Frankfurter Buchmesse

Lieb Vaterland, magst ruhig sein

Fleiß zahlt sich aus. Das weiß Anetta Kahane. Als Zuträgerin des Ministeriums für Staatssicherheit lieferte sie Mitte der siebziger Jahre Berichte über Gesprächspartner und Freunde an das „Schild und Schwert der Partei“. Dafür gab’s dann mitunter auch mal „Kaffee, Schnaps, Zigaretten und Kuchen“ als Belohnung sowie eine Prämie von 200 Mark oder einen goldenen Füllfederhalter.

Nun ist die DDR seit bald 30 Jahren Geschichte und Kahane hat sich ein neues Betätigungsfeld gesucht (sie legt Wert darauf, daß sie 1982 ihre Tätigkeit für die Stasi von sich aus beendete). 1998 gründete Kahane die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich voll und ganz dem „Kampf gegen Rechts“ verschrieben hat. Seit 2003 fungiert sie als hauptamtliche Vorsitzende der Stiftung. Die Gefahr von Rechts ist die wirtschaftliche Grundlage der überwiegend aus staatlichen Fördermitteln finanzierten Stiftung.

Messe: „Wollen ein Gegengewicht schaffen“

So überrascht es wenig, daß sie der deutschen Gesellschaft hartnäckig ein tiefsitzendes Rassismusproblem bescheinigt. Für ihr Engagement werden Kahane und ihre Stiftung regelmäßig mit allerlei Würden überschüttet. So wurde sie beispielsweise im November 2016 mit dem Ehrenorden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter ausgezeichnet. Selbst Justizminister Heiko Maas (SPD) schätzte Kahanes Spürsinn so sehr, daß er sie im vergangenen Jahr einlud, an einer Task-Force zum Umgang mit „Haßbotschaften im Internet“ mitzuwirken.

Kein Wunder also, daß auch die Frankfurter Buchmesse umgehend um die Dienste der Kahane-Stiftung warb, als der Verlag Antaois sich für die diesjährige Bücherschau anmeldete. Immerhin hatte Antaios mit Büchern von Akif Pirinçci und Rolf Peter Sieferle in jüngster Zeit für erhebliche Schlagzeilen gesorgt. Bereits im vergangenen Jahr war die Amadeu-Antonio-Stiftung gegenüber dem Stand dieser Zeitung von der Messeleitung plaziert worden – um ein Zeichen zu setzen.

Was damals nur Spekulation war, ist in diesem Jahr Gewißheit: Die Stiftung braucht für den großzügigen Stand in bester Lage keine Gebühren zu bezahlen, sondern bekommt diesen gestellt. Auf Nachfrage der JF begründet die Frankfurter Buchmesse die Entscheidung damit, sie habe „ein Gegengewicht zu den Themen und Publikationen des Antaios-Verlages in diesem Hallenareal schaffen wollen“.

„Aktiver Umgang“

Zu den Kosten dieses Akts der Zivilcourage will sich die Messeleitung jedoch nicht äußern. Fest steht allerdings, daß normalsterbliche Aussteller für einen vergleichbaren Stand gut 20.000 Euro berappen müssen. Aber was sind schon ein paar tausend Euro, wenn es um nicht weniger als den Erhalt der Demokratie geht.

Daß Antaios an seinem Stand auch zu Veranstaltungen einlädt, lasse sich nicht verhindern, entschuldigte sich Buchmessedirektor Juergen Boos gegenüber dem Börsenblatt. „Wir können in einem solchen Fall nicht einschreiten, weil dies gegen die Meinungsfreiheit wäre.“ Man wolle aber einen „aktiven Umgang“ mit den Inhalten des Antaios-Verlags pflegen, versicherte die Messe der Frankfurter Rundschau. Deswegen sei die Amadeu-Antonio-Stiftung eingeladen worden.

Und die hat auch schon einen Plan, wie sie dem unliebsamen Verlag entgegentreten will. „Unser Konzept ist, erstmal für alle ansprechbar zu sein, die der Auftritt von Antaios irritiert“, sagte ein Sprecher der Stiftung dem Blatt. Die Besucher können also beruhigt den Gang über die Messe wagen. Das Schild und Schwert der Demokratie hat ein wachsames Auge.

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> Den Stand der JUNGEN FREIHEIT (A73) finden Sie auf der Frankfurter Buchmesse in Halle 4.1

Polizisten auf der Frankfurter Buchmesse (2010) Foto: picture alliance/Sven Simon

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