Öffentlich Rechtlicher Rundfunk

Die Jagd nach den Privilegien

Fühlen Sie sich privilegiert? Sollten Sie! Zumindest wenn es nach dem Deutschlandfunk Kultur geht und Sie einen oder gleich mehrere der folgenden Punkte bestätigen können: „Ich bin weiß“, „Ich bin heterosexuell“, „Ich identifiziere mich mit dem Geschlecht, mit dem ich geboren bin“, „Ich arbeite in einem bezahlten Job“, „An Flughäfen bin ich in Sicherheitskontrollen nicht nervös“, „Ich habe keinerlei körperliche Beeinträchtigung“, „Ich bin ein Mann“.

Genau diese Checkliste veröffentlichte der Sender kürzlich auf seiner Facebookseite. Noch vor einigen Jahren hätte man vielleicht denken können, der Account wäre gehackt worden oder irgendein Spaßvogel-Praktikant wollte mit dem Eintrag lediglich ein bißchen die „rechten Verschwörungskritiker“ trollen, die wirklich glauben, daß dort hinter den Kulissen ein derart verqueres linksideologisches Denken herrscht. Heute weiß man: Die meinen das ernst. In den Redaktionen herrscht tatsächlich solch eine Denkweise. Also nehmen wir die öffentlich-rechtlichen Kollegen – so schwer es auch fällt – für einem Moment lang mal ernst und gehen die Liste Punkt für Punkt durch.

Foto: Screenshot Twitter

Ich bin weiß

Das dürfte noch immer auf die meisten Deutschen zutreffen. Es ist also ein ziemlich großzügig verteiltes „Privileg“. Was übrigens auf die meisten Punkte der Liste zutrifft. Man könnte daraus schließen, daß wir insgesamt in einer sehr privilegierten Gesellschaft leben, in der es relativ wenig Grund zur Klage gibt. Aber das klänge deutlich zu positiv fürs gebührenfinanzierte Radio. Haben all diese Weißen in Deutschland irgendwelche Vorteile gegenüber ihren Mitbürgern mit anderer Hautfarbe? Vielleicht den, daß sie seltener für Flüchtlinge gehalten werden und deshalb weiter ein Grundvertrauen genießen. Das haben wiederum die vielen schwarzen Schafe unter den neuen Zuwanderern innerhalb kürzester Zeit für sich und andere Migranten verspielt, die nichts dafür können. Für solche Vorwürfe ist der weiße Durchschnittsdeutsche mit Sicherheit der falsche Adressart.

Insgesamt haben Nichtweiße hierzulande aber noch immer einen guten Ruf. Wenn es da so etwas wie einen „strukturellen Rassismus“ gibt, dann ist es meist ein „positiver“. Asiaten gelten demnach als besonders intelligent und fleißig, obwohl es bestimmt auch unter ihnen einige denkfaule Tagediebe gibt. Viele Schwarze werden im Alltag wohl tatsächlich ihre Diskriminierungserfahrungen gemacht haben, Männer vermutlich öfter als Frauen. Andererseits gilt Schwarzsein spätestens seit den 1980er Jahren in der Kulturszene als das Maximum der Coolness. Juristisch sind sie selbstverständlich absolut gleichgestellt; und seit „Racial Profiling“ verboten ist, werden sie auch seltener mit Polizeikontrollen behelligt. Das gilt selbst dann, wenn sie ins Täterprofil der durchgeführten Ermittlungsaktion passen.

Ich bin heterosexuell

Das bedeutet, ich darf Blut spenden. Zumindest wenn ich nicht der Prostitution nachgehe, Drogenkonsument bin, unter einer schweren Krankheit leide, Untergewicht habe oder irgendeiner anderen Risikogruppe angehöre, die vorübergehend oder dauerhaft als Spender ausgeschlossen ist. Das ist natürlich schade für alle, die trotzdem fanatisch gerne Blut spenden würden. Eine wirklich tragische Diskriminierung würde aber nur vorliegen, wenn sie nicht nur kein Blut spenden dürften, sondern auch im Notfall keine Blutspende erhalten würden.

Ich identifiziere mich mit meinem eigenen Geschlecht

Es ist grundsätzlich immer von Vorteil, wenn man eine einigermaßen realistische Selbsteinschätzung hat und sich nicht für irgendwas hält, was man offenkundig nicht ist. Wer nicht singen kann, sollte möglichst nicht zum Vorträllern zu RTL gehen. Sonst darf er sich nicht wundern, wenn er von Dieter Bohlen rundgemacht wird. Wer beim Fußballspiel mit den Freunden immer als letzter gewählt wird, sollte irgendwann einsehen, daß das mit der Karriere als Fußballprofi nichts wird. Wer mit einem Penis geboren wird, sollte sich zumindest eingestehen, daß er von Natur aus ein Mann ist, auch wenn er noch so gerne Frauenkleider trägt. Inwiefern sich jemand mit seinem biologischen Geschlecht im Alltag identifiziert, ist wohl von Fall zu Fall verschieden. In der Warteschlange an der Supermarktkasse werden diese Personen aber wohl nicht über ihr Geschlechtsteil, ihre Körpergröße oder ihr biologisches Alter nachdenken.

Ich arbeite in einem bezahlten Job

Hier mag man den Kulturredakteuren vom Deutschlandfunk natürlich nicht widersprechen. Was gibt es Schöneres, als täglich zur Arbeit zu gehen, um das Geld zu verdienen, mit dem Willkommenskultur, Gender-Projekte und natürlich der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert werden? Chapeau, Kollegen! Hier habt ihr einen Punkt.

An Flughäfen bin ich in Sicherheitskontrollen nicht nervös

Ein reines Gewissen macht gelassen, auch am Flughafen. Dies ist ein Privileg, das sich jeder verdienen kann. Ob man als völlig unbescholtener Bürger bei einer Sicherheitskontrolle dennoch nervös ist, hängt wohl wieder vom Individuum, seiner Streß-Resistenz und dem Flughafen ab. So richtig nervös sollte man als unschuldiger Fluggast aber eigentlich nur werden, wenn es keine Sicherheitskontrollen gibt.

Ich habe keinerlei körperliche Beeinträchtigung

Wer kann das schon von sich behaupten? Der eine hat Rücken, der andere Senk-Spreizfüße und wieder einem anderen macht sein Übergewicht zu schaffen. Dazu kommen Kurz- und Weitsichtigkeit, Schwerhörigkeit, schlechte Zähne, Migräne und viele weitere körperliche Beeinträchtigungen, die uns das Leben schwer machen. Kerngesunde Menschen dürfte es nur sehr wenige auf der Welt geben. Aber natürlich werden die Privilegierten-Jäger auch diese wenigen nicht einfach so davonkommen lassen.

Ich bin ein Mann

Noch so eine „körperliche Beeinträchtigung“. Weiß doch ein jeder, daß Frauen und Angehörige aller anderen Geschlechter dem Mann in wirklich jeder Hinsicht von Natur aus überlegen sind. Auch und gerade in der Redaktion des Deutschlandfunk Kultur ist dies sicherlich allen stets bewußt. Die Aufzählung des Manns in der Liste der Privilegierten muß also ein Versehen gewesen sein und soll deshalb an dieser Stelle nicht gewertet werden. Das gebietet der Anstand.

Am Ende des Beitrags haben die Urheber der Liste Platz für eigene Privilegien gelassen, die noch nicht aufgeführt sind. Eines der größten Privilegien, die man in Deutschland haben kann, ist es wohl, einen sicheren und mit Zwangsgebühren finanzierten Job beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu haben. Wer sonst nichts hat im Leben, kann hier zumindest so etwas wie eine Reputation bekommen. Da hat er schon mal was, worauf er aufbauen kann.

US-Präsident Donald Trump gilt als Inbegriff des „privilegierten weißen Mannes“. Der Kampf gegen angebliche Privilegien hat auch hierzulande begonnen Foto: picture alliance / AP Photo

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