Pankraz, Rupert Murdoch und die bezahlten Inhalte

Seit Jahren nun schon brüten die Medienkonzerne überall in der Welt, allen voran der australische Medienzar Rupert Murdoch, über „bezahlte Inhalte“ („paid content“). Sie haben Millionen und Abermillionen in den Aufbau und Betrieb ihrer Online-Dienste investiert und wollen endlich etwas von ihrem Einsatz zurückkriegen. Sie wollen ihre „Inhalte“ endlich versilbern, sie wollen endlich Geld sehen, und nicht zu knapp. Aber der Laden läuft einfach nicht so, wie er laufen sollte.

Die Online-Dienste der großen Informationslieferanten sind nach wie vor ein Milliardengrab, so daß selbst reichste Investoren unruhig werden. Der Konsument von Informationen läßt sich die diversen Online-Angebote natürlich gern gefallen, doch bezahlen will er dafür partout nicht. Warum auch? Man hat ja pausenlos arbeitende Nachrichtenagenturen, man hat Radio und Fernsehen, der aktuelle Nachrichtenfluß läuft auch ohne Internet wie geschmiert. Online-Nachrichten sind wie Zugaben im Konzert. Man freut sich an ihnen und klatscht sie eifrig herbei, aber extra Geld ausgeben will man für sie nicht.

Wieso hat niemand etwas gegen bezahlfreie Konzert-Zugaben, und warum wollen Rupert Murdoch, Mathias Döpfner von der Axel-Springer-AG oder die britische Medienheuschrecke David Montgomery, daß für ihre Online-Nachrichtendienste unbedingt extra bezahlt wird? Vielleicht liegt es daran, daß die Zugaben im Konzert ausschließlich das betreffen, was man „Form“ nennen könnte, während die Online-Dienste, wie deren Lieferanten eifrig und wichtigtuerisch versichern, mit „Inhalten“ aufwarten. „Inhalte“ sind für die Medienmogule offenbar die einzig wertvolle, geldmachende Ware, die es im Informationsgeschäft gibt. Es geht für sie immer nur um das „Was“, nie um das „Wie“.

Niemand im Konzert kümmert sich bei den Zugaben um Inhalte. Ob Mozart, Beethoven oder Bruckner – Hauptsache, es sind eingängige, hochbekannte Sachen, an denen Orchester und Solisten ihr interpretatorisches Genie zur Geltung bringen können. Das Publikum bejubelt in diesem Fall keine Kunstwerke, sondern lebendige Künstler, und diese sind in der Regel dankbar für den kostbaren Moment enthusiastischer Zustimmung, den sie da entgegennehmen dürfen und der letztlich mehr wert ist als Geld.

Anders bei den Online-Diensten, zumindest in der Sicht der Medienmogule. Die verschwenden, wenn man ihren barmenden Reden lauscht, auch nicht den kleinsten Gedanken an irgendwelche Produzenten, es gibt für sie gar keine Produzenten, sondern lediglich Transporteure von „Inhalten“. Zwar reden sie hin und wieder von „Qualitätsjournalismus“, der in ihren Online-Diensten stattfinde und der gerade seiner Qualität wegen endlich auch bezahlt werden müsse, aber die Qualität der Ware hat angeblich nicht das geringste mit lebendigen Produzenten zu tun.

Man höre nur, wie der Mogul David Montgomery – noch gar nicht lange her – aus gegebenem Anlaß zu den Redakteuren der Berliner Zeitung sprach, denen er damals vorstand! „Journalisten sind Leute, die Inhalte darbieten, und es wird künftig völlig undenkbar sein, daß ein Journalist seine Inhalte nur einmal darbietet. Mehrfachverwertung ist das Gebot. Deutsche Journalisten! Richtet Euch darauf ein, daß Euer Job komplett revolutioniert wird!“

Da muß man doch fragen: Wie stellt sich denn Montgomery die Revolution per Mehrfachverwertung vor? „Journalisten handeln“, laut einem Ausspruch von Rupert Murdoch, „üblicherweise mit hochverderblicher Ware“, mit einer Ware nämlich, die in faktisch sämtlichen Fällen nur ein einziges Mal angeboten werden kann, weil sie anschließend sofort zum Allgemeingut wird. Was heißt denn da, der Journalist soll seine „Inhalte“ mehrfach „darbieten“? Das wäre doch so, als ob man ein aufgeschlagenes Ei noch unzählige weitere Male verkaufen könnte.

Montgomerys Rede macht an sich nur (schlimmen) Sinn, wenn er damit meinte: Ich schmeiße demnächst alle Redakteure aus der Zeitung raus, lasse nur noch einen Chefredakteur und zwei, drei Assistenten zum Reinstellen der Beiträge übrig, die dann die angebotenen „Inhalte“ der Freigesetzten gnädig entgegennehmen (oder auch nicht). Und danach können die Freigesetzten versuchen, ihre Inhalte anderswo noch einmal „darzubieten“.

Warum man für solcherlei mehrfach dargebotenen „Qualitätsjournalismus“ extra bezahlen soll, leuchtet schwer ein. Eine Probe aufs Exempel ergibt: Die auf Inhaltsvermittlung à la Murdoch orientierten Online-Dienste der großen, international etablierten Zeitungen und Magazine sind erschreckend eintönig und austauschbar. Über das allermeiste, was der interessierte Kunde liest, weiß er aus anderen Quellen längst Bescheid. Und selbst die den „Inhalten“ angefügten Meinungsbeiträge gleichen sich immer mehr einander an, sind witzlos und reflektieren lediglich gängigen „Mainstream“.

Die medialen Möglichkeiten des Internet liegen, was Erweiterung und Aufhellung des aktuellen Informationshorizonts betrifft, wohl tatsächlich jenseits von Murdoch-Döpfner-Montgomery. Um noch einmal den Vergleich mit den Konzert-Zugaben zu bemühen: Das Internet, typisches Kind des Informationszeitalters, liefert als speziellen Beitrag zum tagtäglichen Nachrichtenstrom typische Zugaben. Das „Wie“ ist in seinen Veranstaltungen stets mindestens ebenso wichtig wie das „Was“. Was sich von selbst versteht, wird nicht stumpfsinnig ausgewalzt. Und das Geldverdienen steht niemals im Vordergrund.

Natürlich ist das nur die Beschreibung des ersehnten Idealfalls. Um sich ihm wenigstens anzunähern, bedürfte es gewaltiger Anstrengungen, ja geradezu der Heraufkunft einer ganz neuartigen politisch-medialen Klasse, wie sie ansatzweise die sogenannte Piratenpartei im letzten Bundestagswahlkampf  schon propagiert hat. Ob aber Idealfall oder nicht – die Aussichten für „paid content“ stehen in jedem Fall schlecht.

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