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RBB-Sendung endet: Kurt Krömer: der gescheiterte Miese-Laune-Bär

RBB-Sendung endet: Kurt Krömer: der gescheiterte Miese-Laune-Bär

RBB-Sendung endet: Kurt Krömer: der gescheiterte Miese-Laune-Bär

Der Komiker Kurt Krömer beendet seine Sendung beim RBB Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
Der Komiker Kurt Krömer beendet seine Sendung beim RBB Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
Der Komiker Kurt Krömer beendet seine Sendung beim RBB Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
RBB-Sendung endet
 

Kurt Krömer: der gescheiterte Miese-Laune-Bär

41 Folgen lang pöbelte und beleidigte Kurt Krömer sich durch seine RBB-Sendung. Prominente nahm er ins Verhör. Doch nun ist Schluß. Dabei hatte seine Sendung interessante Ansätze. Letztlich scheiterte sie aber an Krömers Verhalten. Ein Kommentar von Boris T. Kaiser.
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„Der Li-La-Laune-Bär hat keine Sendung mehr“, sang einst das Komiker-Duo Die Doofen, und betrauerte so den Abgang des stets gutgelaunten Pelztierchens aus dem deutschen Kinderfernsehen. Nun hat es auch den Miese-Laune-Bär erwischt. Kurt Krömer ist seine berühmt-berüchtigte Pöbel-Show im RBB los. Nach sieben Staffeln und 41 Folgen nimmt die Sendung „Chez Krömer“ ein abruptes Ende.

Sein nun erst einmal ehemaliger Sender verabschiedete seinen größten Star mit wohlig-warmen Worten: „Mit zwei Grimme-Preisen, Millionen Fans im Internet und Anerkennung weit über die Grenzen von Berlin und Brandenburg hinaus ist ‘Chez Krömer’ eine Erfolgsgeschichte für den Rundfunk Berlin-Brandenburg“, heißt es dort zur Einstellung des von Friedrich Küppersbusch und dessen Firma probono.tv produzierten Formats.

Auch der Moderator selbst hat zum Abschied nur Positives zu sagen. Zumindest zu seinem ehemaligen Brötchengeber: „Es ist für mich an der Zeit für neue künstlerische Abenteuer. Mir war klar, daß ‘Chez Krömer’ kein Format ist, das ewig laufen wird. Daß es am Ende dann doch 41 Folgen geworden sind, hat mich selbst überrascht. Mein Bedarf an Arschlöchern ist damit gedeckt“, ließ der 48jährige wissen.

Krömer zeigt seine Antipathie offen

Krömer ist die Gäste seiner Interview-Show in jüngster Vergangenheit immer wieder massiv angegangen. Dies war zum Teil dem Konzept der TV-Reihe geschuldet; welches darin bestand, daß die Prominenten sich in eine Art Verhörsituation begeben sollten, in der Gastgeber sie zu ihren vermeintlichen oder tatsächlichen Verfehlungen befragte. Krömer lud sich dazu in den meisten Fällen bewußt Leute ein, die in seinen Augen die von ihm auch so benannten „Arschlöcher“ waren. Genau darin lag wohl auch das größte Problem der eigentlich als Unterhaltungsshow gedachten Sendung. Denn die Antipathie, die nicht selten in regelrechtem Haß mündete, merkte man dem Comedian deutlich an.

Das war geradezu tödlich für den eigentlich interessanten und vielversprechenden Ansatz. Die Beschimpfungen, die der Moderator auf seine Gäste einprasseln ließ, waren nicht lustig sondern spürbar ernst gemeint. Das merkte nicht nur der betroffene Prominente, sondern auch der Zuschauer. Krömer verlor in den Gesprächen regelmäßig jegliche Contenance. Das machte ihn unsouverän und erstickte jeglichen Witz im Keim. Wenn der Moderator den ehemaligen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache eine halbe Stunde lang, mit viel Schaum vor dem Mund, als „Nazi“ beschimpfte, hatte das so gar nichts mehr von der spitzbübischen Leichtigkeit, für die nicht nur eingefleischte Fans des Entertainers ihn lieben gelernt haben.

Was die Situation für den Zuschauer noch beklemmender machte, war das Wissen um die vermeintlich überwundene Depression, mit der Krömer im vergangenen Jahr selbst an die Öffentlichkeit getreten war. Das alles verlieh der Sendung eine düstere und erdrückende Atmosphäre.

Krömer attackiert Komiker

Seinen Tiefpunkt erreichte dieser gemütsbeschwerende Sinneseindruck in der letzten Ausgabe der Verhörshow. Für diese hatte sich Krömer den Comedian Faisal Kawusi „vorgeladen“, um mit ihm sein inzwischen festgefahrenes „böser Bulle, trauriger Bulle“-Spiel aufzuführen.

Der afghanischstämmige Komiker war in jüngster Zeit wegen seiner auf Instagram verbreiteten „Vergewaltigungswitze“ über K.o.-Tropfen sowie seine als rassistisch kritisierten Bemerkungen gegenüber der „Let’s Dance“-Jurorin Motsi Mabuse in die Schlagzeilen geraten. Auch ein Tour-Plakat, mit dem der Komiker offenbar auf die tödliche Festnahme des Afroamerikaners George Floyd anspielen wollte, sorgte für entsprechende Aufregung.

Der Pöbel-Veteran der deutschen Kleinkunstszene fand die Provokationen seines jungen Kollegen alles andere als lustig. Damit dürfte Krömer nicht alleine dastehen. Der Aggro-Nerd mit der Nickelbrille machte darüber hinaus aber den Eindruck, daß er eigentlich überhaupt nichts mehr lustig findet. Nicht erst seit dieser Folge, für die der übermüdetet wirkende Krömer sich noch einmal auf ein ganz hohes moralisches Roß hievte.

Krömer: „Du kannst dich jetzt verpissen“

Wie schon so viele vor ihm, war auch Kawusi offenbar nur eingeladen worden, damit der RBB-Star einmal mehr seinen ganzen aufgestauten Frust an ihm auslassen konnte. Für die Erklärungen seines Gastes, der gehofft hatte, in dem TV-Gespräch einiges gerade rücken zu dürfen, um so sein ramponiertes Image wieder etwas aufpolieren zu können, hatte der Moderator keinen Sinn.

Kurz vor Ende der Show dann die Eskalation: Krömer brach die Sendung einige Minuten früher als eigentlich geplant ab und schickte den Comedian, dessen Eltern 1989 als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen waren, mit dem Satz weg: „Du kannst dich jetzt verpissen.“

Kawusi wirkte bei all dem erstaunlich selbstbeherrscht. Also ganz anders als sein Gastgeber, der selbsternannte Schutzpolizist der Moral, der so überhaupt nicht sein Freund sein wollte, der bereits in der Sendung angekündigt hatte, mal gucken zu wollen, ob er das „Konzept vielleicht noch mal überdenke“.

Zumindest das konnte Krömer offenbar noch selbst spüren. Die Tatsache, daß er mit seinem nun ad acta gelegten Format auf ganzer Linie gescheitert ist. Dies lag allerdings zu allerletzt an dem Konzept.

Der Komiker Kurt Krömer beendet seine Sendung beim RBB Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
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