methode“.





