LONDON. Großbritanniens Premierminister Keir Starmer hat das Einreiseverbot für den US-Musiker Kanye West wegen seiner früheren antisemitischen und NS-verherrlichenden Aussagen verteidigt. „Die Regierung steht fest hinter der jüdischen Gemeinschaft – und wird unermüdlich dafür kämpfen, sich gegen das Gift des Antisemitismus zu stellen und es zu besiegen“, schrieb der Labour-Politiker auf dem Kurznachrichtendienst X. Der Musiker sollte beim jährlichen „Wireless Festival“ zusammen mit anderen weltweit bekannten Rap- und Hip-Hop-Künstlern in London auftreten. Laut dem Labour-Politiker hätte er „niemals“ eine Einladung bekommen sollen.
Kanye West should never have been invited to headline Wireless.
This government stands firmly with the Jewish community, and we will not stop in our fight to confront and defeat the poison of antisemitism.
We will always take the action necessary to protect the public and…
— Keir Starmer (@Keir_Starmer) April 7, 2026
Das britische Innenministerium ließ Wests Einreisegenehmigung vorzeitig ruhen, berichtete der Nachrichtensender Sky News. Aus Kreisen des Ressorts hieß es, seine Anwesenheit sei „nicht förderlich für das Gemeinwohl“. Kritik daran kam vom Chef der migrationskritischen Reform UK, Nigel Farage. „Wenn wir es den Menschen verbieten, ins Land einzureisen, weil wir ihre Aussagen nicht mögen, macht es mir Sorgen, wo das endet“, sagte Farage am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Der Weg, den die Labour-Regierung einschlage, sei „gefährlich“. Zuvor hatte unter anderem die Gruppe „Campaign Against Antisemitism“ eine Massendemonstration gegen den Auftritt des US-Amerikaners angekündigt.
🚨 WATCH: Nigel Farage says the Government shouldn’t ban Kanye West from coming to the UK
„If we start banning people from entering the country because we don’t like what they say, I worry where that ends up… it’s a dangerous path to go down“ pic.twitter.com/M1NFkvuND5
— Politics UK (@PolitlcsUK) April 7, 2026
Inzwischen wurde das Festival komplett abgesagt. Rund 50.000 Plätze wurden dafür bereitgestellt. „Wie jedes Jahr wurden zahlreiche Interessengruppen angesprochen, und damals wurden keine Bedenken geäußert“, hieß es in einem Statement des Veranstalters. „Wireless“-Geschäftsführer Melvin Benn verteidigte noch am frühen Morgen die Einladung trotz der „abscheulichen“ des Rappers. „Vergebung und die Bereitschaft, Menschen eine zweite Chance zu geben, gehen in dieser zunehmend von Spaltung geprägten Welt immer mehr verloren“, beklagte er. West sollte ausschließlich jene Lieder spielen, die ohnehin schon im Radio gespielt und „von Millionen genossen“ würden.
Kanye West wollte sich mit jüdischen Gemeinden treffen
West gilt mit fünf Singles und zehn aufeinanderfolgenden Alben auf Platz eins der Verkaufslisten der US-Musikzeitschrift Billboard als einer der erfolgreichsten Rapper der Geschichte. In den vergangenen Jahren hatte er jedoch Schlagzeilen wegen Aussagen gemacht, die das NS-Regime lobten und sich gegen Juden richteten. „Jeder Jude, der mit mir Geschäfte macht, muss wissen, dass ich Juden weder mag noch vertraue“, schrieb er noch im Februar 2025 auf X. Im Mai desselben Jahres veröffentlichte er das Lied „Heil Hitler“, das in Deutschland wegen volksverhetzender Inhalte und NS-Symbolik indiziert wurde. Zudem verkaufte seine Modemarke „Yeezy“ unter anderem T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck.
Im vergangenen Januar distanzierte sich West von seinen Aussagen. Er begründete diese mit seiner bipolaren Störung, die 2023 festgestellt worden war. „Ich habe den Kontakt zur Realität verloren“, schrieb er in einem Brief, der im Wall Street Journal veröffentlicht wurde. „Ich bedauere meine Handlungen in jenem Zustand zutiefst und schäme mich dafür; ich bin entschlossen, Verantwortung zu übernehmen, mich einer Therapie zu unterziehen und mich grundlegend zu ändern. Das entschuldigt jedoch nicht, was ich getan habe.“
Im Vorfeld seines abgesagten Auftritts in London bat er die jüdischen Gemeinden in Großbritannien um ein Treffen. Die größte Vertretung der im Land lebenden Juden, der Deputiertenausschuss Britischer Juden, forderte im Gegenzug seinen Rückzug vom Festival. „Obwohl er heute Reue bekundet, enthält sein jüngstes Album ein Lied mit dem abscheulichen Titel ‘Gas Chambers’“, betonte dessen Vorsitzender Phil Rosenberg. Der Ausschuss wolle „echte Reue und eine echte Wandlung“ sehen. (kuk)






