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Ein Engländer lobt die Deutschen

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Das Brandenburger Tor in Berlin Foto: Pixelio/Kerstin Schmidt

Deutschland ist ein Land, das Untergangsszenarien liebt. Von „German Angst“ spricht man im angloamerikanischen Sprachraum. Sind wir depressiver oder nur nachdenklicher als andere? Die Bilder der deutschen Romantik strahlen das Tiefgründige aus, der Weltschmerz ist deutsch, Deutschland als Seismograph des Planeten, weshalb Fukushima hier mehr Wellen schlägt als in Japan selbst? Der „Untergang des Abendlandes“ wurde von Oswald Spengler prognostiziert – vor fast hundert Jahren …

Woher die deutsche Schwermut heute? Zwei verlorene Weltkriege lasten auf der nationalen Psyche. Trotz einer glücklichen Wiedervereinigung scheint das Volk zwischen Rhein und Oder seiner selbst nicht sicher zu sein und sich nach einem Aufgehen in größeren Einheiten zu sehnen, um sich selbst zu überwinden. Kein anderes Land stellt nationale Interessen so bedenkenlos hinter Gemeinschaftsanliegen zurück, auch wenn dies regelmäßig teuer bezahlt werden muß. 

Die Selbstverleugnung treibt peinliche Blüten, so wenn der deutsche Außenminister in der vorvergangenen Woche bei einem Treffen mit dem russischen und dem polnischen Amtskollegen in Königsberg (Kaliningrad) Kränze am „Mahnmal der 1.200 Gardisten“, der bei Einnahme der ostpreußischen Hauptstadt gefallenen Rotarmisten niederlegte, nicht aber an die ermordeten und vergewaltigten ostpreußischen Frauen oder die deutschen Gefallenen erinnerte. Ein solches Verhalten wäre in keinem anderen Land der Welt denkbar.

„Deutsche Renaissance“

Verschüttet scheint die Größe, die die deutsche Kultur verkörpert und zum Orientierungspunkt anderer Nationen machte. Daran müssen wir erst aus dem Ausland wieder nachdrücklich erinnert werden. Und dies tut der britische Historiker Peter Watson im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT und in seinem kürzlich auf deutsch erschienenen Werk, dem er den bezeichnenden Titel „Der deutsche Genius“ gab.

Auf 1.000 Seiten setzt Watson den Gründern deutschen Kultur- und Geisteslebens, den deutschen Naturwissenschaftlern und Erfindern ein Denkmal und spricht von einer „deutschen Renaissance“, die die ganze Welt befruchtet habe. Wir sollten unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, meint er und empfiehlt uns mehr nationale Begeisterung. Ein Land, das Jahrzehnte besetzt und geteilt war, neigt zu Minderwertigkeitskomplexen – Watson stellt fest, selbst die USA seien stärker von den Deutschen als von Briten beeinflußt und geprägt. 

Gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise blickt die Welt entgeistert nach Deutschland und reibt sich die Augen über die ungebrochene wirtschaftliche Potenz dieses Landes. Trotz besorgniserregender Auswirkungen von Geburtenschwund, Einwanderung und Bildungsmisere gründet die Kraft unseres Landes auf starken Fundamenten, die Grund für Zuversicht geben – wenn diese erneuert und gesichert werden!

JF 23/11

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