Die Energiepreise sind, bedingt durch den Angriff der USA und Israels auf Iran, in die Höhe geschnellt. Vor Ausbruch der Kriegshandlungen handelte ein Fass Rohöl der Marke Brent (159 Liter) bei etwa 60 Dollar. Am Montag kostete es 104 Dollar. Auch die Preise von Kohle und Erdhgas sind stark angestiegen. Die Sorgen nehmen zu, dass der Energiepreisschock die Inflation in die Höhe treibt.
In der Tat zeigt sich der Energiepreisanstieg in den statistischen Zahlen. Dabei beträgt die Gewichtung der Energiepreise nur etwa neun Prozent im Warenkorb, den das Statistische Bundesamt seiner Teuerungsberechnung zugrunde legt. Stiegen also die Energiekosten um 100 Prozent, würde das für einen zusätzlichen Anstieg bei der Jahresteuerung von „nur“ neun Prozentpunkten sorgen.
Doch noch ist der Preiseffekt nicht in Erscheinung getreten; es dauert schließlich, bis sich die Veränderung der Energiepreise vollumfänglich zeigt. Es stellt sich die bange Frage: Wird es so schlimm wie 2020 bis 2022, als die Inflation der Konsumgüterpreise auf über zehn Prozent kletterte? Nun, das hängt allein von der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Denn Inflation – also das fortgesetzte Ansteigen der Güterpreise auf breiter Front – ist immer und überall ein monetäres Phänomen, wie es der US-Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman (1912–2006) einst so treffend formulierte.
Wird die EZB die Geldmenge ausweiten, steigt die Inflation
Es gibt immer wieder einzelne Faktoren, die kurzfristig auf die Güterpreise wirken – wie Steuerveränderungen oder Wechselkursschwankungen. Aber die Trendentwicklung der Güterpreise ist Folge der Geldmengenentwicklung. Und dafür sind die EZB-Räte verantwortlich. Im Zuge der politisch diktierten Corona-Krise hatten sie die Geldmenge um 25 Prozent ausgeweitet, indem sie Staatsschuldpapiere gegen Ausgabe von neuen Euro aufgekauft hatten. Und wie im Lehrbuch folgte aus der Geldmengenvermehrung „aus dem Nichts“ eine Hochinflationswelle.
Aktuell ist das Geldmengenwachstum noch relativ moderat, bei etwa drei Prozent pro Jahr. Das wiederum lässt darauf schließen, dass die Energiepreisverteuerung zunächst einmal zu einem Verarmungseffekt führt: Die steigenden Energiepreise setzen die Kaufkraft von Konsumenten und Produzenten herab. Bildlich gesprochen: Sie alle bekommen nunmehr weniger Güter für ihre Euros. Solange aber der Geldmantel nicht übermäßig ausgeweitet wird, wird der Energiepreisschock sich nur vorübergehend in steigenden Teuerungszahlen zeigen, er übt dann vor allem eine rezessive Wirkung auf das Wirtschaftsgeschehen aus.
Und genau hier lauert die eigentliche Gefahr: Wenn die Wirtschaft einbricht, Firmen zuhauf pleite gehen, die Arbeitslosigkeit stark steigt, die Staatshaushalte im Schuldensturm zu versinken drohen, dann werden die Rufe nach Zinssenkungen laut. Regierende wie auch Regierte sehen nämlich in der Geldmengenvermehrung die Politik des vergleichsweise kleinsten Übels. Vielleicht kommt die westliche Welt aber doch noch mit einem blauen Auge davon: Enden die Kriegshandlungen im Iran, ebbt auch der Energiepreisschock ab; und dann nimmt auch die Gefahr ab, dass die EZB-Räte wieder für eine Hochinflationswelle sorgen. Die wichtige Lehre ist nämlich: Steigende Ölpreise allein erzeugen keine Inflation. Die Inflation wird durch die Geldmengenausweitung erzeugt. Und dafür tragen allein die EZB-Räte die Verantwortung. Inflation ist keine Naturkatastrophe, im heutigen ungedeckten Papiergeldsystem ist sie stets menschengemacht.







